CELLE. Damit hatten vier Inhaftierte der JVA Celle wohl kaum gerechnet: Eine Tür, die sie gemeinsam künstlerisch gestalteten, ist in diesem Sommer Bestandteil der „Weltausstellung Reformation“ in Wittenberg. Sie ist dort noch bis zum 10. September im „Türhaus der Gerechtigkeit“ auf dem Kirchplatz zu sehen. Eine Jury, der unter anderem die Reformationsbotschafterin Margot Käßmann und der Präsident der Diakonie Deutschland Ulrich Lilie angehörten, wählte sie als eine von 60 aus über 170 gestalteten Türen aus.

Entstanden ist die Tür im Rahmen eines Kreativworkshops für Inhaftierte der JVA Celle. Dazu hatte die Celler Anlaufstelle „Projekt Brückenbau“ zusammen mit dem Sozialen Dienst der JVA Celle eingeladen. Vier Inhaftierte nahmen teil und entwarfen gemeinsam eine Tür zum Thema Gerechtigkeit und zweite Chance. Anlass war die Kampagne „Türen öffnen. Gerechtigkeit leben.“  der Diakonie Deutschland: Alle diakonischen Einrichtungen in Deutschland wurden eingeladen, zum Reformationsjubiläum Türen zum Thema Gerechtigkeit zu gestalten.

Gemeinsam stellten sich die Inhaftierten die Frage, was Gerechtigkeit für sie bedeutet – sowohl in Haft, als auch nach der Entlassung: Was erwartet mich, wenn sich die Türen eines Tages öffnen? Hoffnungen, Wünsche, aber auch Ängste fanden auf der Tür eine künstlerische Ausdrucksform. Da schwimmt zum Beispiel ein kleines Floß auf dem Meer Richtung Leuchtturm und rettender Menschen, aber der Weg dahin ist noch weit, und unter der Wasseroberfläche lauert der Hai als Symbol für Ängste und Konflikte. Auf der anderen Türseite wirkt für den Menschen hinter Gittern die Freiheit unerreichbar weit weg, wie der Himmel. Zu erreichen ist sie nur, wenn ihm jemand eine helfende Hand entgegenreicht.

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