FASSBERG. „20 Jahre Wolf in Deutschland“. Wenn unter diesem Titel die Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer und die Interessengemeinschaft Weidetierhalter Deutschland einladen, ist vorprogrammiert, dass hier die mittlerweile rund 1000 Wölfe in Deutschland nicht bejubelt werden. Im Rahmen einer Infoveranstaltung mit vier Fachvorträgen am Freitag im Faßberger Soldatenheim formulierten einige Referenten vor den rund 120 Teilnehmern nicht nur klare Worte, sondern auch klare Forderungen an die Politik.

„Der wirtschaftliche Druck ist enorm und die Nerven liegen blank“, sagte der Vizepräsident des Niedersächsischen Landvolks, Jörn Ehlers in einer kurzen Begrüßungsansprache. Er forderte ein aktives Wolfsmanagement, das für ihn so aussieht: „Nicht nur zählen und Risse begutachten“, sondern Wölfe entnehmen.“ Für die Bürgerinitiative für wolfsfreie Dörfer, die sich im März 2018 in Winsen gegründet hat, sprachen Heinrich Leymers und Rüdiger Wnuck. Letzterer brachte in einem „Impulsvortrag“ die Sichtweise zum Ausdruck, die in weiten Kreisen der ländlichen Bevölkerung auf Zustimmung treffen dürfte. „Ein Konzept muss her, das frei ist von den Wachträumen all derer, die nicht über den Tellerrand ihrer Wolfseuphorie blicken wollen“, so der Uelzener. Das Agieren der Politik fasste er zusammen mit „Schönwetterreden“ und irrationaler, anmaßender und abgehobener Bevormundung.

Im ersten Fachvortrag kam Gregor Beyer, Forstwissenschaftler und Geschäftsführer des Forum Natur Brandenburg, nach einem Blick auf die Geschichte der Verbreitung des Wolfes, Entwicklung der Populationen in Europa und Umsetzung der FFH-Richtlinie in verschiedenen Ländern Europas in etwa zur selben Schlusfolgerung. „Wir brauchen eine wildökologische Raumplanung“. Dazu gehöre zum Beispiel die Festlegung von Zahlen für Akzeptanzbestände. „Und wir müssen Bereiche ausweisen, in denen der Wolf nichts zu suchen hat, darunter Deiche und urbane Räume. Da nimmt dann einer die Waffe und schießt ihn tot.“

Wie so etwas umgesetzt werden könne, machten die skandinavischen Länder vor. In Finnland liege der Akzeptanzbestand bei 200 Tieren. Was darüber hinaus gehe, werde geschossen. Zum Vergleich nannte Beyer die Anzahl der Wölfe in Brandenburg, dessen Fläche ungefähr ein Elftel Finnlands beträgt: „Dort sind es jetzt 380 und wir diskutieren immer noch.“ In Schweden könne durch Weidetierhalter eine so genannte „Schutzjagd“ beantragt werden, z.B. wenn sie durch Risse betroffen seien. In Deutschland habe man die FFH (Flora-Faune-Habitat)-Richtlinie in „vorauseilendem Gehorsam“ so umgesetzt, dass eine reguläre Bejagung des Wolfes nicht möglich sei, eine Entnahme von Einzeltieren unter bestimmten Bedingungen hingegen schon.

Beyer plädierte in seinem Vortrag auch für „Wissen statt Märchen“. Der Wolf sei in Deutschland vor der Wende nicht ausgerottet gewesen. Aus dem Osten seien regelmäßig Wölfe in die DDR eingewandert, die dann dort geschossen worden seien. Mittlerweile sei der Bestand in ganz Deutschland wieder an einer Schwelle angekommen, an der man von einem „günstigen Erhaltungszustand“ ausgehen könne.

In zwei weiteren Vorträgen beleuchteten im Anschluss Dr. Nicole von Wurb-Schwark vom Hamburger Institut für Hämatopathologie GmbH und dort im Bereich Forensische Genetik und Rechtsmedizin tätig, Möglichkeiten der Zuordnung von Weidetierrissen zu Wolf bzw. Hund und Martin Holm von der Firma Highlalnd Stall & Weide die Möglichkeiten von wolfsabweisenden Zäunen. Zum Abschluss sprach Friedrich Noltenius, Wildtierbeauftrager aus Sachsen, zum Thema „20 Jahre Wolf in Deutschland – wo stehen wir?“ und ging dabei auch auf den häufig geforderten besseren Schutz der Weidetiere ein: „Die Weidetierhaltung ist ein essentielles Element des Landschafts- und Naturschutzes. Sie durch den Wolf zu gefährden oder gar opfern zu wollen, widerspricht allen Regeln des Artenschutzes. Die allenthalben geforderte flächendeckend wolfsabweisende Zäunung der Koppeln ist weder bezahl- noch leistbar…“.

Rüdiger Wnuck

Dr. Nicole von Wurmb-Schwark

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