Die lähmende Angst vor dem Zahnarzt

Medizin Von Extern | am Do., 14.01.2021 - 09:35

ANZEIGE. Das Jahr 2020 war ein Ausnahmejahr in vielerlei Hinsicht, auch was Arztbesuche betrifft. Die meisten Bürger haben nur die nötigsten Untersuchungen und Behandlungen vornehmen lassen und es ansonsten vermieden, den Arzt zu besuchen. Das gilt in vielen Fällen auch für den Zahnarzt! Nun ist es jedoch so, dass man gerade Zahnbehandlungen nicht ewig aufschieben kann, irgendwann müssen die Probleme gelöst werden. Und da ist sie wieder, die Angst vor dem Zahnarzt, die einen schon erzittern lässt, wenn man nur an den Stuhl, die Gerüche und die Geräte denkt, die dort auf einen warten.

Die Angst vor dem Zahnarzt beginnt meist schon in der Kindheit. Es liegt nahe zu vermuten, dass sie oftmals von den Eltern und anderen Menschen mit Vorbildfunktion adoptiert wird, ähnlich wie die Angst vor Spinnen. Natürlich ist es unangenehm, wenn am Kopf hantiert wird, doch ernsthafte Schmerzen verspürt man heute in der Regel nicht mehr, wenn man sich behandeln lässt. Ganz im Gegenteil, ein geduldiger Arzt, der sich beim Setzen der Narkosespritze Zeit lässt, sorgt dafür, dass man nicht einmal diese wirklich bemerkt. 

Dennoch, die Angst sitzt tief und führt manchmal sogar dazu, dass man schlechte Zähne nicht behandeln lässt. Das kann so weit führen, dass man irgendwann ernsthafte Probleme bekommt, die vermeidbar gewesen wären. Die Phobie vor der Behandlung und die unbehandelten Probleme ergeben eine Abwärtsspirale, aus der man nicht so leicht wieder herauskommt. Wir haben Tipps, wie diese Angst überwunden werden kann.

Das Eingeständnis, der erste Schritt 

Auch wenn die wenigsten Menschen gern zum Zahnarzt gehen, niemand gibt gern zu, wie viel Angst er wirklich hat, weder vor sich selbst noch vor anderen. Das ist jedoch der erste und wichtigste Schritt, um diese Herausforderung angehen zu können. Wenn man stets vermeidet, sich der Angst zu stellen und sich ablenkt, dann wird man sie weder wahrnehmen noch überwinden können. 

Der erste Schritt ist also, dass man sich bewusst macht, wie schlimm die Angst wirklich ist. Bekommt man feuchte Hände und Schweißausbrüche, wenn man nur an seinen Arzt denkt? Kann man am Tag vor dem Termin nicht schlafen, muss man würgen, wenn die Instrumente in den Mund gesteckt werden, möchte man im Wartezimmer am liebsten anfangen zu weinen? Es nutzt nichts, es zu verdrängen, das wird im schlimmsten Fall, wenn kleinere Probleme nicht behandelt werden, zu schlimmen Entzündungen führen, wenn Karies nicht behandelt wird und sich im Gebiss ausbreiten kann.

Den Zahnarzt wechseln, in den meisten Fällen eine gute Idee

Wer starke Angst vor dem Zahnarzt hat, der hat diese entweder lange vor seinem Arzt verbogen, was kaum möglich ist oder er hat einfach den falschen Arzt. Nicht wenige Menschen sind jahrelang nicht bei der Behandlung gewesen und ahnen, dass diese nun einen größeren Aufwand erfordern wird. In den meisten Fällen ist es sinnvoll, sich nach einem besonderen Zahnarzt umzusehen, nämlich nach einem, der ausdrücklich auf Angstpatienten eingestellt ist.

Neben der Furcht vor Schmerzen und unangenehmen Eindrücken ist es auch der Arzt selbst, der einem ängstlichen Patienten die Behandlung schwer machen kann. Man fühlt sich auf dem Stuhl, als würde man ihm das Leben unnötig erschweren und spürt vielleicht seine Ungeduld. Ein Arzt für Angstpatienten ist sehr geduldig und hat Verständnis. Auch wenn die Behandlung beim ersten Besuch noch nicht durchgeführt werden und erst das Zahnschema angelegt werden kann, wird er einem dennoch weder das Gefühl geben, man habe „versagt“ noch einen nötigen, etwa eine Behandlung ohne Betäubung durchführen zu lassen, wenn man das gar nicht will. Das Zahnschema unterstützt den Zahnarzt, sich ein Bild vom Gebiss eines neuen Patienten zu machen und muss nur einmalig angelegt werden. Keine Angst und Scham dabei! Das ist sicherlich nicht das „schlechteste Gebiss“, das er je gesehen hat und er wird einen Patienten nicht verurteilen.

Unterstützende Maßnahmen für eine entspannte Behandlung 

Hat man einen Zahnarzt für ängstliche Patienten gefunden, dann ist der wichtigste Schritt getan und man muss sich gar nicht so sehr den Kopf zerbrechen, wie man es schaffen soll, seine Ängste zu überwinden. Immerhin ist der Arzt der Experte auf diesem Gebiet und hat entsprechende Strategien. Eine ist die Verwendung von Lachgas, das entspannend wirkt und sogar bei Kindern angewandt werden kann. Eine Betäubung bei der Behandlung ist obligatorisch und tut nicht einmal weh, wenn sie ganz in Ruhe gesetzt wird. Dann ist man während der gesamten Zeit schmerzfrei.

Ein wichtiger Faktor für ängstliche Menschen ist oft, dass sie dem Arzt auch fachlich vertrauen können. Nicht nur seine ruhige Ausstrahlung, auch seine Kompetenzen sind wichtig, um sich auf dem Stuhl einigermaßen entspannen zu können. Dies sollte bei der Wahl eines Arztes bedacht werden. Natürlich kann es sein, dass alles nichts hilft und man die Angst selbst mit liebevoller Unterstützung nicht lösen kann. Dann gibt es natürlich die Möglichkeit, Behandlungen unter Narkose vornehmen zu lassen und die dentalen Probleme zu lösen. Auf Dauer hilft dann am besten eine therapeutische Unterstützung, für deren Inanspruchnahme sich niemand zu schämen braucht.