ESCHEDE. „Viele Autos aus der Umgebung finden den Weg nach Eschede. Aus den Nachbarlandkreisen und darüber hinaus reisen die Besucher an. Junge Familien mit ihren Kindern ebenso wie die Aktivisten der Jungen Nationalisten (JN). Das Nazi-Stelldichein auf dem Hof Nahtz“, so berichtet das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus vom vergangenen Samstag, als sie in der Nähe des Hof Nahtz in Eschede demonstrierten. 

Auf einer einschlägig bekannten Internetseite der Neonaziszene hatten NPD, Düütsche Deerns, 3. Weg, Gefangenenhilfe Freundeskreis, JN, Die Rechte am Tag der völkischen Sonnenwendfeier zu einer Veranstaltung in der Lüneburger Heide eingeladen. „Sie feiern 25 Jahre Widerstand im Heide(n)land. Es handelt sich um eine private Veranstaltung in der Lüneburger Heide mit Kinderprogramm und Abendprogramm (rechte Liedermacher am Sonnwendfeuer)“, weiß das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus zu berichten.

„Und ich kann wieder einmal nicht verstehen, dass eine öffentlich angekündigte Feier (mindestens auf einer Nazi Internetseite, sowie einer Facebookseite einer der „Künstler“) als „private“ Feier durchgeht, so Kirsten Dieckmann vom Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus.

Doch das nehmen viele Menschen nicht einfach hin: Mit ca. 180 Menschen vor Ort, zahlreichen Transparenten in den Händen und an den Seiten der Straßen befestigt, machen sie deutlich, was sie von den „Naziaktivitäten auf dem Hof Nahtz“ halten. Redebeiträge der Antifa, der evangelischen Kirche, dem Ezidischen Zentrum in Celle sowie dem Netzwerk Südheide und weitere Organisationen machten alle gemeinsam sehr deutlich, für welche Art von Zusammenleben sie werben und welche Vorstellungen einer offenen Gesellschaft sie vertreten. „Dafür kämpfen wir alle so lange, bis die Lichter auf dem Hof ausgehen!“, so eine der Stimmen.

Weiter berichtet das Forum von der Demonstration: „Die Polizei hat ihr Aufgebot aufgestockt, da zu befürchten ist, dass an diesem Tag mehr Nazis als sonst kommen werden. Und so kommt es auch! Besonders ein Fahrzeug fällt mit seiner provokanten Art auf. Die jungen Männer im Fahrzeug machen Bilder, öffnen während der Fahrt die Tür und beschimpfen die anwesenden Demonstranten immer wieder im Vorbeifahren aus dem offenen Auto heraus. Bis die Polizei dem Treiben der Jungnazis ein Ende bereitet.“

Als Fazit klagt das Celler Forum: „Was bleibt? An diesem Tag ist deutlich geworden, was tatsächlich die Menschen bewegt an dieser „privaten Feier“ teilzunehmen. Wir müssen erkennen, dass diese Treffen, wie bereits seit Jahren von den Antifaschistinnen und Antifaschisten vor Ort angemahnt wird, von den Nazis genutzt werden, sich zu organisieren und zu vernetzen. Will die Politik vor Ort das tatsächlich ignorieren? Ist es nicht an der Zeit sich an den Protesten zu beteiligen, wie es der ehemalige Bürgermeister der Stadt Celle, Dirk Mende und sowie seine Parteigenossin Kirsten Lühmann tun? Auch weitere politische Vertreterinnen und Vertreter haben die Notwendigkeit erkannt und sind an diesem Tag vor Ort. Aber die Menschen aus Eschede zeigen nur wenig Interesse. Woran mag das liegen? Zivilcourage scheint in Eschede nicht angesagt zu sein. Welches Signal geht da an die Jugend vor Ort? Und will die Gemeinde diesen Stempel behalten?“

http://www.cellerforum.de/

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