CELLE. Der SVG verabschiedet sich aus der Bundesliga und er verabschiedet sich nach CelleHeute-Informationen auch von Trainer Martin Kahle. Bisher war ihm das keine offizielle Meldung wert. Vielmehr sucht der Verein in einer langen Pressemitteilung Schuldige und Schuldenbegleicher. Rückfragen bleiben unbeantwortet, stattdessen droht ein Beschuldigter mit dem Anwalt. Der einstige Hoffnungsträger versinkt im Chaos.

Schon am Donnerstag hatte Kahle die Mannschaft und Clubführung über seinen Entschluss informiert, zwei Tage nach der umfangreichen Pressemitteilung, unten im Original-Wortlaut. Dort wird nach Spendern und Sponsoren für 50000 fehlende Euro gesucht. Neben fehlenden Sponsoringeinnahmen sieht die Vereinsspitze die Schuld auch bei den ehemaligen beiden Geschäftsführern, obwohl einer von ihnen schon mehr als zwei Jahre dort nichts mehr zu verantworten hat. Nachfragen von CelleHeute nach konkreten Gründen bleiben sowohl vom SVG als auch dem Ex-Geschäftsführer unbeantwortet. Letzterer lässt stattdessen durch einen Anwalt mitteilen, seinen Namen nicht auf CelleHeute lesen zu wollen. Das scheint in dieser Situation allerdings das kleinste Problem zu sein.

Hier die Mitteilung, wie immer ungekürzt und unkommentiert (mit Ausnahme des o.g. Namens)

SVG Celle stellt sich für die kommende Saison neu auf – Wirtschaftliche Unterstützung dringend notwendig
Spätestens seit der Niederlage vom vergangenen Samstag gegen den TV Nellingen steht fest, dass der SVG Celle in der kommenden Saison nicht mehr in der 1. Handball Bundesliga der Frauen spielen wird. Der Verein plant dabei einen kompletten Neuanfang, der in der 2. Bundesliga beginnen soll. Dafür bittet der Verein nunmehr um kurzfristige Unterstützung.

„Wir werden keinen Antrag für die Lizenz in der 1. Bundesliga stellen!“, macht der Leiter Sponsoring Jörg Oehus klar. In der derzeitigen Situation macht dieser Schritt tatsächlich keinen Sinn. Denn auch wirtschaftlich klafft für die laufende Saison noch eine Lücke, die schnellstmöglich geschlossen werden muss. „Uns fehlen für die laufende Saison noch ca. 50.000 €. Die Lage ist wirklich ernst.“, so Andreas Meyer. Mit der Etatlücke steht man nunmehr in Celle in einer Reihe mit der HSG Nordhorn/Lingen (160.000 €) und dem HC Leipzig (900.000 €).
Grund für die Lücke sind zum einen fehlende Sponsoreneinnahmen, aber auch eine größere Summe aus der Zeit vom ehemaligen Geschäftsführer XXX sowie XXX drückt auf die momentane Liquiditätslage. Die Lage ist sehr angespannt. Wir brauchen Unterstützung in den kommenden drei bis vier Wochen, sonst ist es unmöglich, den Spielbetrieb aufrecht zu erhalten.

„Wir haben trotz der prekären Lage sehr viel Positives erreicht in dieser Saison. Bei acht Abgängen und sieben Neuzugängen haben wir die Personalkosten gegenüber dem Vorjahr um fast 35% gesenkt. Auch bei anderen Kosten haben wir gespart, wo es möglich war. Wir möchten sehr gerne im kommenden Jahr in der 2.Bundesliga einen Neuanfang starten. Die organisatorischen Änderungen aus dieser Saison sollen verfeinert werden, aber auch personell möchten wir eine neue Zukunftsperspektive der Region anbieten. Neben dem Stamm der Mannschaft sollen junge talentierte Spielerinnen, hauptsächlich aus der Region nach Celle gelockt werden. Ziel ist es unserer Meinung nach nicht, sofort wieder aufzusteigen. Wir möchten uns sportlich und auch finanziell wieder stabilisieren, damit der Handball-Bundesliga Standort Celle noch länger erhalten bleibt. In zwei bis drei Jahren ist mit dem Neubau der Sporthalle in der Burgstraße zu rechnen. Zu diesem Zeitpunkt möchte Celle dann wieder vorsichtig oben anklopfen“, so der Leiter des Sponsorings Jörg Oehus.

Voraussetzung für die Zukunft ist jedoch, dass diese Lücke jetzt kurzfristig geschlossen wird. Wenn wir es nicht schaffen und die GmbH in die Insolvenz gehen muss, dann kann der SVG Celle keine Lizenz für die 2.Bundesliga beantragen. So sind die Regularien des Deutschen Handball-Bundes. Ein Neuanfang in der 3.Liga wäre aufgrund des fehlendes Personals sowie der Zukunftsperspektive nur sehr schwer darstellbar, zumal man in der kommenden Saison nicht sofort wieder aufsteigen dürfte.

„Bei der sportlichen Situation in dieser Saison muss man bedenken, dass wir viele junge Talente verpflichtet hatten, für die die 1.Bundesliga etwas zu früh war. Der sportliche Wettkampf hat sie aber weiter entwickelt. Sie sollen das Gerüst des neuen SVG Celle sein, um sich in der 2.Bundesliga wieder zu etablieren. Zusätzlich soll die

Zusammenarbeit mit der Jugendabteilung intensiviert werden,“ so Ekkehard Loest, der sportliche Leiter des SVG Celle. Wir bitten die regionale Wirtschaft sowie unsere Sponsoren um Hilfe, damit unsere Aufbauarbeit aus dem letzten Jahr nicht vergebens war. „Sollten wir es nicht schaffen, die Lücke zu schließen, dann droht der komplette Zerfall des SVG Celle sowie des Bundesligastandorts. Ein sportliches Aushängeschild der Stadt Celle würde komplett verschwinden von der Landkarte. Daher die Bitte, unsere Aufbauarbeit der letzten 14 Monate zu unterstützen. Der richtige Weg wurde vor Monaten eingeleitet.“ so Sprecher der Handball GmbH Andreas Meyer.
Wir werden in den kommenden Tagen eine umfangreiche Kampagne starten, die den Neuanfang langfristig sichern wird, aber auch die kurzfristige Not beheben soll.“

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