CELLE. „Viele hatten mich vor ihm gewarnt – auch eine Freundin, die ihn nur eine Stunde kennengelernt hatte. Sie hatten recht, ich war der Dumme.“ Jost Kummer sucht die Schuld bei sich, aber wie es gelaufen ist, möchte er nicht auf sich sitzen lassen. Ohne die sonst übliche und offenbar vorgeschriebene Ausschreibung habe die Stadt ohne sein Wissen dem ehemaligen „Schweine-Schulze“-Inhaber Udo Röder den Zuschlag zur Fortführung der beliebten „Prangerschänke“ an der Celler Stechbahn gegeben. Er selbst sei nicht einmal gefragt worden und selbst ein Konzept fand nur augenscheinliche Beachtung.

„Ich bin menschlich enttäuscht, von meinem ehemaligen Mitarbeiter und von der Stadt Celle“, so Kummer. Seit 2011 betreibt der Gastronom das Lokal. Als Röder im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben von seiner Tochter Hausverbot im „Schweine-Schulze“ erhielt, gewährte er ihm quasi Unterschlupf. Seit einem halben Jahr hatte er in der Gaststätte ausgeholfen. Erst vor wenigen Wochen erfuhr der 68-Jährige, dass die Pacht auslaufe. Was Kummer nicht ahnte: Hinter seinem Rücken hatte Röder bereits gemeinsam mit der Stadt Celle die Nachfolge eingefädelt. Durch sein ehemaliges „heimliches Rathaus“ in der Neuen Straße hatte er als FDP-Mitglied offensichtlich „den direkteren Draht auf kleinem Dienstweg“.

 

Foto aus „guten Tagen“ – v.l.: Jost Kummer, Udo Röder

Anfang des Jahres hatte Kummer auf Vorrat Ware eingekauft und wusste nun nicht mehr, wohin damit. Nur aufgrund dieses Umstandes und seiner Nachfrage bei der Stadt, ob er diese wenigstens zum halben Preis dem Nachfolger verkaufen könne, hatte man ihm den Namen überhaupt mitgeteilt.

Kummer wollte sich nicht dem Schicksal ergeben und präsentierte noch im Januar in Windeseile gemeinsam mit Henning Fenger, dem Betreiber vom „Schlosskönig Cafè“, ein Konzept zur Fortführung der Prangerschänke. Bei Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge konnten sie es persönlich vorstellen. Ein „Pranger-Biergarten“ sollte Anziehungspunkt für Touristen und Theater-, Museum- und Kirchenbesucher mitten in der Innenstadt werden. Celler Bier, Celler Torte, Celler Kaffee und die Celler „Rohe Roulade“ waren vorgesehen. Der Innenraum sollte umgestaltet und renoviert werden (noch ist er auf dem Stand der 80er) und 100 Terrassenplätze entstehen – außerdem die Öffnungszeit auf täglich ab 12 Uhr erweitert werden.

Der neue Ratskeller-Betreiber Stephan Heider habe eine Kooperation für einen Mittagstisch signalisiert. Direkt aus der Prangerschänke heraus wäre ein Zugang zum Ratskeller ermöglicht worden – aber nur unter der Voraussetzung, dass Kummer Pächter bleibe. Auch originelle Ideen wie Live-Musik auf dem Markt oder „Kirche trifft Kartoffel“, wo von einem sonntäglichen Mittagstisch nach dem Gottesdienst 50 % in die Kollekte geflossen wären, konnte die Stadt nicht überzeugen. Letztlich war das Treffen mit dem OB offenbar nur eine Formalie und die Sache längst entschieden. 

Nach dem Willen der Stadt wird ab kommender Woche Röder gemeinsam mit Carolin Sumpf aus Wathlingen, einer Tochter aus einer unehelichen Beziehung, die Geschäfte weiterführen.

„Was mich besonders trifft ist, dass ich Udo Röder zum Anfang des Jahres fest anstellen wollte und er mich so hintergeht. Auch die Stadt hätte mich wenigstens fragen können – immerhin betreibe ich das Lokal nicht nur wenige Monate – aber man hat mir kein Angebot gemacht und im Gegenteil, mein Angebot mit der üblichen Phrase in einem Standardschreiben mit ‚wir bedanken uns für Ihr Interesse, aber wir haben uns anderweitig entschieden‘ abgelehnt.“

v.l.: Ludwig Marburger und Jost Kummer

Gemeinsam mit Ludwig Marburger möchte Kummer weiterhin auf dem Großen Plan zum Weihnachtsmarkt den beliebten „dänischen Weihnachtsmarkt“ fortführen. „Wir tun seit Jahren etwas gemeinsam für die Stadt. Dass sie trotzdem so mit alteingesessenen Geschäftsleuten umgeht, macht uns traurig.“

Hinweis: Die Stadt Celle wurde an die Möglichkeit erinnert, sich jederzeit zu unserer Berichterstattung zu äußern. Udo Röder war nicht erreichbar.

