CELLE. Die Volksbank Südheide fusioniert mit den Volksbanken Hankensbüttel-Wahrenholz und Wittingen-Klötze. Gestern Abend gab dazu die Vertreterversammlung mit großer Mehrheit grünes Licht. Wir berichteten in unserer Facebook-Ausgabe (ausführlicher Bericht außerdem auf CELLEHEUTE.DE). Der Celler Volksbank-Chef Frank Bonin rechnete in seiner Rede vor den rund  160 Delegierten mit der EU-Finanzpolitik ab. Er befürchtet, dass Sparkassen und Volksbanken, die in der Krise für Stabilität gesorgt haben, für Fehler der Großbanken haften und vor die Existenzfrage gestellt werden. CELLEHEUTE hat zugehört: 

Amerika geht seinen eigenen Weg: Die Aufkündigung der transatlantischen Wertegemeinschaft ist in vollem Gange. Der Entfremdungsprozess zwischen den USA und den westlichen Partnern scheint vollendet. Die Identität der USA beruht jetzt wieder darauf, nicht zu sein wie Europa. Die USA sind nicht mehr selbstverständlich der Bündnispartner Europas. Die EU droht in die Kleinstaaterei zurückzufallen. Der Brexit, die Politik der Polen, der Ungarn und die Wahlergebnisse in Italien sprechen für sich.

Marode Staaten und Banken werden ausgesessen und der deutsche Sparer soll künftig für leidende südländische Banken mithaften müssen. Das wünscht Mario Centeno, früher hemmungsloser portugiesischer Schuldenpolitiker – heute Präsident der Euro-Gruppe. Nicht nur Kleider, auch Ämter machen Leute. Die Verschuldung in der EU ist nach wie vor gigantisch. In Deutschland betrug sie 2017 64 % unseres Bruttoinlandsprodukts – im Süden der EU ein Vielfaches.

„Als würde unsere Feuerwehr mit Benzin löschen“

Und die Verschuldung steigt in den Brennpunkten wieder unkontrolliert an. Denn die EZB überschüttet gerade diese Schuldenstaaten – entgegen der eigenen Regeln – mit immer mehr neuem Geld – für an sich wertlose Anleihen. Das ist, als würde unsere Feuerwehr mit Benzin löschen. So werden weiter unzählige Milliarden nach Griechenland gekarrt, von denen wir keine einzige zurückbekommen. Schuldenstand 2018 werden rund 350 Mrd. € sein. Das ist fast wieder das Niveau von 2011. Nachhaltige wirtschaftliche Veränderungen sind nicht erkennbar, von Politischen noch gar nicht zu reden – aber ein „Schuldenschnitt“ verspricht ja nach wie vor Heilung.

„Das Land ist wie seine Banken – außen prächtig, innen marode“

Beim italienischen Patienten – nach Brexit die drittgrößte Volkswirtschaft der EU – sieht es nicht viel anders aus. Nur dass wir hier in Billiarden denken müssen! Und das bei lahmender Wirtschaft, hoher Arbeitslosigkeit und jetzt nach den Wahlen EU-feindlicher Politik der „5-Sterne-Bewegung“ und der „Lega“. Die Neuwahlen bleiben abzuwarten.

Trotz der absolut größten Verschuldung in der EU sollen die Einkommensteuer und das Rentenalter gesenkt und ein Grundeinkommen von 780 € eingeführt werden. So ist das Land wie seine Banken – außen prächtig, innen marode, während sie dort immer noch auf Bergen fauler Kredite sitzen: In Italien 12 %, also jeder achte, Zypern jeder dritte und in Griechenland müsste eigentlich jeder zweite Kredit abgeschrieben werden, insgesamt in der Eurozone knapp 1 Billiarde Euro. Und das muss alles noch gerettet werden.

Aber in Geld zu baden, das wusste schon Dagobert Duck, kann ja auch Spaß machen: Finanzzauberer Draghi kauft nämlich auch Firmenanleihen. Rund 200 Konzerne haben das schon für zweifelhafte Rettungsaktionen oder Investitionen genutzt. Rezept ist ganz einfach: Sie legen eine Anleihe auf, schreiben irgendwas mit 0,01 % Zinsen drauf, geben sie Mario Draghi und bekommen Cash. Kein Spaß, der halbe Dax steht schon in seinen Büchern.

