„Protest ist nötig“ – Demo gegen Ausgliederung von AKH-Mitarbeitern

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Mo., 14.12.2020 - 19:09

CELLE. Die gleiche Arbeit am gleichen Ort, ausgeführt von denselben Menschen für weniger Lohn. Ab Januar 2021 wird dieses Szenario für die Mitarbeiter des Allgemeinen Krankenhauses (AKH) Celle, die für Reinigung, Logistik und Verköstigung sorgen, Wirklichkeit. Das Sanierungsgutachten für das finanziell in ausgeprägte Schieflage geratene Krankenhaus sieht die Ausgliederung der sogenannten tertiären Bereiche vor. Im Sommer 2019 wurden die Tochtergesellschaften Facility und Catering GmbH gegründet, die für die Entlohnung ihrer Angestellten die Tarife der Gebäudereinigungswirtschaft sowie des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) zugrunde legen. Zuvor galt für die rund 140 betroffenen AKH-Mitarbeiter der Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Die Differenzen zum bisher gezahlten Lohn können bis zu 500 Euro betragen.

Ein klassisches Gewerkschaftsthema. Doch die Celler Vertretung von Verdi ist weder auf der Demonstration am heutigen Vormittag vor dem AKH-Gebäude präsent noch im Nachgang für eine Stellungnahme auf CH-Anfrage telefonisch zu erreichen. „Wir hätten auf verdi gehofft“, sagt der Initiator der Veranstaltung, Ernst-Günther Mörsel. 36 Jahre war „der gelernte Arzt“ im AKH tätig, davon mehr als die Hälfte freigestellt für die Tätigkeit im Betriebsrat. „Im Pflegebereich wurde stark eingespart, im Jahr 2012 wurden zum Beispiel 75 Stellen in der allgemeinen Pflege gestrichen“, berichtet Mörsel, während er auf die große Tafel am Parkplatzrand „Personal gesucht“ zeigt: „Wie schwierig es heute ist, Fachkräfte zu bekommen, sieht man ja“, betont er und weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich bei der Demonstration um eine Privatveranstaltung handele, „keine Logos, keine Westen, nichts.“ Sieben Teilnehmer finden sich verstreut über den Parkplatz, auf dem sich fünf Autos befinden, die zu Bannerträgern umfunktioniert wurden. „Protest ist nötig“, betont Mörsel. Die betroffenen Arbeitnehmer haben sich bereits mit einem offenen Brief an die Öffentlichkeit gewandt. Unter den Demonstranten ist keiner von ihnen. Derzeit laufen Güteverhandlungen am Arbeitsgericht. Vereinbart wurden im Rahmen des Sozialplans Ausgleichszulagen bis zum Jahr 2025, um das Verdienstdefizit abzumildern. De facto verringert sich das Entgelt für die gleiche abzuleistende Arbeit dennoch spürbar. Den intendierten Einspareffekt schätzt Ernst-Günther Mörsel im Gegenzug als sehr gering ein. „Das ist vernachlässigbar. Vor acht Jahren gab es ähnliche Bestrebungen in der Folge des Gutachtens der Unternehmensberatung Roland Berger schon einmal“, berichtet der langjährige Betriebsratsvertreter, „damals haben wir die Ausgliederung noch abgewendet.“

Jürgen Elendt und Rolf Schülmann sind zwei der Veranstaltungsteilnehmer. „Wir gehören nicht zum AKH, wir sind als Celler gekommen“, sagen sie und fügen hinzu: „Es ist unser Krankenhaus, wir wollen, dass die Menschen, die dort arbeiten, auch ordentlich entlohnt werden.“