"Celler Klüngel": Stadt setzt Prangerschänke-Pächter vor die Tür

Wirtschaft Von Redaktion | am Mi., 20.02.2019 - 19:00

CELLE. „Viele hatten mich vor ihm gewarnt - auch eine Freundin, die ihn nur eine Stunde kennengelernt hatte. Sie hatten recht, ich war der Dumme.“ Jost Kummer sucht die Schuld bei sich, aber wie es gelaufen ist, möchte er nicht auf sich sitzen lassen. Ohne die sonst übliche und offenbar vorgeschriebene Ausschreibung habe die Stadt ohne sein Wissen dem ehemaligen „Schweine-Schulze“-Inhaber Udo Röder den Zuschlag zur Fortführung der beliebten „Prangerschänke“ an der Celler Stechbahn gegeben. Er selbst sei nicht einmal gefragt worden und selbst ein Konzept fand nur augenscheinliche Beachtung.

„Ich bin menschlich enttäuscht, von meinem ehemaligen Mitarbeiter und von der Stadt Celle“, so Kummer. Seit 2011 betreibt der Gastronom das Lokal. Als Röder im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben von seiner Tochter Hausverbot im „Schweine-Schulze“ erhielt, gewährte er ihm quasi Unterschlupf. Seit einem halben Jahr hatte er in der Gaststätte ausgeholfen. Erst vor wenigen Wochen erfuhr der 68-Jährige, dass die Pacht auslaufe. Was Kummer nicht ahnte: Hinter seinem Rücken hatte Röder bereits gemeinsam mit der Stadt Celle die Nachfolge eingefädelt. Durch sein ehemaliges „heimliches Rathaus“ in der Neuen Straße hatte er als FDP-Mitglied offensichtlich „den direkteren Draht auf kleinem Dienstweg“.

 
Anfang des Jahres hatte Kummer auf Vorrat Ware eingekauft und wusste nun nicht mehr, wohin damit. Nur aufgrund dieses Umstandes und seiner Nachfrage bei der Stadt, ob er diese wenigstens zum halben Preis dem Nachfolger verkaufen könne, hatte man ihm den Namen überhaupt mitgeteilt.

Kummer wollte sich nicht dem Schicksal ergeben und präsentierte noch im Januar in Windeseile gemeinsam mit Henning Fenger, dem Betreiber vom „Schlosskönig Cafè“, ein Konzept zur Fortführung der Prangerschänke. Bei Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge konnten sie es persönlich vorstellen. Ein „Pranger-Biergarten“ sollte Anziehungspunkt für Touristen und Theater-, Museum- und Kirchenbesucher mitten in der Innenstadt werden. Celler Bier, Celler Torte, Celler Kaffee und die Celler "Rohe Roulade" waren vorgesehen. Der Innenraum sollte umgestaltet und renoviert werden (noch ist er auf dem Stand der 80er) und 100 Terrassenplätze entstehen - außerdem die Öffnungszeit auf täglich ab 12 Uhr erweitert werden.

Der neue Ratskeller-Betreiber Stephan Heider habe eine Kooperation für einen Mittagstisch signalisiert. Direkt aus der Prangerschänke heraus wäre ein Zugang zum Ratskeller ermöglicht worden - aber nur unter der Voraussetzung, dass Kummer Pächter bleibe. Auch originelle Ideen wie Live-Musik auf dem Markt oder „Kirche trifft Kartoffel“, wo von einem sonntäglichen Mittagstisch nach dem Gottesdienst 50 % in die Kollekte geflossen wären, konnte die Stadt nicht überzeugen. Letztlich war das Treffen mit dem OB offenbar nur eine Formalie und die Sache längst entschieden. 

Nach dem Willen der Stadt wird ab kommender Woche Röder gemeinsam mit Carolin Sumpf aus Wathlingen, einer Tochter aus einer unehelichen Beziehung, die Geschäfte weiterführen.

„Was mich besonders trifft ist, dass ich Udo Röder zum Anfang des Jahres fest anstellen wollte und er mich so hintergeht. Auch die Stadt hätte mich wenigstens fragen können - immerhin betreibe ich das Lokal nicht nur wenige Monate - aber man hat mir kein Angebot gemacht und im Gegenteil, mein Angebot mit der üblichen Phrase in einem Standardschreiben mit ‚wir bedanken uns für Ihr Interesse, aber wir haben uns anderweitig entschieden‘ abgelehnt.“
Gemeinsam mit Ludwig Marburger möchte Kummer weiterhin auf dem Großen Plan zum Weihnachtsmarkt den beliebten „dänischen Weihnachtsmarkt“ fortführen. „Wir tun seit Jahren etwas gemeinsam für die Stadt. Dass sie trotzdem so mit alteingesessenen Geschäftsleuten umgeht, macht uns traurig.“

Hinweis: Die Stadt Celle wurde an die Möglichkeit erinnert, sich jederzeit zu unserer Berichterstattung zu äußern. Udo Röder war nicht erreichbar.