Derzeit 100 Corona-Tests pro Woche - Landkreis beantwortet Anfragen von Behiye Uca

Politik Von Extern | am Do., 25.06.2020 - 18:07

CELLE. In der heutigen Kreistagssitzung wird die Anfrage von Behiye Uca (Die Linke) zu SARS-CoV-2 im Landkreis Celle beantwortet. Die Kreistagsabgeordnete bedankt sich vorab und erklärt zu den Antworten: "Es war mir wichtig, dass die Öffentlichkeit mal zusammenhängend einige Antworten auf die Fragen bekommt, die sich in Diskussionen stellen. Viele Antworten sind sicher interessant. Grundsätzlich stellt sich mir die Frage, ob nicht mehr getestet werden sollte. Die doch geringe Zahl von Testungen außerhalb des Wietzer Schlachtbetriebs ist zumindest überraschend."

Hier die Fragen von Behiye Uca und die Antworten der Kreisverwaltung:

Frage 1)
Wie viele Personen sind insgesamt im Landkreis Celle auf SARS-CoV-2 getestet worden?

Die Gesamtzahl der getesteten Personen ist nicht bekannt, da es bislang keine Meldepflicht für negative Testungen gibt. Die Kassenärztliche Vereinigung hat unseres Wissens bislang (Stand: 22.06.2020) 440 Testungen durchgeführt, das Gesundheitsamt etwa 1000  Testungen (100 im Amt und fast 900 in Wietze). Hinzu kommen Testungen, die das AKH Celle seit einiger Zeit bei allen stationär aufgenommenen Patienten durchführt.

Frage 2)
Wie viele Personen werden zuletzt durchschnittlich pro Woche getestet?

Die KVN testet zurzeit pro Woche durchschnittlich 100 Personen. Hinzu kommen die Personen, die stationär im AKH Celle aufgenommen werden. Anfangs war die Zahl der wöchentlichen Testungen niedriger.

Frage 3)
Hat es Reihentestungen in Massenunterkünften bzw. Institutionen o.ä. gegeben? Wenn ja, in welchen und mit welchen Ergebnissen?

Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Celler Land Frischgeflügel GmbH Co. KG (CFG) sind getestet worden, der überwiegende Teil in einer Reihenuntersuchung der 23. und 24. Kalenderwoche 2020. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wurden negativ getestet. Sammelunterkünfte bestehen für diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht. Sie sind vielmehr, soweit sie nicht direkt beim Unternehmen beschäftigt sind, durch Personaldienstleister mit kleinen Gruppen in Wohnungen untergebracht. Für die teilweise in  Sammelunterkünften wohnenden Erntehelfer hat es Reihentestungen nicht gegeben. Hierfür bestand kein Anlass.

Frage 4)
Wie viele Personen sind im Landkreis Celle positiv bzw. negativ getestet worden (Bitte eine Aufschlüsslung nach Geschlecht und Altersgruppen)?

Im Landkreis Celle sind bislang (Stand: 22.06.2020) 220 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Die Gesamtzahl der negativ getesteten Personen ist nicht bekannt, da es bislang keine Meldepflicht für negative Testungen gibt (s. Frage 1). Es handelt sich um  118 positiv getestete Frauen und 102 Männer. Eine Aufschlüsselung nach Altersgruppen wäre mit einem sehr großen Aufwand verbunden. Es kann aber festgestellt werden, dass alle Altersgruppen, auch Kinder, betroffen sind. Sollte eine weitergehende Differenzierung  dennoch erwünscht sein, wird um eine Vorgabe gebeten, wie die Altersgruppen gestaffelt werden sollen.

Frage 5)
Wie viele der Infizierten sind gestorben? Wie viele von ihnen wurden im Krankenhaus behandelt? Bitte eine Aufschlüsselung nach Geschlecht und Altersgruppen.

Bislang sind 15 Personen (Stand: 22.06.2020) an der Virusinfektion gestorben. Davon sind Menschen im Krankenhaus behandelt worden und dort verstorben. Es handelt sich um 4 Frauen und 11 Männer. Zwei der Verstorbenen waren 59 Jahre alt, zwei weitere Verstorbene waren  73 Jahre alt, sieben waren älter als 80 Jahre alt, vier waren 90 Jahre oder älter.

Frage 6)
Hatten die Verstorbenen Vorerkrankungen? Um welche Vorerkrankungen handelte es sich?

Die Verstorbenen hatten alle Vorerkrankungen. 7 Verstorbene waren aufgrund ihrer Vorerkrankungen stationär pflegebedürftig. Es handelte sich in vielen Fällen um typische, im Alter gehäuft auftretende Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems und der Lungen.

Frage 7)
In wie vielen Fällen ist bekannt, wo und wie die Infektionen zustande gekommen sind (Wenn ja, bitte Beispiele)?

In über 90 % der Fälle konnten die Infektketten aufgeklärt werden. Die ersten Fälle Anfang März 2020 waren auf Kontakte zu einem in Uetze (Region Hannover) lebenden Infizierten bzw. Rückkehrer von Familienbesuchen in Nordrhein-Westfalen zurückzuführen. Im weiteren Verlauf waren es überwiegend Reiserückkehrer aus Österreich (Ischgl). In den letzten Wochen handelte es sich bei den Infizierten um Menschen, die in einem Logistikunternehmen in Langenhagen tätig sind und sich dort angesteckt hatten. Zu den jeweiligen Personengruppen kamen dann natürlich auch infizierte Kontaktpersonen.

Frage 8)
Gab es im Landkreis Celle so genannte Hot Spots (also Schulen, Firmen, Stadteile oder Gemeinden)?

Regelrechte Hot Spots gab es nicht. Ende März / Anfang April 2020 kam es zum gehäuften Auftreten von Infektionen in zwei Pflegeheimen, Ende Mai / Anfang Juni nahmen viele Infektionen ihren Ursprung im Betrieb eines Logistikunternehmens in Langenhagen.

Frage 9)
Für wie viele Personen ist seit Beginn des Ausbruchs Quarantäne angeordnet worden? Wie viele Personen sind anschließend positiv getestet worden?

Es sind bislang (Stand: 22.06.2020) 1188 Quarantänen angeordnet worden. Von den 220 bislang positiv getesteten Personen im Landkreis Celle sind 136 Personen positiv getestet worden, nachdem sie in Quarantäne genommen worden sind.

Frage 10)
Wie viele Beschäftigte sind im Landkreis Celle verfügbar für die Nachverfolgung von Infektionsketten?

Es ist grundsätzlich vorgesehen, die Zahl der bei der Nachverfolgung eingesetzten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen dynamisch an die Lage anzupassen. Vorrangig ist das Team der Gesundheitsaufsicht, bestehend aus sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, mit der Nachverfolgung von Infektionsketten beschäftigt, hinzu kommen zwei Ärzte aus dem amtsärztlichen Dienst. Seit dem 21.04.2020 unterstützt die Bundeswehr mit aktuell vier Soldaten. Am 14.05.2020 hat ein durch das Robert-Koch-Institut spezifisch vorgebildeter, studentischer Containment Scout seine Arbeit aufgenommen. Des Weiteren können die medizinisch vor gebildeten Mitarbeiterinnen des Jugendärztlichen Dienstes (sieben Mitarbeiterinnen) im Bedarfsfalle mit der Kontaktnachverfolgung betraut werden. Schließlich wird aktuell ein Pool von ca. 30 Beschäftigten der Kreisverwaltung gebildet, der im Fall eines Ausbruches für die Kontaktnachverfolgung aktiviert werden kann.