„Deutsche Bank – außer Stellenabbau keine Strategie“

Kapital wird eben verschleudert, wenn der Zins seine Steuerungsfunktion verliert. Wehe allerdings, wenn dann das Wirtschaftswachstum nachlässt oder die Zinsen steigen. Das Handelsblatt ist voll von Szenarien für diesen nächsten Crash! Und das zu einer Zeit, in der unsere „Großbanken“ selbst mehr denn je auf der Kippe stehen.

Der „Frankfurter Dauerpatient“ Deutsche Bank wird offen als Sanierungsfall beschrieben und häuft weiter Verluste an: Das Geschäft bricht ein und außer Stellenabbau gibt es keine Strategie.

Das Kapital wird dominiert von Katar, China und den USA (Blackrock, Cerberus). Die deutsche Wirtschaft ist im neuen AR nicht mehr vertreten. Ohne die 30 Mrd. aus vier Kapitalerhöhungen wäre die Bank heute an der Börse keinen Cent mehr wert. Wie will so ein „Laden“ denn über Kredite an gesunde Mittelständler entscheiden oder Kapitalanlage-Empfehlungen geben? „Leistung, die Leiden schafft!“

„Größter Commerzbank-Aktionär ist der Steuerzahler“

Bei der Commerzbank sieht es genauso aus: Stellenstreichungen sogar über 20 %, Restgewinn 2017 halbiert, Firmensparte schwer unter Druck und verdient nicht mal ihre Kapitalkosten – während jeder Neukunde die Bank 150 – 250 € kostet. Größte Aktionäre sind wir, der Steuerzahler, mit 15 % und dieselben USA-Heuschrecken wie bei der Deutschen Bank.

In diesen Zeiten ist es alles andere als selbstverständlich, erfolgreich zu sein. Aber genau das ist uns und anderen guten Volksbanken 2017 noch einmal eindrucksvoll gelungen:

Neben der Bilanzsumme, die in der Südheide 2017 um 7 % ausgebaut werden konnte, ist dabei der Gradmesser für uns das betreute Kundenwertvolumen – also die Summe aller bilanziellen und außerbilanziellen Anlagen, Finanzierungen, Wertpapiere und Vorsorge-Investitionen. Dessen Ausweitung um 4,6 % auf inzwischen ganz knapp 2 Mrd. € spiegelt wider, dass unser Institut fest mit den Bürgern und der heimischen Wirtschaft verwoben ist und seinen satzungsgemäßen Auftrag – die Förderung von Mitgliedern und Kunden – pflichtbewusst erfüllt hat.

„Welche Groß- oder Internetbank engagiert sich dermaßen für unsere Region?“

Von der vielzitierten „Kreditklemme“ kann bei uns keine Rede sein. Und auch in diesem Jahr sind wir wieder gut gestartet.

Wenn ich allerdings Kunden frage, bis wann sie ihr Tagesgeld denn ausgeben wollen, sagt niemand „morgen“. Deshalb nochmal meine ausdrückliche Warnung: Tappen Sie nicht in die „Tagesgeldfalle“. Streuen Sie ihr Vermögen möglichst breit – Sie sehen ja, wie unkalkulierbar unsere Welt tickt.
ständig: mit jedem neuen Gesetz, mit jedem neuen Urteil – und leider auch mit jeder neuen Krise!

Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir über 671 neue Mitglieder begrüßt. Bundesweit vertrauen inzwischen gut 18,4 Mio. Mitglieder unserem stabilen und soliden Geschäftsmodell. Seit Beginn der Finanzkrise sind das weit über 2 Mio. Mitglieder mehr. Unser Spendenvolumen betrug auch 2017 rund 200.000 Euro. Welche Groß- oder Internetbank engagiert sich dermaßen für unsere Region?
Jeder Euro, den wir verdienen, fließt zurück in unsere Region.

„Diese Rettung rettet nicht“

Trotdzem geht Angriff auf unser genossenschaftliches Geschäftsmodell weiter:
– Die wundersame Geldvermehrung und der anhaltende Enteignungszins der EZB, der früher oder später bei allen Banken und auf uns alle durchschlagen wird.
– Eine Großbankenrettung um jeden Preis
– Wettbewerbsverzerrungen durch staatlich gestützte Institute
– Der regulatorische Overkill und
– das bundesweite Filialsterben sind in vollem Gange.