 



5 Antworten zu “„Celler Klüngel“: Stadt setzt Prangerschänke-Pächter vor die Tür”

  1. Jörg Schaffranick sagt:

    Zu diesem Artikel muss ich leider feststellen, dass er sehr einseitig berichtet. Wie bereits im dritten Satz zu lesen ist, sucht Herr Kummer die Schuld bei sich selbst, wo diese Schuld aber liegen könnte, wird mit keinem Wort mehr erwähnt. Als Gast habe ich selber miterleben „dürfen“, wie Gäste pauschal als Betrunkene beleidigt und zum Verlassen dieser Gaststätte gezwungen werden, nur weil die weibliche Bedienung offensichtlich schließen wollte. Die Öffnungszeiten sind unregelmäßig, oft wird nach 4 Stunden bereits um halb sechs abends geschlossen. Kundenfreundlich war das gerade nicht. Persönlich habe ich mich gegenüber Herrn Kummer wie auch Herrn Röder immer neutral aufgestellt und dieses zu beiden Seiten mitgeteilt, weil ich als fester Gast dort einfach nur ein paar Bier trinken und mit Freunden Würfelspiele teilen wollte. Zu meiner Überraschung wurde mir letzte Woche der Zugang ohne Angaben von Gründen versagt. Ich kann nur vermuten, dass man den Frust über die eigene Unfähigkeit nun an Gästen auslässt, was ich absolut verurteile. So kann man sich nur über einen neuen Besitzer freuen.

  2. Michael Helmes sagt:

    Hallo „Jörg Schaffranick“,

    freue Dich doch, Dein Freund Udo ist doch mit seiner Tochter ab nächster Woche dort neuer
    Betreiber. Es geht in diesem Artikel doch nicht um das gegen Dich ausgespochene Hausverbot.
    Es geht um die Art und Weise wie hier ein Pächterwechsel voran getrieben wurde. Mit Deinem Wissen. Spricht für Dich. Ich finde der Artikel spricht für sich.

  3. Jörg Schaffranick sagt:

    Ich verstehe den Kommentar von Michael nicht. Erstens ging mein Kommentar nicht über das Hausverbot, sondern über einseitige Berichterstattung, und zweitens habe ich versucht deutlich zu machen, dass ich mich beiden Parteien gegenüber neutral verhalten habe. Zu behaupten, „Mit meinem Wissen“ ist Quatsch. Ich habe mich als einfacher Konsument da ganz bewust rausgehalten. Was an dem Pächterwechsel unredlich oder nicht war, hat mich als Gast nicht zu interessieren. Ob ich noch Kontakt zu Udo oder nicht habe, ist meine Sache, ich habe nie behauptet, dass ich mit irgendetwas einverstanden war. Nochmals, ich habe lediglich versucht, mich aus dem Streit rauszuhalten. Ich fand den Artikel unredlich, da hier Stimmungsmache gemacht wird. Persönliche Probleme seitens Herrn Röder mit seiner Tochter (Schweine-Schulze) haben z.B. nichts mit der Prangerschänke zu tun, auch die Formulierung „Unterschlupf gewähren“ finde ich journalistisch fragwürdig, da meines Wissens nach Herr Röder weder obdachlos ist, noch jemals in der Prangerschänke geschlafen hat.
    Was mein Hausverbot angeht: ich habe mich als Gast gegenüber Herrn Kummer immer korrekt verhalten. Hätte ich Partei genommen, wäre ich nach dem Rauswurf von Herrn Röder nicht mehr gekommen.

    • Peter Fehlhaber sagt:

      Sehr geehrter Herr Schaffranick,
      zum Vorwurf der einseitigen Berichterstattung oder gar Stimmungsmache verweise ich als Autor auf das Ende des Artikels – Ihre Unterstellungen sind abwegig und lassen erahnen, warum Sie in der Prangerschänke Hausverbot haben. Bei gleicher Bewertungsgrundlage sind auch Ihre Kommentare einseitig und „stimmungsmachend“ – haben mit der Thematik und dem Bericht jedenfalls nichts zu tun. Natürlich steht Ihnen der Rechtsweg frei, wenn Ihr Vorfall unrechtmäßig abgelaufen ist – unsere Zeitung als Forum für eine persönliche Fehde zu nutzen, werden wir nicht weiter zulassen.

  4. Jörg Schaffranick sagt:

    Sehr geehrter Herr Fehlhaber.
    Vielen Dank für Ihren Bericht. Ich werde darüber nachdenken. Es tut mir leid, wenn ich Sie als Autor gekränkt haben sollte.

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