„Landesmarketing hat Bauhaus-Thema verschlafen“

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Mi., 18.11.2020 - 21:35

CELLE. Als „Bambi für Kultur“ bezeichnete Klaus Lohmann zum Auftakt seines Referates über die Kampagne „Barock trifft Bauhaus“ in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses den Preis, für den die Celle Tourismus- und Marketing GmbH (CTM) im September nominiert wurde. Dass die Ehrungen in wenigen Tagen in Potsdam stattfinden, nahmen die Mitglieder des politischen Gremiums zum Anlass, den Geschäftsführer der CTM, die sich in ihrer bestehenden Form mittlerweile in Auflösung befindet, einzuladen, um die Bewerbung vorzustellen.

Lohmanns Bambi-Vergleich war insofern angebracht, als dass die Europäischen Kulturmarken-Awards weitgehend unbekannt sind, obwohl sie bereits 14-mal vergeben wurden. Im Jahr 2006 rief der Kulturmanager, Dr. Hagen W. Lippe-Weißenfeld, die Auszeichnung in acht Kategorien ins Leben, um innovatives Management, trendsetzendes Marketing sowie nachhaltige Unterstützung im Bereich Kultur zu fördern. Eine Kategorie ist Stadtkultur, in der Celle am 25. September gemeinsam mit zwei Mitbewerbern für den „Europäischen Preis für Stadtkultur 2020“ nominiert wurde. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Bauhauses im Jahr 2019 hatte die CTM vor dem Hintergrund der zahlreichen Bauten des Architekten Otto Haesler in der Residenzstadt unter dem Slogan „Barock trifft Bauhaus“ deutschlandweit und international für Celle geworben. „Wir haben diesen Schatz gehoben“, betonte der Geschäftsführer. „Wir haben das Image der Stadt erweitert, dem Fachwerk das Neue Bauen hinzugefügt.“ Celle sei für dieses Thema nicht bekannt gewesen. „Haesler wurde überstrahlt von Gropius“, sagte Lohmann in seiner Präsentation und ergänzte vor dem Hintergrund, dass Bauhaus-Gründer, Walter Gropius, im Jahr 1911 die als Ursprungsbau moderner Industriearchitektur geltenden Fagus-Werke in Niedersachsen errichtet hat: „Das Landesmarketing hat das Thema Bauhaus verschlafen.“ Die CTM sei eine Kooperation mit den Fagus-Werken eingegangen. Für die Bauhaus-Architektur in Celle und die Fabrikanlage in Alfeld, die zum UNESCO-Welterbe zählt, wird gemeinsam geworben. Lohmann hob das Identitätsstiftende der Haesler-Häuser hervor und betonte, dass nach Ablauf des Jubiläumsjahres die Marketing-Aktivitäten aufrechterhalten wurden und das Interesse an Otto Haeslers Erbe nicht nachlasse. Mit Blick auf die Zukunft sagte er: „Bauhaus ist ein Dauerthema. Mit den geplanten Tiny Houses kann man anknüpfen“.

Ausschussmitglied und langjähriger Mieter der von Otto Haesler erbauten Direktorenvilla am Französischen Garten, Dr. Walter Jochim, pflichtete Klaus Lohmann bei: „Das Interesse hat auch 2020 nicht abgenommen, aus ganz Deutschland kommen Menschen, um sich die Bauhaus-Architektur anzusehen“, berichtete er. Mehr als einmal habe er gehört, man müsse doch gar nicht nach Weimar fahren, wo man doch Celle habe.

Ob Celle mit dem „Europäischen Preis für Stadtkultur 2020“ ausgezeichnet wird, entscheidet sich am 26. November im Nikolaisaal in Potsdam.