OFFENSEN. Am vergangenen Sonntag fand im Dorfgemeinschaftshaus Offensen-Schwachhausen eine Vortragsveranstaltung im Rahmen der Erstellung der Dorfchronik statt. Hans-Heinrich Heidmann erläuterte den rund 45 interessierten Zuhörern die abwechslungsreiche Geschichte der Offensener Dorfschule.

Ursprünglich war die Schule aus religiösen Motiven bereits in der Zeit nach der Reformation entstanden. In der Anfangszeit stand der Religionsunterricht daher auch ganz oben auf der Tagesordnung – und auch in den Schulzeugnissen aus dem 19. Jahrhundert war das Fach noch an erster Stelle aufgeführt. In ihrer Entwicklung war die Dorfschule stets gesellschaftlichen und politischen Einflüssen unterworfen. Eine besondere Herausforderung bestand zunächst darin, die dörfliche Bevölkerung von der Notwendigkeit einer schulischen Ausbildung zu überzeugen. Oft erschienen die Schüler nur unregelmäßig zum Unterricht, weil sie stattdessen im Haushalt, auf dem Hof und in der bäuerlichen Wirtschaft helfen mussten. Mit der Einführung des preußischen Verwaltungswesens wurden schließlich nach 1866 strengere Reglements eingeführt.

Heidmann ging bewusst auch auf die Geschichte der Dorfschule im 20. Jahrhundert – und explizit auf die Zeit des Dritten Reiches – ein. Die Auswirkungen dieser Epoche wurden insbesondere an einem Klassenfoto aus dem Jahr 1936 deutlich: von den 24 Jungen eines Schuljahrgangs kehrten 15 aus dem Zweiten Weltkrieg nicht nach Hause zurück. Kurz vor Kriegsende kam es noch zu einem tragischen Ereignis, das die historische Aufarbeitung bis heute erschwert. Der damalige Dorfschullehrer, der aus seiner Zuneigung zur NSDAP selbst keinen Hehl machte, sorgte dafür, dass die Schulchronik verbrannt wurde – offenbar aus Furcht vor Sanktionen der Alliierten. Mit dem Verbrennen der Chronik gingen jedoch auch zahlreiche andere Aufzeichnungen verschiedener Epochen verloren, wie Heidmann berichten konnte.

Noch bis in die 70er Jahre diente das alte Schulgebäude zu Unterrichtszwecken. Erst im Zuge der großen Schulreformen wurde die Schulausbildung dann nach Wienhausen abgegeben – auch, weil die Räumlichkeiten nicht mehr den schulischen Anforderungen entsprachen. Heidmann berichtete, dass in Spitzenzeiten mehrere Jahrgänge im selben Klassenzimmer unterrichtet wurden. Einige Zuhörer ergänzten, dass es damals unter anderem üblich war, dass die älteren Jahrgänge die jüngeren unterrichteten. Als die Schule schließlich geschlossen wurde, sei viel von der persönlichen Bindung zwischen Schülern und Lehrern verloren gegangen, so Heidmann. Heute dient das Schulgebäude als Wohnhaus.

Zu dem gut besuchten Vortrag waren auch zahlreiche Zeitzeugen erschienen, die früher selbst die Dorfschule besucht hatten und aus ihrer Schulzeit berichten konnten. Im Anschluss konnten die Besucher zeitgenössische Unterrichtsmaterialien in Augenschein nehmen. Es entwickelte sich eine angeregte Diskussion, die noch so manch eine Kuriosität zum Vorschein brachte. Der abschließende Vorschlag Heidmanns, die Recherchen seines Vortrags in die künftige Dorfchronik einfließen zu lassen, stieß auf breite Zustimmung in der Zuhörerschaft.

Text: Hendrik Altmann

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