Celles Straßen sind marode

Verkehr Von Anke Schlicht | am Sa., 13.02.2021 - 09:07

CELLE. Der Wilhelm-Heinichen-Ring steht auf Platz eins, die Alte Dorfstraße ist ihm dicht auf den Fersen, und auf Platz drei findet sich die Lachtehäuser Straße wieder, gefolgt von der Trift und der Fritzenwiese. Diese Verkehrswege rangieren nicht ganz oben auf einer Hit-, sondern auf einer Verfallsliste. Es sind die fünf marodesten Straßen der Herzogstadt, die neu gebaut werden müssten. Der Straßen-Gutachter Thomas Wittor hielt am Donnerstagabend in seinem Vortrag über das Straßenzustandskataster keine guten Nachrichten für die Mitglieder des Ausschusses Umwelt, Verkehr und technische Dienste bereit. Er hat das Celler Primärnetz, also alle stark befahrenen und vom öffentlichen Personennahverkehr genutzten Straßen mit einer Länge von 367 Kilometer, einer Analyse unterzogen. Das Ergebnis fasste der Leiter des Dezernates Bauen und Umwelt Ulrich Kinder nach Ende des Referates mit den Worten zusammen: „Es spitzt sich zu. Der Zustand wird immer schlechter. Der Aufwand wird immer größer. Es müssen mehr Mittel eingesetzt werden.“ Derzeit wird nur geflickt, nicht grundsaniert, weil dieses zu teuer wäre.

Thomas Wittor bilanzierte auf der Basis von 2.844 Meter Straße, die in den vergangenen fünf Jahren neu entstanden: „Wir bauen zu wenig neu im Bestand.“ Die Verkehrsbelastung werde jedoch immer größer. Das Straßenvermögen betrug im Jahr 2008 noch 49,5 Mio Euro, im Jahr 2020 dagegen nur noch 33,8 Mio Euro. Bei den Kosten für die Instandsetzung ist das Verhältnis umgekehrt, es muss stetig mehr Geld aufgewendet werden. Im Jahr 2001 hätte man das Straßennetz noch für neun Mio Euro reparieren können, rund 20 Jahre später würde man für dieselbe Leistung 100 Mio Euro ausgeben müssen. Wittors Analyse ergab, dass an Neubaumitteln 10 Mio Euro pro Jahr notwendig wären, dem steht ein Ist-Wert von 1,36 Mio Euro pro Jahr gegenüber, bei der Straßenunterhaltung und Instandsetzung beträgt die Relation 1,3 Mio (Ist-Wert) im Vergleich zu 4,7 Mio (Soll-Wert).

Oliver Mülller (BSG/Die Linke) fragte, ob langfristig die Reduktion des individuellen Pkw-Verkehrs ein Schritt zur Lösung des Gesamtproblems wäre. Kinder antwortete: „Im Moment hilft uns das nicht, die Schäden sind da.“ Eine gute Nachricht hatte der Gutachter dann doch noch im Gepäck, auf Nachfrage von Juliane Schrader (Grüne), welche Straßen denn so schlecht seien, dass sie gesperrt werden müssten, sagte Thomas Wittor: „Keine Straße in Celle ist verkehrsuntüchtig.“

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