Farbexplosionen in der Galerie Halbach

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Mi., 18.11.2020 - 11:11

CELLE. Das ist die Welt des James Bond: Rasant, spannungsgeladen, aufregend und stets garniert mit einer schönen Frau – dem Bond-Girl. Die Münchner Malerin Monika Kaiblinger hat dieses Feeling, das die Filme rund um den 007-Agenten Ihrer Majestät mit der Lizenz zum Töten so einzigartig und anziehend machen, auf großformatige Bilder gebannt. Eine wahre Farbexplosion erwartet die Besucher der Galerie Halbach in Acryl auf Leinwand noch bis zum 12. Dezember.

„Bond Girls“ hat die Künstlerin die Reihe von nur 12 Werken überschrieben, auch „Bond Boys“ hätte sie sich widmen können, reduziert der Betrachter das Thema rein auf die äußere Schönheit, denn die Bond-Darsteller standen ihren Gespielinnen in nichts nach. Ob Sean Connery, Roger Moore, Pierce Brosnan oder Daniel Craig – allesamt verkörperten sie nicht nur Männlichkeit schlechthin, sondern sahen einfach klasse aus. Doch darum geht es Monika Kaiblinger nicht, zumindest nicht in erster Linie, und schon gar nicht bei Männern. Sie bezeichnet sich als Feministin und huldigt der Weiblichkeit, indem sie Frauen als starke Wesen darstellt, die ihre Reize nutzen, um sich den Mann untertan zu machen. Diese sind allenfalls Statisten, denen am Rande einer Szenerie Böses widerfährt. Im Mittelpunkt steht bei dieser Künstlerin eindeutig die Frau, und diese setzt sie auf den Celler Exponaten in einer Weise in Szene, die zum langen Verweilen vor den Ausstellungsstücken verleitet. In Kaiblingers Pinselstrich und Farbkombinationen liegt dieselbe Kraft, die sie ihren Protagonistinnen zuschreibt. Jede von ihnen hat einen großen Auftritt, der sich als stellvertretend für den jeweiligen Zeitgeist interpretieren lässt. Damenhafte Zurückgenommenheit strahlt Daniela Bianchi als Tatiana Romanova in „From Russia with Love“ aus dem Jahr 1963 aus. 20 Jahre später ist die androgyne Grace Jones das Bond Girl May Day in „A View to a Kill“, Bürstenschnitt statt Dutt, breite Schultern statt Wespentaille, Jones ist der Gegenentwurf zu feminin im klassischen Sinn, und damit ein Prototyp der Menschen, die es der freischaffenden Künstlerin, die ihren Beruf an der Universität München erlernt hat, angetan haben.

„Ich bin fasziniert von starken mutigen, aber auch verletzlichen Frauen“, sagt Monika Kaiblinger, die corona-bedingt nicht persönlich bei der Vernissage am vergangenen Samstag anwesend sein konnte. „Ich habe den Film gleich im Kopf“, kommentiert der Kunsthistoriker Hubertus Fritze die Werke aus männlicher Sicht und verweist zugleich auf die Qualität, die Kaiblingers Wiedergabe der Gesichter erkennen lässt. „Hände und Gesichter sind das Schwierigste“, sagt der Experte.

Das dekorative Element ist Teil der Attraktivität der „Bond Girls“, doch darauf lassen sie sich bei weitem nicht reduzieren. Sie enthalten mehr, und der Ausdruck der Gesichter ist eines der Geheimnisse dieser Werke, die derzeit die Celler Kunstlandschaft bereichern.