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Rund 3.000 Besucher beim 11. Lobetal Open Air

„Die Prinzen“ rocken das Lobetal-Openair

21.08.2016 - 14:50 Uhr     CELLEHEUTE    0

CELLE. Mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht steigen die Bandmitglieder auf die Bühne. Das Publikum jubelt und klatscht. Es wird nicht gesprochen. Nach kurzer Stille spielen sie einfach drauf los. Gewohnt routiniert – eben einfach royal. Die Prinzen, Deutschlands Kultband schlechthin feiert ihr 25-jähriges Bandjubiläum auf dem Lobetal Openair in Celle. Und 3000 feiern mit.



Zahlreiche Musikfreunde versammeln sich am Samstag auf dem Gelände der Lobetalarbeit e. V. in Celle. Die Einrichtung feiert ihr jährliches Openairfestival und hat dafür zum 11. Mal in Folge regional und national bekannte Bands verpflichtet. Direkt am Eingang zum Festgelände spielen schon „Jonah & The Tree“ leichte
Gitarrenriffs, um für gute Laune in der Warteschlange zu sorgen. Wenige Meter weiter sind auf der großen Wiese des Lobetalvereins diverse Grill- und Schankstände aufgebaut. Von Pommes über Pilzpfanne bis hin zur Bratwurst und kühlen Getränken ist für alles gesorgt.

Zahlreiche Sitzgarnituren und eine Kinderspielecke vermitteln eher den Eindruck eines Familienfestes, als den eines Musikkonzerts. Die Stimmung ist gelöst und auch der Umgang miteinander ist wohlwollend. Der Lobetalarbeit e. V. beschäftigt sich als diakonische Einrichtung besonders mit körperlich und geistig beeinträchtigten Menschen. Diese wohnen und arbeiten teilweise auf dem hiesigen Gelände und sind an diesem
Samstag mit ihren Angehörigen angereist. Auf dem Platz vor der Bühne stehen auch die Schwestern Sabine und Andrea. Die 43und 45-jährigen Frauen sind hauptsächlich für die Prinzen hergekommen. Andrea begleitet
ihre jüngere Schwester, die an der Krankheit Trisomie 21 leidet, aber sichtlich Spaß an dem bunten Treiben des Musikfestes hat. „Ich bin ein ganz großer Fan. Die Prinzen sind ganz toll und ich freue mich“, sagt Sabine und kann ihre gute Laune kaum zügeln. Andrea freut sich ebenfalls bereits auf die Kultband. Sie sagt: „Wir kommen extra aus Uelzen für die Jungs. Ich hoffe sie singen heute Abend „Mann im Mond“. Das ist schon lange unser
Lieblingslied.“

Von Trommelgruppe bis Folk-Rock

Bevor die Prinzen am späteren Abend spielen, gibt es aber noch andere Musiker zu bewundern. Die Trommelgruppe Stick-Connection sorgt beispielsweise für schnelle Rhythmen und eine eindrucksvolle Show. Das Percussion-Ensemble der Kreismusikschule Celle legt einen temporeichen Auftritt hin. Wenig später treten dann SputniX auf. Die Lobetaler Hausband setzt sich zusammen aus Bandmitgliedern mit und ohne Behinderung. Sogar Geschäftsführer Carsten Bräumer steht mit auf der Bühne und rockt mit. Die Coversongs von SputniX reichen von Sportfreunde Stiller, über Rio Reiser bis hin zu den Ärzten – das Publikum feiert mit den Lokalhelden bei jedem Lied.

Ebenfalls rockig präsentieren sich dann auch De Drangdüwles. Ihr Markenzeichen: norddeutscher Folk-Rock – und das teilweise auf plattdeutsch. Diese spezielle Mischung kommt bei den Besuchern des Lobetat Openair so gut an, dass sich bereits über die Hälfte der Besucher vor der Bühne versammeln und kräftig mitsingt. Es folgt eine Pause bevor dann endlich die Prinzen auftreten sollen. Es ist bereits dunkel geworden, der Platz vor der Bühne füllt sich weiter. Zum ersten Mal seit es das Openairfest gibt, ist es mit rund 3000 Besuchern ausverkauft. Geschäftsführer Carsten Bräumer ist sichtlich beeindruckt: „Das ist einfach der Hammer! Dass wir so viele Leute zusammenbekommen, hätten wir nicht gedacht. Gerade weil es ein sehr spezielles Publikum ist, freut uns die große Nachfrage sehr. Und auch die Tatsache, dass wir die Prinzen herbekommen konnten, zeigt, dass wir uns ziemlich gesteigert haben.“

Angefangen hat das Fest des Lobetalarbeit e. V. 2005 mit etwa 600 Besuchern. Noch nie war es ausverkauft. Bei einem Preis von 17 Euro pro Ticket an der Abendkasse, ließen sich viele nicht lange bitten: das Musikfest war bereits am frühen Abend ausverkauft.Im Backstage-Bereich treffen die Stars des Abends, die Prinzen, schon vorab vier Fans und unterhalten sich mit ihnen, geben Autogramme und machen Fotos. Sebastian Krumbiegel, einer der Sänger der Band, verrät: „Fankontakt ist uns wichtig. Besonders nach 25 Jahren im Musikgeschäft freuen wir uns immer über treue Begleiter.“ Bandkollege Tobias Künzel sagte zum Auftritt in Celle: „Wir haben echt Lust auf die Leute. Besonders die körperlich und geistig beeinträchtigten Menschen sind so ehrlich in ihrem Verhalten. Die zeigen einfach, dass sie Spaß haben.“

Royale Klassiker – Die Prinzen legen los

Und dann ist es endlich soweit. Die Besucher drängen sich bis ganz nach vorn an die Absperrungen, um ihre Prinzen zu sehen. Diese treten unter Jubelrufen ganz entspannt auf die Bühne und fangen einfach an – keine großen Vorworte, einfach drauf los. Mit „Das Leben ist grausam“ beginnt die Gruppe den Abend auf beim Lobetal Openair. Danach dann doch ein Grußwort von Krumbiegel: „Hallo Celle, wir sind die Prinzen aus Leipzig!“ Die Menge tobt, klatscht, jubelt und pfeift ihren Idolen entgegen. Und weiter geht’s. Gute
zwei Stunden singen und unterhalten die sieben Königssöhne ihre rund 3000 Gäste an diesem milden Samstagabend. Unter den ausgelassenen Fans in der Menge sind auch Andrea und Sabine zu sehen. Zu Klassikern wie „Küssen verboten“, „Millionär“ und „Alles nur geklaut“ wird genauso gefeiert, wie zu Titeln vom aktuellen Album der Kultgruppe. Das Publikum, ob gehandicapt oder nicht, singt entweder textsicher mit oder tanzt einfach wild zu den Liedern aus 25 Jahren Prinzen bis in die hintersten Reihen. Durch eine starke Lichtshow und einen stabilen Sound wirkt der Auftritt noch gewaltiger. So verstreichen zwei Stunden und gegen 23 Uhr verabschieden sich die sieben Blaublüter unter Jubelrufen von der Bühne. So kultig das Lied auch ist, in einem Punkt sind sich an diesem Abend vermutlich alle Besucher einig: der Titel „Das Leben ist grausam“ trifft auf diesen Abend ganz sicher nicht zu.

Fotos: Peter Müller

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