ESCHEDE. Eine gemeinsame Veranstaltung der im Netzwerk Südheide gegen Rechtsextremismus organisierten Gruppen findet am Sonnabend, 24. Juni, in Eschede statt. Die Demonstration richtet sich gegen die auf dem Hof Nahtz regelmäßig stattfindenden Treffen der rechtsextremen Szene.

Die Auftaktkundgebung findet statt um 15:00 Uhr, nördlich des Bahnhofs, Hermannsburger Straße. Es folgt um
15:45 Uhr eine Kundgebung an der Straße  „Zum Finkenberg“ mit Redebeiträge zum Thema Geflüchtete, Rassismus, Neofaschismus und Rechtspopulismus von Vertretern verschiedener Initiativen. Live Musik mit Kutlu Yurtseven von der Microphone Mafia sowie Kaffee und Kuchen ergänzen das Programm.

Zum Hintergrund der Veranstaltung heißt es in der Pressemitteilung des Netzwerkes Südheide:
„Seit den 1990er Jahren finden auf dem Hof des Bauern Nahtz Nazitreffen statt. Es handelte sich dabei um sogenannte Brauchtumsfeiern, wie Sonnwendfeiern und Erntedankfeiern. Das ist schon fürchterlich genug, denn diese Treffen sind – auch wenn sie in Eschede selber kaum wahrgenommen werden (wollen), weil der Hof Nahtz so weit außerhalb des Ortskerns liegt – keine reine Vergnügungsveranstaltungen und schon gar nicht „Privatvergnügen“. Denn diese Treffen strahlen nach außen: Bei den gemeinsamen Feiern werden Kontakte geknüpft und gepflegt, das gemeinsame, rassistische Weltbild wird zelebriert und so innerlich gestärkt ziehen die Nazis vom Hof – auf zu neuen Taten. Aber neben diesen Brauchtumsfeiern gab und gibt es bei Nahtz auch andere Zusammenkünfte: Bereits 1992 eine Wehrsportübung, Treffen der NPD sowie ihrer Jugendorganisation der JN, ein Treffen der inzwischen verbotenen Heimattreuen Deutschen Jugend und im Jahr 2010 fand ein Nazi-Rockkonzert mit 600 Neonazis aus dem In- und Ausland statt.

Nachdem im Jahr 2013 bekannt wurde, dass Nahtz einen großen Teil seines Grundstücks verkauft hatte, keimte die Hoffnung auf, dass der braune Spuk nun ein Ende hat. Und tatsächlich fanden erst einmal keine Nazitreffen auf. Doch nachdem es im Jahr 2014 bei ihm auf dem Hof brannte, erfuhr er große Unterstützung bei seinen rechten Kameraden, die ihm beim Wiederaufbau halfen, so dass im Winter 2014 erneut eine Wintersonnwendfeier bei ihm stattfand und die unselige Tradition seitdem wieder weitergeführt wird.

Die Rechtspopulisten schüren Angst und sie wissen genau, was sie machen. Und es ist nicht alleine Angst vor „denen da oben“, vor allem in Europa, sondern  ganz besonders schüren sie Angst vor sog. „Überfremdung“. Da sehen sich dann diejenigen in ihrem Tun bestätigt, die ihre gefühlte Überlegenheit in rassistischen Angriffen ausleben. Im vergangenen Jahr hat es in Deutschland mehr als 3500 Angriffe auf Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte gegeben. Dabei wurden 560 Menschen verletzt, unter ihnen 43 Kinder, so geht es aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Parlamentsanfrage hervor. Zudem wurden 217 Mal Hilfsorganisationen oder freiwillige Geflüchteten-HelferInnen attackiert.

Daher heißt es für uns, wachsam zu bleiben und nicht aufzuhören, den Nazis die Stirn zu bieten. Nur dort, wo Nazis ihre Ruhe haben, machen sie sich breit – wohl auch in der Annahme, dass das Dulden ihres Denkens und Handelns von der Mehrheitsgesellschaft eine Akzeptanz bedeutet. Lasst uns den Nazis gemeinsam zeigen, dass sie sich irren.“

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