CELLE. Eine teilweise sehr gereizte Stimmung herrschte gestern Abend im aus allen Nähten platzenden ev.-luth. Pfarramt in Altenhagen. Der Ortsrat Altenhagen (gemeinsam mit Bostel und Lachtehausen) hatte zu einer öffentlichen Infoveranstaltung zum Planfeststellungsänderungsverfahren – Mittelteil der Celler Ostumgehung – eingeladen und war damit erwartungsgemäß auf großes Interesse bei der Bevölkerung gestoßen.

Sönke Zulauf, Fachbereichsleiter Planung der zuständigen Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV), Geschäftsbereich Verden, Carsten Imm, Zentraler Geschäftsbereich Hannover der NLStBV und Bernd-Wilhelm Winkelmann, Büro für Beratung bei Straßenplanungen, informierten ausführlich über die nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Lüneburg vom 22.04.16 nötig gewordenen Planänderungen zum Fledermausschutz. Bis zum 13. Juni 2018 liegen die Planänderungsunterlagen zur Einsicht im Neuen Rathaus aus. Bis dahin können noch Einwände gegen die Änderungen vorgebracht werden.

„Es gibt 22 bis 23 Fledermausarten – alle sind streng geschützt“, erläuterte Imm. Damit die Fledermäuse, deren Lebensräume sich teilweise dort befinden, wo einmal die neue Ostumgehung entlanggeführt werden soll, nicht in den Straßenverkehr geraten, waren in den Planungen von 2015 teilweise Querungshilfen vorgesehen, die vom OVG jedoch als nicht ausreichend angesehen worden waren. Alle anderen Maßnahmen seien in Ordnung gewesen. So habe man direkt nach dem Urteil von 2016 begonnen, sich um die vom OVG geforderten Nachbesserungen zu kümmern, berichtete Imm. Dr. Jochen Lüttmann von der Firma FÖA Landschaftsplanung in Trier, der langjährige Erfahrung auf dem Gebiet des Fledermausschutzes vorweisen könne, habe beratend zur Seite gestanden. Imm und Winkelmann zeigten den Zuhörerinnen und Zuhörern, an welchen Stellen der Ostumgehung beispielsweise statt einreihigen, nun zweireihige Hecken geplant seien oder wie weit Schutzzäune bzw. Schutzwände erhöht werden müssten, damit die Fledermäuse Strukturen vorfinden, an denen sie sich orientieren und sicher die Straße überqueren können.

Im Anschluss stellten sich die Planer den Fragen der Bürgerinnen und Bürger. „Werden die Hauptfluglinien der Fledermäuse nicht durch die Bauwerke beeinflusst?“, wollte ein Zuhörer wissen. Alle potentiellen Flugrouten seien gewürdigt worden, und laut bisheriger Erfahrungen würden die geplanten Maßnahmen erfolgversprechend sein, so die Planer. Einige Anwohner Lachtehausens sorgten sich um den Hochwasserschutz für ihren Ort, der aus ihrer Sicht in den Planungen nicht genügend berücksichtigt worden sei. „Wir betrachten hier allein die erweiterten Maßnahmen für den Fledermausschutz“, lautete die Antwort von Winkelmann. Alles andere sei vom Gericht nicht beanstandet worden und bei den Planungen genügend berücksichtigt worden, versuchte er zu beruhigen. Die betroffenen Anwohner überzeugte das allerdings nicht. Ebenfalls ein Thema waren der Schallschutz und die Frage, ob die Fledermausbrücken auch für Radfahrer zu nutzen seien.

Auf die zentrale Frage, die natürlich alle Anwesenden besonders interessierte, konnten die Planer keine konkrete Antwort geben: „Wann wird die Ostumgehung fertig sein, wenn nun keine Einwände mehr erhoben werden?“ Zumindest die Aussage, dass die Gesamtbauzeit fünf bis sechs Jahre betragen werde und dass man im nächsten Jahr zumindest mit einem Teilstück beginnen wolle, wenn denn bis zum Jahresende Baurecht bestehen würde, ließen sich Imm, Winkelmann und Zulauf entlocken.

Text: Angela Siems

 

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