Celler feiern Mega-Party – Stadtfest lockt Tausende in die Innenstadt

Kultur + Gesellschaft Von Redaktion | am So., 15.09.2019 - 15:42

CELLE. "Die waren richtig gut, die könnte ich den ganzen Abend weiterhören“, lautet die spontane Reaktion am Ende des Auftritts von „Stars & Bars“ zweier Gäste vor dem Schloss am Samstagabend. Einer der wenigen Wünsche, die sich bei diesem sechsten Celler Stadtfest nicht erfüllen lassen. Eine große musikalische Vielfalt ist Teil des Konzeptes, noch ein kleiner Nachschlag vom ohrenschmeichelnden Blues der „Stars & Bars“ ist erlaubt, dann wird umgebaut für die Tommy Schneller Band. Mehr als 40 Formationen – alle mit Celle-Bezug auf die einer oder andere Art – auf drei Bühnen bieten für fast jeden Geschmack etwas.
„Der Markt ist gar nichts für uns“, lassen die beiden Freundinnen Gaby und Tini auf dem Weg zur Stechbahn mit Nachdruck verlauten. Je weiter das Fest voranschreitet – das gefühlt ganz Celle in die Altstadt gelockt hat, so dicht drängen sich die Menschen vor den Bühnen und in den Straßen – desto ausgeprägter bilden sich die unterschiedlichen Musikrichtungen heraus. Der Rapper Selani, der Mix aus Hip-Hop, Rock und Reggae von Waterpistol Drive By ziehen nahezu ausschließlich sehr junge Besucher an. Wenige Meter weiter hat sich ein tanzendes und mitsingendes Publikum zurückgebeamt in die eigenen Jugendjahre: „Elsa Hell“ lassen auf der Stechbahn die 1980er aufleben, „Skandal im Sperrbezirk“ von Spider Murphy, „Nur geträumt“ von Nena und dann „wartet watt für die Seele“, wie es von einem der Mitglieder der sechsköpfigen früheren Schülerband angekündigt wird: „Ich liebe Dich“ von Clowns und Helden, perfekt interpretiert vom Frontman, begeistert. Die Gäste sind nicht nur komplett aus dem Häuschen, sondern auch so zahlreich, dass es kaum möglich ist, dem Retro-Spektakel zu entkommen, um sich Rhythm and Blues am Schloss zu widmen.

„Umsonst und draußen“, der Werbeslogan der Veranstalter, kommt an, und zwar nicht nur beim Publikum. In der Musikszene hat sich das Event deutschlandweit rumgesprochen. „Wir haben Bewerbungen für Auftritte aus dem gesamten Bundesgebiet“, berichtet Mitorganisator und Moderator der Markt-Bühne, Christoph Buchmüller, „aber das wollen wir nicht. Der Celle-Bezug ist Kriterium.“ Eine der bekanntesten Bands mit diesem Merkmal sind die Punkrocker „Mary’s Forbidden Dreams“. Die Stimmung ist kaum zu toppen, als die vier Celler die Stechbahn-Bühne zum Ende des Programms rocken.

Die Musik, Leute treffen, einen schönen Abend verbringen – diese Motive stehen aus Sicht der Besucher im Vordergrund - die logistische Herausforderung, die eine Veranstaltung solchen Ausmaßes darstellt, tritt dahinter zurück. So entspannt wie das Mitglied des neunköpfigen Organisationsteams Klaus Schlechte mit seiner Partnerin am frühen Samstagabend über das Gelände schlendert, hat man ihn die Tage zuvor während der Vorbereitungsphase nicht erleben können. Wie fühlt man sich, wenn man das Ergebnis seiner Arbeit sieht? „Gut“, sagt Schlechte sehr bescheiden. Bei dieser Mega-Party läuft alles wie am Schnürchen, ein Resultat perfekter Organisation und Unterstützung von insgesamt 350 ehrenamtlichen Helfern, die für Auf- und Abbau, Gastronomie und vieles mehr sorgen. Security-Personal ist allerorten sichtbar, vier Polizisten fallen ins Auge. „Einen konkreten Anlass haben wir nicht, wir produzieren Sicherheit“, erläutert ein Beamter auf Nachfrage.

Unweit der Gesetzeshüter steht Lars und genießt das Ergebnis des ehrenamtlichen Engagements in vollen Zügen. Sieben Jahre hatte er seiner Geburtsstadt den Rücken gekehrt, jetzt ist er wieder da. „Das ist ein Aspekt von Heimat, auf diesem Fest zu sein“, sagt der junge Mann. Dass die Bands alle etwas zu tun haben mit der Region und die Mega-Party von Cellern für Celle organisiert wird, ist aus seiner Sicht von großer Bedeutung. Bevor er sich entschloss, zurückzukommen, wurde ihm etwas berichtet, was er am Freitag und Samstag beim Stadtfest bestätigt findet. Celle habe sich total gemacht, hieß es. „Das kann ich nur unterstreichen“, sagt Lars, bevor er sich wieder auf die Musik der Markt-Bühne konzentriert.