CELLE. Seit mehr als 20 Jahren ist der Zugang zur Celler Schlosskapelle zum Schutz der wertvollen Kunstschätze durch eine Glaswand getrennt. Am 25. Oktober hält Landesbischof Ralf Meister dort erstmals einen Festgottesdienst zum Reformationsjubiläum, der in der Schlosskapelle beginnt und in der Stadtkirche fortgesetzt wird. Damit beginnt eine Projektphase, um eine Wiederbelebung der Kapelle zu erproben. Wenn alles klappt, können frühestens 2018 wieder offizielle Gottesdienste stattfinden.

Presse Schlosskapelle 10

Sie gilt als Kunstwerk von europäischem Rang und zählt zu den bedeutendsten Hinterlassenschaften der Renaissance in Norddeutschland – die Celler Schlosskapelle. Der Zugang zur Kapelle ist jedoch aufgrund starker Schädigung durch Übernutzung seit Jahren nur noch eingeschränkt möglich. Seit einiger Zeit untersucht das Land Niedersachsen gemeinsam mit der Evangelisch-lutherischen (Ev.-luth.) Landeskirche Hannover, der Stadt Celle und Fachleuten für Bauphysik und Konservierung in einer gemeinsamen Machbarkeitsstudie die Möglichkeiten und Grenzen einer denkmalverträglichen Nutzung und Klimatisierung der Schlosskapelle unter Vermeidung neuer Schäden. Heute wurde die in Kürze beginnende nächste Phase des Projektes der Öffentlichkeit vorgestellt.

Weil insbesondere die Atemluft sehr vieler Besucher in den 80er und frühen 90er Jahren zu starken Klimaschwankungen in der Kapelle geführt hatte, seien unter anderem Schäden durch Schimmelbefall, Bakterien und abplatzende Farbe an Einbauten, Malereien und Reliefs die Folge gewesen, erläuterte Prof. Dr. Erwin Stadlbauer, Abteilungsleiter Fachdienste und Projektleiter des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege. Bereits 1995 habe man eine Glasscheibe eingezogen, die eine klimatische Trennung vom Besucherraum ermöglicht habe. „Die Glaswand war sehr sinnvoll, um das völlig überlastete Klima zu konsolidieren“, so der Projektleiter. Das sei inzwischen erreicht, nun gelte es die Substanz zu sichern und das Klima zu stabilisieren.

In der ab 25. Oktober mit einem Gottesdienst zum Reformationsjubiläum in der Schlosskapelle beginnenden Phase wolle man akribisch messtechnisch erfassen, wie sich solcherlei Veranstaltungen auf das Raumklima auswirken. Auf Basis der ersten Messergebnisse vom Gottesdienst werde man Andachten und Führungen für 2018 planen, die ebenfalls Aufschluss darüber geben sollen, wie viele Besucher man zulassen könne, ohne dass neue Schäden zu erwarten seien. Die bauphysikalische Modellierung und die Simulation von Nutzungsszenarien im Rechenmodell sei der zweite Projektschwerpunkt in dieser Phase. „Wir gehen davon aus, dass Ende 2018 Strömungssimulationen und Modellrechnungen durchgeführt werden können, mit denen eine Konzeption der denkmalverträglichen Nutzung mit angepasster Klimatechnik einschließlich Wartung und Pflege erstellt werden kann“, erläuterte Stadlbauer.

„Einen Gottesdienst in der Schlosskapelle feiern, wie Generationen vor uns, und trotzdem das Denkmal erhalten – ich finde großartig, dass das in dieser Kooperation gelingen kann“, sagte Dr. Andrea Burgk-Lempart, neue Superintendentin des Ev.-luth. Kirchenkreises Celle. Werner Lemke, landeskirchlicher Baudirektor der Ev.-luth. Landeskirche Hannover ist gespannt auf die Ergebnisse des Projektes, die dann auch Anwendung in der Erhaltung anderer Kirchen finden könnten.

Das Modellprojekt wird gefördert von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, dem Ministerium für Wissenschaft und Kultur, dem Finanzministerium, der Ev.-luth. Landeskirche und der Stadt Celle. Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge bedankte sich für das finanzielle und wissenschaftliche Engagement der verschiedenen Institutionen. „Die Schlosskapelle ist das historische Herz Celles. Wenn am 25. Oktober nach Jahrzehnten erstmals wieder ein Gottesdienst in der Kapelle gefeiert werden kann, wird ein Kleinod wieder zum Leben erweckt, das für unser Land eine ganz besondere Bedeutung hat“, so der Oberbürgermeister.

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