„Mit deutscher Ausbildung überall gefragt“

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Sa., 25.07.2020 - 17:04

OVELGÖNNE. Die Spannung ist von den frisch gebackenen Gastronomie-Fachkräften abgefallen, sie halten ihre Zeugnisse in Händen. Und am Rande der Fotosession im Garten des Hotels „Heideblüte“ fallen in lockerer Runde Sätze wie „Männer, die kochen können, sind sexy!“ Wenn dem so ist, darf sich die Frauenwelt über einigen Zuwachs freuen, denn mit einer Ausnahme sind alle diesjährigen Absolventen der Koch-Sparte männlich.

Am Freitagnachmittag nehmen sie wie die Restaurant- und Hotelfachleute sowie eine Fachkraft im Gastgewerbe ihre Freisprechung von Vertretern des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) entgegen. „Wir möchten Ihnen die Wertschätzung zukommen lassen, die Sie verdienen“, begrüßt Roger Burkowski als zuständiger Fachgruppenleiter „Berufliche Bildung“ die jungen Leute. Die Feier war sehr kurzfristig angesetzt worden, denn die Industrie- und Handelskammer wollte Corona-bedingt auf einen Festakt verzichten. Doch der Dehoga-Kreisverband Celle ließ es sich nicht nehmen, die Freisprechung unter Einhaltung der Auflagen in einem gebührenden Rahmen zu begehen. Trotz des kurzen Vorlaufs von wenigen Tagen fanden sich 21 junge Damen und Herren ein.

Schon der Prüfungsverlauf ließ aufgrund der Pandemie den gewohnten „Glanz der Gäste“, wie Tanja Hauf es formulierte, vermissen. „Es war eine ganz andere Prüfung ohne den Kontakt zu den Gästen“, sagte die Fachbereichsleiterin der zuständigen Berufsschule „Albrecht Thaer“. Ein ganzer Tisch war ihr und ihren Berufsschul-Kolleginnen vorbehalten. Keine wollte versäumen, wie die über drei Jahre begleiteten Auszubildenden ins Arbeitsleben entlassen werden. Wie sehr sie wertgeschätzt wurden, wird den Pädagoginnen vor Augen geführt, als Ann Kathrin Biermann sich kurzerhand das Mikrofon schnappt, eine kleine Dankesrede hält, alle Damen nach vorne bittet und eine nach der anderen einen Blumenstrauß und Konfekt entgegennimmt. Die frisch gekürte Restaurantfachfrau hat im „Esszimmer“ gelernt und wirkt so selbstbewusst wie ihre 20 Mitstreiter. Keinerlei Berührungsängste mit den offiziellen Vertretern des Gastronomieverbandes kennzeichnen die Freisprechung, lässig begrüßen Kai Duda und Roger Burkowski jeden einzelnen Absolventen per Ellenbogenberührung. Kai Duda hebt das „berufliche Fundament, auf das das ganze Leben zurückgegriffen werden könne“, hervor. Roger Burkowski unterstreicht die Aussage, indem er an die Absolventen appelliert: „Bleiben Sie nach der Ausbildung der Branche treu. Wir benötigen Fachkräfte. Ihr seid die Zukunft des Gastgewerbes.“ Ein in Fachkreisen immer wieder herausgestellter Vorzug der gastronomischen Berufe ist die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten. Burkowski verbindet die Option mit dem dualen Ausbildungssystem: „Menschen mit deutscher Ausbildung sind überall gefragt“, sagt er und greift damit ein Motiv der Nachwuchsgastronomen auf. „Dass uns ab heute die Welt offensteht“, antwortet Anneke Oehlmann auf die Frage, was die Freisprechung für sie bedeute. „Dieser Beruf öffnet uns die Tür zu jeder Kultur und jedem Land auf dieser Welt“, pflichtet ihr Ann Kathrin Biermann bei. Sie wollte nie etwas anderes werden als Restaurantfachfrau. Die vergleichsweise niedrige Bezahlung wird von einigen erwähnt, Vorzüge sehen sie im Umgang mit Menschen, der Vielfalt der Branche sowie deren Weiterbildungschancen. „Die Leute verlassen mit einem Lächeln das Restaurant“, bestätigt Ann Kathrin das Statement der Gastronomieprofis Duda und Burkowski: „Wir können Menschen glücklich machen.“

So weit holen die frisch gebackenen Köche Christoph Graue und Dennis Trunschke noch nicht aus, sie begnügen sich zunächst einmal damit, ihre Arbeitgeber und natürlich sich selbst glücklich gemacht zu haben: „Dass ich das für meinen Chef machen konnte“, kommentiert Christoph Graue, der im „Gutshof Oppershausen“ gelernt hat, seine bestandene Prüfung mit Auszeichnung. Dennis Trunschke wurde im „Celler Tor“ in der Kochkunst unterwiesen, absolvierte das Examen mit Auszeichnung und ist voll des Lobes für den Betrieb: „Das war eine schöne Ausbildung, man hat sich Zeit für mich genommen.“

Wie alle anderen Gesprächspartner kommen er und Christoph Graue dem Appell von Roger Burkowski nach und bleiben der Branche treu. „Man muss sich darüber klar sein, dass man nicht gleich 5000 Euro verdient, aber wenn es einem liegt und Spaß macht, dann kann man eine Lehre in der Gastronomie jedem empfehlen“, sagt Dennis Trunschke. Eine Aussage, die die Vertreter der Dehoga angesichts des Nachwuchsmangels so erfreuen dürfte wie die optimistische Prognose der „Fachkraft im Gastgewerbe“ Nino Jäger, der den Kontakt zu Menschen in seinem Job am meisten schätzt und daher seinen Platz langfristig hinter der Bar sieht: „Das ist ein Beruf, den ich ein Leben lang machen möchte.“