CELLE. Die Kreistagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen nimmt Stellung zur aktuellen Debatte um den Wolf, die nach den jüngsten Rissen von gut einem Dutzend Heidschnucken im Celler Nordkreis, entbrannt ist. In einer Pressemitteilung der Grünen heißt es:

„Dass die CDU mit Ihrer Resolution zum Wolf im Wahlkampf Stimmung gegen die Landesregierung machen möchte, dürfte der Leser der Resolution schnell erkennen können. Nur die eigene Bundesregierung wollte den Celler Kollegen bislang nicht so recht zur Seite stehen. ‚Der Wolf wird nicht ins Jagdrecht übernommen‘, berichtete vor einigen Tagen bereits der NDR. Der Herdenschutz solle besser ausgebaut werden, so der Vorschlag aus Berlin vom Bundesumweltministerium. Unser grüner niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel dazu im NDR-Interview: ‚Wir halten uns auch an die rechtlichen Normen die der Bund und die EU vorgibt. Aber das Jagdrecht ist noch aus einem anderen Grund nicht geeignet, denn wenn das gelten würde, müssten die Jäger auch Entschädigungen leisten für gerissene Schafe und ich kann mir kaum vorstellen, dass sie diese Aufgabe gerne übernehmen würden.‘

Das von Rot-Grün eingerichtete Wolfsbüro koordiniert seit 2015 das Wolfsmanagement in Niedersachsen. Weidetierhalter erhalten vom Land finanzielle Unterstützung für den Bau von wolfssicheren Zäunen, im Fall von Nutztierrisen werden finanzielle Verluste erstattet. Hinter der Beweislastumkehr steckt nicht viel mehr als Wahlkampfrhetorik. Bereits jetzt liegt die Beweislast nicht beim Schäfer. Dieser muss lediglich einen Antrag stellen. Bereits beschlossene Sache ist, dass neue Veterinäre eingestellt werden und die Klärung für die Schäfer damit nochmals beschleunigt wird. Die Veterinäre sollen die Möglichkeit erhalten, eindeutige Sachverhalte auch ohne Laboruntersuchungen zugunsten der Schäfer direkt vor Ort zu entscheiden.

Tatsächlich richtet der Wolf weit weniger Schäden an, als andere Wildtiere. Die Ausgaben für Entschädigungen und Präventionsmaßnahmen liegen bei gut 250 Tsd. Euro in 2016. Im Vergleich dazu erhalten niedersächsische Landwirte jährlich mehr als 5 Mio. Euro für den Gänseschutz ausgezahlt. Die Ausgaben der Versicherer für Wildunfälle liegt nochmals deutlich höher.

Die Heidschnuckenzucht und den Erhalt der Heide zu fördern hält die Grüne Kreistagsfraktion für förderungswert. Ein aktueller Antrag der Gruppe um die CDU wurde aber offenbar im Kreistag bislang nicht eingebracht. Zur Zeit fördert der Landkreis Celle die Heidschnuckenzucht mit jährlich 3.500 Euro. Für das Gemeinschaftsprojekt Heidschnuckenweg wurden für dieses Jahr 33.000 Euro im Kreishaushalt eingestellt. Weiterhin enthält der Kreishaushalt jährlich einen Zuschuss für die Beweidung der Heideflächen mit Heidschnucken in Höhe von 33.800 Euro. Hinzu kommen weitere Förderungen, insbesondere durch die Europäische Union.

Touristisch kann man die Rückkehr des Wolfes auch als zusätzliche Chance sehen. Anderswo – wie beim Wolfcenter Dörverden – wird diese Chance bereits genutzt. Aber auch unser Landkreis war vor wenigen Wochen bereits überregional in der Presse vertreten, als Touristen aus Übersee zur Wildtierforschung nach Meißendorf kamen: der Wolf als neuer Anziehungspunkt für Touristen neben Heide, Heidschnuckenzucht, der historischen Altstadt und der Pferderegion Celle. Den Wolf wieder auszurotten, wird es als Ziel mit uns als Grüne nicht geben.

Die Resolution der Gruppe CDU/FDP/WG/Unabhängige findet in der vorgelegten Form daher keine Unterstützung der Grünen Kreistagsfraktion.“

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