CELLE. Am 30. Juni soll es in Celle einen Aufmarsch der rechtsextremen „Patrioten Niedersachsen“ geben.
Ein breites Bündnis hat daher unter dem Motto „Bündnis für ein weltoffenes Celle“ zu Protesten aufgerufen. Laut Aussage der „Partei“ wolle sich Celles Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge diesem Aufmarsch gegenüber neutral verhalten. „Das ist beschämend und sendet ein falsches Signal“, findet der Grünen-Fraktionsvorsitzende Bernd Zobel. Dirk Gerlach von „Die Partei“ hat einen entsprechenden Aufruf gestartet, WG-Politiker Torsten Schoeps pflichtet ihm bei. 

„Auch die Repräsentanten dieser Stadt müssen Flagge zeigen, dass Rechtsextreme und neonazistische Aufmärsche in Celle nicht willkommen sind. In Goslar hatte am 2. Juni 2018 der CDU-Oberbürgermeister Junk anlässlich eines rechten Aufmarsches ein richtiges Zeichen gesetzt und die Proteste aktiv unterstützt“, so Zobel weiter.

Dirk Gerlach, Celler „Die Partei“-Ratsmitglied, ist überzeugt, dass sich unter den Demonstranten nicht wenige Mitglieder der extremen rechten und gewaltbereiten Szene befinden und auch der sogenannten „Reichsbürger“ zuzuordnen seien. Das bestätige ein Blick auf die Teilnehmerliste bei der von den „Patrioten“ auf FACEBOOK angekündigten Veranstaltung. „Ich halte ich es für ausgesprochen befremdlich, dass hierzu aus dem Rathaus weder unser Oberbürgermeister, Herr Dr. Jörg Nigge, noch unser Bürgermeister, Herr Heiko Gevers, Stellung bezogen haben.“ Zu den anderen Bürgermeistern Iris Fiss (Die Unabhängigen) und Dr. Jörg Rodenwaldt (SPD), die ebenfalls keine Stellung beziehen, äußert er sich nicht.

„Auf meine heutige schriftliche und fernmündliche Anfrage im Büro des OB, ließ dieser durch seinen Sprecher verlauten, dass sich die Repräsentanten der Stadt ’neutral‘ halten wollen und er auch an den Gegendemonstrationen nicht teilnehmen wird“, zitiert Gerlach die Verwaltung.

„Ein klares Signal im Vorfeld dieses klabauterhaften Aufzugs von Ewiggestrigen wäre jedoch das Mindeste, was man zu diesem Zeitpunkt aus dem Rathaus erwarten kann. Besser wäre es jedoch, einer der Herren würde sich darüber hinaus deutlich von dieser Veranstaltung öffentlich distanzieren und die Celler BürgerInnen aufrufen, sich den verschiedenen Gegendemonstrationen des DGB und der Partei „Die PARTEI“ anzuschließen, die gegen diesen Naziaufmarsch mobil machen“, fordert der Politiker.

„Neutralität“ könne man sich angesichts der gesamtpolitischen Situation insbesondere in Celle nicht leisten und verweist auf ein Zitat vom evangelischen Theologen Martin Niemöller (1892-1984):

„Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“

„Als Mitglied des Rates und Vorsitzender der Partei ‚Die PARTEI‘ fordere ich Herrn Dr. Nigge und /oder Herrn Heiko Gevers auf, diesen Schritt unverzüglich nachzuholen und dies möglichst über den Presseweg noch so rechtzeitig zu kommunizieren, dass es die Celler BürgerInnen erreicht, damit sie zahlreich am 30.06. erscheinen, um sich gegen Rechtsradikalismus, Rassismus und Intoleranz einzusetzen.

Andernfalls muss davon ausgegangen werden, dass für derartige Veranstaltungen hier in Celle eine Duldungspraxis eingeführt werden soll, die langfristig den Nährboden für die Verbreitung rechtsextremistischen Gedankenguts schafft“, so Gerlach abschließend.

Die Demonstration ist für Sonnabend, 30.6.2018 ab 13 Uhr am Bahnhof Celle geplant. Die Gegendemonstranten wollen sich ab 11.30 Uhr zum „geselligem Beisammensein mit Frühstück in den Triftanlagen“ treffen und ab 12.30 Uhr gemeinsam zum Bahnhof spazieren. Um 15.30 Uhr ist eine Kundgebung auf dem Großen Plan geplant.

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