"Denkmalitis hat sinnfrei zugeschlagen"

Leserbeiträge Von Extern | am Mo., 21.12.2020 - 17:44

CELLE. Martin Engelhardt schreibt zum CELLEHEUTE-Bericht über die Aufstellung eines Ernst Schulze-Denkmals:

"In regelmäßigen Abständen kommt die Denkmalitis über Celle wie eine hartnäckige Infektionskrankheit. Diesmal in Form eines Denkmals im Gedenken an Ernst Schulze. Das Problem an der Denkmalitis ist, dass sie eher wahllos und sinnfrei zuschlägt, bevorzugt in den historischen Parkanlagen in Celle. 

Da reihen sich nun die Kulturpreisträger der Stadt ein in die Phalanx der Oldtimerfreunde, der Eisverkäufer und all jener anderen, die in die zentral gelegenen denkmalgeschützten (sic!) Parkanlagen wollen. Ob eine Veranstaltung oder wie aktuell hier mal wieder ein Kunstwerk zum Gartendenkmal passt, interessiert in der Regel nicht. Da werden wie jüngst von Frau Dr. Haas in der Presserklärung geschehen, alle Register gezogen mit verschwurbelten geschichtlichen Beziehungen, um die Aufstellung des Denkmals von Ernst Schulz zu rechtfertigen. Da geht es um die Liebe, um Caroline Mathilde, die Lateinschule - das klingt alles schon ein wenig abstrus. Gut, hier soll der Schöpfer der 'Bezauberten Rose' im Rosengarten geehrt werden, das mag ja noch angehen. Man fragt sich aber doch, warum das gerade hier sein muss. Da stehen im nahen Umfeld zwei historische barocke Figuren, dezent im Hintergrund und gestalterisch sich wunderbar einfügend. Aber nun kämpft Herr Schulze mit den beiden Putten um die Lufthoheit im Rosengarten, die Rosen zu seinen Füßen.

Die neue Staute, allein von der Größe den Rahmen des intimen Garten sprengend, steht mitten im Rondell. Dies ist ein falscher neuer Mittelpunkt: Nicht mehr die Blume aller Blumen steht im Mittelpunkt, sondern ein Denkmal und stiehlt den Blumen die Show. Wegen der bisherigen Atmosphäre kommen die Menschen an wärmeren Tagen hierher und freuen sich an den Rosen - nicht mehr und nicht weniger. Die Pflanzen und die Parkanlage werden zur Kulisse für eine Skulptur degradiert. Wohlgemerkt: es geht hier nicht um die Gestaltung der Skulptur oder die Würdigung von Ernst Schulz, sondern den unreflektierten Umgang mit einem Gartendenkmal.

Das Paradoxe: Wenn Ernst Schulze ernst genommen werden soll, spricht ja aus seiner romantisch Natur- und Liebeslyrik eine Sentimentalität und Naturliebe die just mit solch einer Beeinträchtigung der selbigen konterkariert wird. Schön wäre also gewesen, den Genius Loci zu würdigen und einen alternativen Standort zu suchen, da hätte es reichlich Angebote gegeben (Rosenfrieden,Trift, Bürgerfriedhof…). Von den Akteuren der Ernst-Schulze-Gesellschaft hätte man eigentlich einen reflektierten Umgang mit einem Gartendenkmal erwarten können. Falsch positionierte Skulpturen gibt es schon (zu) viele in den Celler Parkanlagen. Schade, schade, schade."

Denkmal für Dichter Ernst Schulze im Französischen Garten

CELLE. Sein erfolgreichstes Buch hieß „Die Bezauberte Rose“ und nun wird sein Verfasser, Bestsellerautor und Celler Kind seinen Platz inmitten der Stadtgesellschaft im Rosengarten erhalten. „Es gibt keinen besseren Ort“, kommentiert Dietrich Klatt die Entscheidung für das kleine Rondell inmitten des Rosengartens am Eingang des Französischen Gartens vom Parkhaus Südwall aus.