CELLE. „Die Celler Eintritts- und Visitenkarte in Ordnung bringen“, das war erklärtes Ziel des ehemaligen Oberbürgermeisters Dirk-Ulrich Mende. Seitdem sind neun Jahre vergangen und es wird allenfalls verschlimmbessert (CelleHeute berichtete). Auch Lichtkunst im 90er-Jahre-Flair gelingt es nicht, die derzeitige Baustellenruine zu übertünchen. Anfang vergangener Woche baten wir alle für Celle zuständigen und verantwortlichen Politiker nebst Verwaltung um eine Stellungnahme.

Das haben wir zum Zustand des Bahnhofes gefragt:
„Hat die Politik darauf gar keinen Einfluss?
Wie kann es sein, dass nicht einmal die Stadt weiß, welches Bauunternehmen dafür zuständig ist?
Gedenken Sie, den Zustand hinzunehmen?

Außerdem:
– Welche Kosten sind bisher der Stadt entstanden?
– Was kostet bisher die Kunst, wer hat sie bezahlt?
– Wie finden Sie persönlich die Kunstwerke? Zahlt sich der Einsatz aus Ihrer Sicht aus?

Ganze vier von 15 Angeschriebenen sahen sich zu einer allgemeinen Antwort imstande. Auf die konkrete Fragestellung ist niemand eingegangen. Wir geben diese in Reihenfolge der Posteinganges wieder:

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„Dass sich die Bauarbeiten am Celler Bahnhof derartig hinziehen, bedauert die Celler AfD-Fraktion“, so deren Vorsitzender Anatoli Trenkenschu. „Der Bahnhof ist für viele Besucher der erste Ort, an dem sie mit unserer schönen Stadt in Berührung kommen. Deshalb sollte auch der Bahnhof einen freundlichen Eindruck machen und keine Dauerbaustelle sein. Wir würden es begrüßen, wenn die Stadtverwaltung Kontakt zu den für den Bahnhof Verantwortlichen aufnimmt, um auf ein möglichst schnelles, erfolgreiches Ende der Baumaßnahmen zu dringen. Leider ist dieser Zustand, wie wir ihn am Bahnhof in Celle erleben in Deutschland inzwischen kein Einzelfall mehr. Immer mehr Baustellen ziehen sich deutschlandweit über Jahre hin, ohne dass dies notwendig wäre. Der BER, die Elbphilharmonie und die Baustelle Stuttgart 21 stehen dafür stellvertretend. Das Ganze erinnert mich an die letzten Jahre der Sowjetunion. Auch damals waren die nicht fertig werdenden Baustellen ein sichtbares Anzeichen dafür, das etwas im Staat im Argen lag.

„Kunstbahnhof“ Celle – Fertigstellung ungewiss

Die sog. „Lichtkunst“ am Bahnhof zahlt sich aus meiner Sicht überhaupt nicht aus. Ich bezweifle schon, dass vielen Menschen überhaupt auffällt, dass es sich bei bunten Neonröhren um Kunst handelt. Dass daran irgendwer Gefallen finden kann, halte ich für ausgeschlossen. Unserer Meinung nach sollte die Stadt dafür deshalb keinen weiteren Cent investieren. Es gibt sinnvollere Dinge, in die die Stadt investieren kann. Betonen möchte ich aber, dass ansonsten die Bahnhofsumgebung und vor allem der Bahnhofsvorplatz in den letzten Jahren baulich sehr aufgewertet und zum Positiven verändert wurde. Die AfD würde es begrüßen, wenn auch die Bahnhofsstraße selbst einladender gestaltet würde, um Besuchern, die mit der Bahn anreisen, bereits auf dem Weg zur Innenstadt ein angenehmes Bild von Celle zu vermitteln. Die Bausubstanz an sich mit ihren z.T. schönen Gründerzeitgebäuden und der Park der Triftanlage gibt mehr her, als bislang aus der Straße gemacht wurde.

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Maximilian Schmidt, SPD-Landtagsabgeordneter, meint: „Umbau und Sanierung des Bahnhofs Celle liegen in der Verantwortung der Deutschen Bahn AG und der Stadt Celle, dieses für unsere Stadt und unseren Landkreis wichtige Vorhaben wird von Bund und Land Niedersachsen gefördert, zusammen werden deutlich über 6 Millionen Euro bereitgestellt. Die konkrete Umsetzung der Maßnahme liegt bei der Stadt Celle und der Deutschen Bahn AG – beide müssen hier Klarheit schaffen. Die Lichtkunst ist eine schöne Sache und in Ordnung, aber wichtig ist, dass der gesamte Bahnhof ordentlich saniert wird und einladend wirkt. Das muss vorankommen!

Und: Die Barrierefreiheit muss hergestellt werden, das ist das Wichtigste für Menschen, die darauf angewiesen sind – so z.B. Familien mit Kinderwagen oder Menschen im Rollstuhl, mit Gehhilfen oder Blinde und Sehbehinderte. Warum sich der Bauprozess so lange zieht, ist bisher nicht hinreichend erklärt. Deshalb werde ich mich an die Beteiligten mit der Bitte wenden, dass hierzu Klarheit geschaffen wird.“

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WG-Stadtrat Torsten Schoeps erlebt als Hannover-Pendler „das Drama in schier unendlichen Akten jeden Tag aufs Neue. Wie sagte vor ca. acht Jahre der damalige OB Kandidat Dirk-Ulrich Mende glaubwürdig: wir müssen Celle neu denken und zuallererst den Bahnhof – die Celler Eintritts- und Visitenkarte in Ordnung bringen. Als späterer OB hat er dies leider in dieser langen Zeit nicht geschafft. Vom neuen OB Nigge ist in diesem Zusammenhang nichts zu hören. Vielleicht ist er kein Bahnfahrer. Ist ja auch logisch: das Rathaus ist nicht zuständig, sondern die Deutsche Bahn. Fazit: Leben heißt warten… es sei denn, die Politik bringt endlich Dampf auf den Kessel. An der WG soll’s nicht liegen – wir sind dafür.“

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Das Büro vom CDU-Landtagsabgeordneten Thomas Adasch habe seit dem 15. August „erste Schritte zur Klärung Ihrer Fragen unternommen. Sobald die Antworten der angefragten Personen vorliegen, werden wir uns mit Ihnen in Kontakt setzen und hoffen, diese dann in umfassendem und klärendem Rahmen beantworten zu können.“

Das hoffte auch die Stadt Celle, aber ganze vier Wochen lang blieb eine entsprechende Bürger-Anfrage auf der städtischen Website unter der Rubrik „Sag’s uns einfach“ unbeantwortet – bis zur Veröffentlichung unseres Berichtes, dann hat man einfach die Antwort der Bahn an uns übernommen.

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