CELLE. An einen imaginären Bürgermeister hat gestern die Werbe und Interessengemeinschaft Celler Wochenmärkte e. V. eine Liste mit 1450 Unterschriften übergeben. Die Marktbeschicker protestieren gegen die Verlegung von Wochenmarktständen, die sonst auf der Stechbahn ihren Platz haben (CELLEHEUTE berichtete). Wegen des Weihnachtsmarktes sollen sie vorübergehend umziehen. Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge war eingeladen worden, die Unterschriften entgegenzunehmen, habe jedoch abgelehnt.

Der Kompromiss der Marktbeschicker sieht vor, auf Leistungen zu verzichten, z.B. kleinere Flächen und keine Heizung. „In zwei Telefonaten mit dem Referenten des Oberbürgermeisters hieß es, ‚man müsse ja mal etwas ausprobieren. Auch wenn man uns entgegengekommen wäre, hätte es sowieso nicht für den Markt gereicht‘, so Marktvorstand Rüdiger Korte und stellt fest: „Nach ernsthaften Überlegungen klingt das nicht und mit Dr. Nigge selbst durften wir sowieso nicht reden.“

Auffällig viele Unterschriften hätten Touristen geleistet, aber das habe die Stadt nicht interessiert. Korte weiter: „Für Herrn Nigge scheint der Wochenmarkt gut genug für schicke Wahlkampffotos. Zu klären bleibt, wann die Verträge mit den Weihnachtsmarktakteuren tatsächlich rausgegangen sind. Wir befürchten das tatsächlich kurzfristig vollendete Tatsachen geschaffen wurden.“

Am 25.7. sei Korte seitens der zuständigen Celle Tourismus Marketing (CTM) mitgeteilt worden, dass die Verträge „noch nicht raus“ seien. Aber im späteren Gespräch mit allen Beteiligen der CTM habe dann niemand mehr gewusst, ob und wann sie herausgegangen seien.

Dieses Gebaren erinnert die Marktbeschicker an einen ähnlichen Fall aus dem Jahr 2012. Da hatte Celle einen SPD-Oberbürgermeister und der CDU-Fraktionsvorsitzende Heiko Gevers habe, so Korte, gewettert: „Unser Oberbürgermeister benimmt sich wie Dirk-Ulrich der Große und könne alles allein entscheiden“ – andere Parteien, gleiches Verhaltensmuster.

Der Fraktionsvorsitzende der SPD Patrick Brammer erklärt sich gegenüber Korte: „Die Verwaltung hat hier den guten Ton etwas verlassen. Wir haben das intern bereits angemahnt. Wie kann man nun den Konflikt lösen? Aus unserer Sicht müsste dieses in aller erster Linie auf einer der folgenden Aufsichtsratssitzungen der CTM besprochen werden.“ Brammer empfiehlt den Beschickern, den zuständigen Ausschuss des Rates zu bitten, sich nochmals eingehender mit der Materie zu beschäftigen. Das letzte Wort scheint also noch nicht gesprochen zu sein.

„Wir jedenfalls hoffen, das Herr Dr. Nigge Celle nicht noch zu einer Karnvalshochburg ausbauen will und es nicht irgendwann heißt: ‚Unser Celle kann nicht mehr'“, so Korte abschließend.

„Urteilsverkündung“ statt Mitsprache – Wochenmarkt-Beschicker protestieren gegen Verdrängung durch Weihnachtsmarkt



Eine Antwort zu “„Die Verwaltung hat den guten Ton verlassen“ – 1450 Protest-Unterschriften an imaginären Oberbürgermeister”

  1. Nico Ahrendt sagt:

    Celle schafft sich langsam ab dank der dortigen Politik. Man hört nix positives .

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