*Aktualisiert* "Corona-Razzia" in Bad Fallingbostel (mit LHTV-Video)

Polizei + Feuerwehr Von Redaktion | am Mo., 26.10.2020 - 15:33

BAD FALLINGBOSTEL. Seit den frühen Morgenstunden kontrollieren Polizei, Zoll und Gesundheitsamt nach offiziellen Angaben "die Einhaltung des Infektionsschutzes" in mehreren Wohnungen. Wir meldeten am Vormittag in unserer Facebook-Ausgabe von HEIDEKREISHEUTE.DE.

Im Fokus stehen dabei Sammelunterkünfte osteuropäischer Arbeiter, die für ein großes Logistik-Unternehmen tätig sein sollen. Die Behörden wurden aufmerksam, nachdem Arbeitskräfte eurasischer Herkunft auf engstem Raum in oftmals leer stehenden Gebäuden untergebracht wurden. Die rund 450 Wohnungen standen größtenteils nach Abzug der britischen Streitkräfte leer. Offenbar wurden die Wohnungen zweckentfremdend und als Sammelunterkünften genutzt. So hausen bis zu 16 Personen in 3-, 4- oder 5 –Zimmer Wohnungen. Erste Ermittlungs-Ergebnisse werden für den frühen Nachmittag erwartet.

*NACHTRAG OFFIZIELLE POLIZEIMELDUNG 15:40 Uhr*, unzensiert und unkommentiert:

Bad Fallingbostel: Am frühen Montagmorgen wurden erneut behördenübergreifende Kontrollen im Heidekreis durchgeführt. Diesmal nutzte der Landkreis Heidekreis die Struktur des "Räderwerk"-Netzwerks und nahm gemeinsam mit Polizei, Zoll und Stadt insgesamt neun Wohnungen im Stadtgebiet Bad Fallingbostel in Augenschein. Es stellte sich heraus, dass es sich bei den überprüften Wohnungen um nicht angemeldete Sammelunterkünfte handelte. Solche Unterkünfte unterliegen speziellen Corona-Vorgaben, wie zum Beispiel die Unterbringung der Bewohner möglichst in Einzelzimmern und die regelmäßige Überprüfung der einzuhaltenden Hygieneregeln. Diese und weitere Vorgaben wurden durchweg missachtet. Darüber hinaus stellten die Landkreis- und Stadtmitarbeiter diverse Melde- und baurechtliche Verstöße fest. Die Behörden identifizierten insgesamt 73 Personen, die hauptsächlich aus Osteuropa stammen. Die Kontrollierten wurden anschließend mithilfe von Dolmetschern zu ihrer Wohn- und Arbeitssituation befragt. Aufgrund von Hinweisen durchsuchte die Polizei nach Einholung eines richterlichen Beschlusses die Wohnung eines vermeintlichen Verantwortlichen. Hierbei wurden mehrere Beweismittel beschlagnahmt, deren Auswertung noch andauert. Oft stehen organisierte Strukturen hinter den nicht angemeldeten Sammelunterkünften. Neben geringen Lohnzahlungen muten die Verantwortlichen den Arbeitnehmern noch unwürdige Wohn- und Arbeitsbedingungen zu. Der Heidekreis reagiert in Folge dieser Kontrolle mit Verfügungen und Anordnungen, um nachhaltige Veränderungen zu bewirken.

"Räderwerk" steht für einen Zusammenschluss verschiedenster Behörden und Entscheidungsträger im Heidekreis, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, in einem ganzheitlichen Bekämpfungsansatz eng vernetzt neben der Rockerkriminalität ebenso gegen kriminelle Familienstrukturen konsequent vorzugehen. Die Kooperationspartner wollen diesem Phänomen, das unter anderem durch Ablehnung bestehender Normen und Gesetze sowie kriminelles Verhalten gekennzeichnet ist, offen und entschlossen bei niedriger Einschreitschwelle entgegentreten.