Diese Rettung rettet nicht! Das kann einem jeder griechische Einzelhändler, jeder spanische Arbeitslose und jeder deutsche Sparer erzählen. Das neu gedruckte Geld verschwindet in den schwarzen Löchern der südeuropäischen Volkswirtschaften. Diese Länder holen nicht auf, sondern fallen zurück.
Insgesamt belastet uns – also Ihre Volksbank Südheide – die europäische Bankenrettung und Regulatorik mit über 1 Mio. € jährlich: Tendenz weiter steigend.

Das ist so, als müssten unsere auch seriös, solide und nachhaltig wirtschaftenden Landwirte aus der Region zuerst die marktbeherrschende Stellung der internationalen Agrarchemie-Konzerne teuer bezahlen und dann mit Ihren Betrieben, also ihrem Eigenkapital und Ihren Flächen, auch noch für sie haften!

Dem explodierenden Aufwand stehen bei uns weiter absolut sinkende Zinserträge gegenüber. Ich kann Ihnen nicht sagen, wie das alles ausgeht, aber der Umbruch in der Bankenwelt ist da – und dazu gibt es leider keine „alternativen Fakten“. Und die EZB druckt nicht nur Geld – als Bankenaufsicht überwacht sie uns auch. Und so werden die Geschäftsmodelle der Volksbanken und Sparkasse, die in der Krise für Stabilität gesorgt haben, jetzt vor die Existenzfrage gestellt!

„Früher wurden kleinere Geschäftsstellen zweimal im Monat besucht, heute einmal im Jahr“

Der Volksbanken-Vorstand haftet übrigens persönlich unbegrenzt, da gibt’s nicht noch Millionen dazu, wenn´s schiefläuft. Unsere „Geschäftsstellen und Öffnungszeiten“ haben wir bereits im Rahmen der jährlichen Überprüfung 2015 begonnen, an die veränderten Kundenströme anzupassen und mit Terminmöglichkeiten „Von 8 bis 8“ gleichzeitig den Ausbau unserer Beratung angeboten.

Wurden die kleineren Geschäftsstellen früher durchschnittlich zweimal im Monat besucht, geschieht das heute einmal im Jahr. Damit vervierundzwanzigfachen sich die Fixkosten pro Kundenbesuch! Nach den Grundsätzen eines ordentlichen Kaufmanns kann das weder ignoriert, preislich einkalkuliert noch dauerhaft quersubventioniert werden – bei gleichzeitig neuen hohen Kosten aus der Digitalisierung und in Zeiten teilverstaatlichter Wettbewerber.

„Ansonsten werden wir verlieren, was wir vermeintlich beschützen wollen!“

Und das sind nicht irgendwelche „Musterkunden“, um die es hier geht. Das sind wir alle im Wandel der Zeit. Mit jedem neuen Smartphone und jeder neuen App stimmen wir alle einmal mehr für diese Digitalisierung – die Video-Sprechstunde beim Arzt steht vor der Tür und der digitale Personalausweis ist schon Gang und Gäbe! Laut Landesamt für Statistik waren 2017 bereits 90,3 % der niedersächsischen Bevölkerung ab zehn Jahren im Internet aktiv. Kein Kunde soll wegen besserer Online-Angebote zu einer Direktbank wechseln müssen. Nähe wird sich zukünftig anders definieren, als rein räumlich!

„Alle Direkt- und Internetbanken zusammen zahlen nicht einen Euro Steuern in die Region.“

Ohne ein vertrauensvolles Beratungsgespräch wird es seriöses Bankgeschäft auch in Zukunft nicht geben, auch wenn die europäischen Großen sich den „Internet-Tagesgeld-Massenkunden“ noch so sehr „herbeiwerben“ wollen. Vorsicht auch bei den bunten Vergleichsportalen im Internet: Nicht nur Check24 agiert als Verkaufsmaschine, nur dass sie das nach dem Gerichtsurteil jetzt nicht mehr unter der Decke halten können. Im Zweifel wird da zu Lasten der Leistung doppelt kassiert; einmal vom Anbieter der die „5 Sterne gekauft“ hat und dann nochmal über die Vermittlungsprovision. Auch damit ist noch kein Kunde irgendwie verantwortlich beraten. Geschweige denn, dass unsere eigene Region etwas davon hat, denn: „Alle Direkt- und Internetbanken zusammen zahlen nicht einen Euro Steuern in die Region.“

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