Denkmal für Dichter Ernst Schulze im Französischen Garten

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Fr., 14.08.2020 - 18:14

CELLE. Sein erfolgreichstes Buch hieß „Die Bezauberte Rose“ und nun wird sein Verfasser, Bestsellerautor und Celler Kind seinen Platz inmitten der Stadtgesellschaft im Rosengarten erhalten. „Es gibt keinen besseren Ort“, kommentiert Dietrich Klatt die Entscheidung für das kleine Rondell inmitten des Rosengartens am Eingang des Französischen Gartens vom Parkhaus Südwall aus. Der Steinbildhauer Uwe Spiekermann wird hier im Auftrag der gleichnamigen Gesellschaft ein Denkmal für Ernst Schulze errichten.

Forderungen, in einer solchen Form an den im Jahr 1817 mit nur 28 Jahren verstorbenen Schriftsteller, der am Großen Plan geboren wurde und in der Altstadt aufwuchs, zu erinnern, gab es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder. Erhört wurden sie für ihn und auch für andere Künstler nicht. Umso mehr freut sich der Vorstand der Ernst-Schulze-Gesellschaft über die jetzt erfolgte Zusage der Verwaltung. „Das ist absolut neu für Celle“, sagt Dietrich Klatt, „es gibt hier für keinen Dichter ein Denkmal“. Als Autor des Buches „Kunstwege“ kennt Klatt sich aus mit Plastiken und Skulpturen. Der Entwurf von Uwe Spiekermann hat ihn restlos überzeugt. „Von der Form und vom Gehalt her ist das geradezu ideal“, lobt der Künstlerkollege.

Als Vorlage dient eine Zeichnung von August Kestner (1777-1853). Dieser hatte seinen Freund und Kameraden im Befreiungskampf gegen Napoleon in Uniform gezeichnet. „Ich bilde nicht sauber nach“, erläutert der Bildhauer, „es wird ein unscharfes, stilisiertes Portrait, das dem Betrachter Freiraum gibt.“ Die Idee besteht darin, die Aufmerksamkeit der zahlreichen Fahrradfahrer und Fußgänger, die den Park bevölkern, zu gewinnen. Der Dichterkopf wird in einer Höhe von mehr als zwei Metern weithin sichtbar sein und thronend auf einem modern anmutenden, aus zwei Ebenen bestehenden Fundament das Geschehen an diesem lebendigen Ausschnitt seiner Heimatstadt verfolgen können. Als Formwirkung strebt der bildende Künstler eine gewisse Labilität und Entrücktheit an. „Ich habe den Eindruck, er war ein unruhiger Geist“, sagt Spiekermann, der mit Wachenzeller Dolomit und hessischem Olivin-Diabas einheimische Materialien verwenden wird. „Mich interessiert das Individuum“, betont der Künstler, für den sich der Vorstand der Gesellschaft auch deshalb entschied, weil „er Formen findet, die mit uns sprechen“.

Für Ernst Schulze waren diese das Wort, und so darf dieses natürlich auf einem Denkmal, das an ihn erinnert, nicht fehlen. Verse, derer man nicht müde wird, sie zu lesen, wie Lothar Haas den kurzen Auszug aus der „Bezauberten Rose“ beschreibt, werden die Skulptur zieren. Wer lesen will, was da geschrieben steht, muss sie viermal umrunden. Natur, Liebe und Kunst waren die drei Themen des extrem sprachbegabten Schriftstellers. Lange war er völlig vergessen. Und doch haftet seinem Werk etwas Zeitloses an. Sprache hört da auf, wo die Musik beginnt, heißt es. Ernst Schulze kam ganz nah heran an diese Grenze. Er empfand tief, reflektierte und verstand, auf Papier zu bannen, was sich dem Wort gemeinhin entzieht. An dieses Talent soll das aus Spenden finanzierte Denkmal erinnern. „Ein Dichter, der über uns hinausreicht“, beschreibt Elke Haas die angestrebte Wirkung. Der Herbstwind wird die letzten Blüten der Königin der Blumen hinweggefegt haben, sobald der Dichter der Romantik Einzug hält in den romantischen Rosengarten. Die Einweihung ist für den November geplant, im benachbarten Beckmannsaal wird Ernst Schulze dann zu hören sein. Auf dem Programm stehen Werke von Franz Schubert. Dieser erkannte die Melodie, die dessen poetischem Tagebuch innewohnt und vertonte es.