CELLE. Wieder sorgen in Celle Zäune vor Zebrastreifen für Diskussionen. Wegen einer Teilverlagerung des Weihnachtsmarktes auf den Celler Schlossplatz wurden sämtliche Fußgängerüberwege an der Bushaltestelle Schlossplatz gesperrt. Dafür wurde eine Bedarfsampel am Ende der Bushaltestellenreihe (am Übergang Stechbahn – Schlossbrücke) installiert. Carsten Rusitschka, IGS-Schulelternratsvorsitzender, blickt täglich von seinem Arbeitsplatz am OLG mit Sorge auf diese Situation, wenn Schüler in teilweise chaotische Situationen geraten. Er lud die Stadt und CeBus gestern zu einem Ortstermin.

Rusitschka erklärt: „Die Bushaltestellenkombination Schlossplatz – Kanzleistraße wird jeden Tag von tausenden SchülerInnen stark frequentiert. Diese laufen nun ohne „Zebrastreifen“ über die Straße, um Anschlüsse rechtzeitig zu erreichen. Sie gefährden dabei hauptsächlich sich selbst, aber auch den rollenden Fahrzeugverkehr. Ein Ausweichen auf diese Bedarfsampel ist unrealistisch und bei der Bustaktung gar nicht möglich. Dadurch ist eine erhöhte Unfallgefahr entstanden, da die SchülerInnen nun zwischen den Bussen umherlaufen und vor die fahrenden Kraftfahrzeuge treten. Dies ist ein Zustand, den wir als Schulelternrat so nicht hinnehmen wollen und werden.“ Er bat die Stadt um „schnellstmögliche Wiedereröffnung der gesperrten Überwege.

Der Abteilungsleiter Straßenverkehr der Stadt Celle, Frank Weber, folgte der Einladung, gemeinsam mit Stefan Koschick, Geschäftsführer der CeBus. Während Koschick die Gesamtsituation bewertend Optimierungsbedarf sieht, da die Busse teilweise auf der Straße stehend den Verkehr beeinträchtigen, wenn es zu Staubildungen an den Haltestellen kommt, sieht Weber keinen Handlungsbedarf.

„Erfahrungen vor zwei Jahren bei ähnlichen Veranstaltungen haben gezeigt, dass die Beibehaltung der alten Verkehrsregelung regelmäßig zu weiten Rückstaus bis auf den Neumarkt geführt haben. Ähnliche Rückstaus würden bei einer Öffnung des Fußgängerüberweges auf Höhe des Kunstmuseums und einer Ampelanlage Stechbahn auftreten.“

Während des Ortstermins verweist Weber wiederholt auf die Bedarfsampel, die eigens für die Fußgänger, also auch umsteigende Schüler eingerichtet worden sei. Rusitschka hat den Test gemacht und benötigte 3:15 Minuten für die Strecke. Weber kontert, dass es „im Höchstfall 150 Sekunden“ seien. Soweit die Theorie – in der Praxis kann für Buskunden bekanntlich jede Sekunde wertvoll sein.

Während des Termins haben Schüler wie Erwachsene die Ampel so gut wie gar nicht wahrgenommen, sie wird in dieser Entfernung auch nicht als Lösung verstanden. Munter wechselten hunderte Passanten an etlichen Stellen die Straßenseiten. Hier kam es selten zu brenzligen Situationen, die Autofahrer waren stets rücksichtsvoll. Sogar an der Bedarfsampel halten sie häufig, weil auch sie diese nicht wirklich einordnen können, ist doch dort gleichzeitig ein Zebrastreifen eingezeichnet.

Trotzdem kam es hier nicht zu Rückstaus. Beide, Rusitschka und Weber, beobachteten dieselbe Situation und kommen doch zu unterschiedlichen Ergebnissen. „Fußgänger verursachen hier nachweislich genauso wenig Rückstau wie am Neumarkt-Kreisel. Sie müssen nur für eine autofreundliche Politik herhalten“, so Rusitschka. „Das stimmt nicht“, entgegnet Weber. „Wenn ich die Zebrastreifen wieder öffne, würde das zu Rückstaus führen“. So stehen sich Theorie und Praxis eine gute halbe Stunde unvereinbar und unversöhnlich gegenüber.

Was es in der Praxis bedeutet, die von der Stadt vorgegebene Strecke zu nutzen, sehen Sie hier:

2 Antworten zu “„Da ist doch eine Ampel“ – Stadt sieht keine Unfallgefahr am Celler Schlossplatz”

  1. Karl-Heinz Knop sagt:

    Wahrscheinlich ist für Herrn Weber auch 1 + 1 höchstens 1,5. Passt zum Celler Trauerspiel. Und lasst bloß keine Ortsfremden Busse nutzen, die würden verzweifen.

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