Lachendorf 2021: CELLEHEUTE-Interview mit Bürgermeister Jörg Warncke

Politik Von Susanne Zaulick | am So., 17.01.2021 - 16:31

LANDKREIS CELLE. In diesem Jahr findet der Januar ohne Neujahrsempfänge statt. Anstelle der sonst in vielen Gemeinden üblichen Rück- und Vorausschau zum Jahresanfang haben wir die Bürgermeister im Landkreis Celle gebeten, für CELLEHEUTE zu berichten, wie die Stimmung vor Ort ist, welche Themen die Politik auf der Agenda hat und was für das kommende Jahr geplant ist. Den Anfang macht heute Jörg Warncke, Bürgermeister der Samtgemeinde Lachendorf.


Herr Warncke, wie ist die Stimmung in Lachendorf? 

Eine pauschale Antwort darauf ist nicht möglich und auch differenzierte Antworten sind durch die geringeren Kontakte auf einen Ausschnitt der Bevölkerung bezogen. Aus den bisherigen Gesprächen kann die unterschiedliche Betroffenheit der Menschen abgeleitet werden. Für Eltern ist die Situation höchst anspruchsvoll und führt daher sicherlich in vielen Fällen zu Anspannung. Bei den Bürger/innen die von Schließung der Unternehmen betroffen sind, ist Zukunftsangst vorhanden. Generell ist die Kurzfristigkeit der gesetzlichen Regelungen ein Problem, weil die Menschen sich nicht darauf vorbereiten können.  

Was überwiegt angesichts der coronabedingten Einschränkungen: Frust darüber, dass vieles nicht stattfinden kann oder Aufatmen, dass Dinge abgearbeitet werden können, für die man jetzt endlich mal Zeit findet?
  
Auch hier ist ein abschließendes Meinungsbild nicht möglich. Allerdings habe ich den Eindruck, dass die „freie Zeit“ nicht zwingend als bereichernd angesehen wird, weil es davon seit März letzten Jahres schon sehr viel gab und die Gestaltungsmöglichkeiten für die „gewonnene“ Zeit eingeschränkt sind.

Wie kompensieren Sie die fehlenden Gespräche und Begegnungen mit Bürgern? 

Eine echte Kompensation ist nicht möglich. Das Gespräch am Rande von Veranstaltungen oder zufälligen Begegnungen kann weder durch Technik noch durch andere Maßnahmen ersetzt werden. Gerade weil auch die Coronaverordnungen immer wieder als Ziel die Kontaktreduzierung ausgeben und die Verwaltungsführungen mit gutem Beispiel vorangehen müssen, bleibt nur die Möglichkeit des Telefons oder der Mailverkehr. Diese Kommunikationswege haben allerdings drastisch an Umfang gewonnen. Im November und Dezember 2020 wurden die Sitzungen der kommunalen Gremien als Präsenzsitzungen durchgeführt, so dass ein wenig Kontakt zu interessierten Bürgern möglich war.

Was erhoffen Sie sich vom neuen Jahr für Ihre Samtgemeinde?

 Ich erhoffe mir, dass wir ab Sommer diesen Jahres wieder zu deutlich weniger Einschränkungen als derzeit kommen und wir dann die Planungs- und Bauvorhaben die wir mit dem Doppelhaushalt 2021/2022 auf den Weg gebracht haben auch umsetzen können. Dazu gehört auch der Architektenwettbewerb zum neuen Rathaus. Vor allem hoffe ich aber, dass wir die Wahlen im September möglichst problemfrei durchführen können. Das wird eine ganz besondere Herausforderung durch die Vielzahl der einzelnen Wahlen. Wünschenswert wäre zudem, dass der Übergang in der Verwaltungsführung möglichst problemfrei erfolgt.

Welches Thema hätten Sie in diesem Jahr lieber nicht auf der Tagesordnung und warum?

Die Wahlen in 2021 stellen eine sehr große Herausforderung dar. In Zeiten einer (hoffentlich) abflauenden Pandemie fünf Wahlen zu kommunalen Vertretungen bzw. Hauptverwaltungsbeamten mit möglichen Stichwahlen sowie eine Bundestagswahl zu organisieren ist mehr als schwierig.

Was ist aus Ihrer Sicht gut gelaufen 2020 in Lachendorf?

Die Pandemiefolgen werden nach anfänglichen Schwierigkeiten zeitgerecht und zielführend abgearbeitet. Die Fertigstellung der neuen Kindertagesstätte mit vier Gruppen ist zeitgerecht und innerhalb des Kostenrahmes erfolgt und der Betrieb ist sehr gut angelaufen, trotz der Pandemiesituation. Die Verbesserung der Ausstattung der Feuerwehr durch Beauftragung von zwei Großfahrzeugen ist begonnen worden und wird im Jahr 2021 abgeschlossen.

Wo sehen Sie noch größeren Handlungsbedarf und was können Sie als Bürgermeister tun, damit es hier vorangeht?

Die starke Verbreitung der Arbeit von zu Hause wird sich in der Zukunft nicht wieder in gleichem Maße zurückentwickeln. Daraus folgt aber, dass die technischen Voraussetzungen dafür verbessert werden müssen. Der Glasfaserausbau muss dringend erfolgen. Die Rahmenbedingungen sind durch politische Fehlsteuerung auf EU- und Bundesebene aber sehr schlecht. Hier wird der Ansatz sein, sich mit alternativen Anbietern wie der Celle-Uelzen-Netz in Verbindung zu setzen und zu versuchen, wenigstens Teile der Gemeinden mit Glasfaserhausanschlüssen zu versorgen.

Ihr wichtigster Vorsatz für 2021?

Weiterhin den Mut zur Zukunft behalten, auch wenn es gerade etwas schwierig ist.

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