"Diffamierung eines Toten ist schändlich" - Kritik an Sensationsjournalismus

Polizei + Feuerwehr Von Redaktion | am Fr., 08.11.2019 - 17:25

CELLE. Mutmaßlicher Selbstmord inklusive "Tipps bei Suizidgedanken", "60-Jähriger aus der Trinkerszene" - die Schlagzeilen und "Berichte" rund um den am Mittwoch im Celler Schlossgraben tot aufgefundenen Mann schockten jene, die ihn wirklich kannten. Unter ihnen Petra W. aus Celle. im CELLEHEUTE-Facebook-Kanal  äußerte sie sich.  

"Liebe Leser, danke für die Anteilnahme des im Schlossgraben gefundenen Mannes. Entgegen aller Vermutungen, dass dieser Mann in der Trinkerszene war, sage ich Ihnen: Bevor solche Vermutungen geäußert werden, sollte man auf die Polizeiberichte warten. Mein J. war ein sehr ruhiger, freundlicher Einzelgänger und es handelt sich hier um einen Unglücksfall. Ich finde es schändlich, einen 71-jährigen Mann im Tode so zu diffamieren, nur weil eine Wodkaflasche im Wasser schwamm. Ich selber bin enttäuscht, dass sich Journalisten manchmal was aus den Fingern saugen, nur damit man berichten kann. Ich möchte mich bei allen, die geholfen haben, ihn zu finden und zu bergen, herzlich bedanken. Ich bin immer noch geschockt und das wird auch noch etwas andauern. Mit freundlichen Grüßen, seine Mitbewohnerin."

Die Polizei bestätigt heute auch offiziell, dass es sich beim Toten um einen 71 Jahre alten Mann aus Celle handelt. Unter welchen Umständen er ums Leben kam, bevor er am Mittwoch gegen 11 Uhr von einer Spaziergängerin entdeckt wurde, ist weiterhin unbekannt. Eine Obduktion soll darüber Gewissheit verschaffen. Auch in der so genannten "Trinkerszene" am Schlossplatz werde niemand vermisst. 

CELLEHEUTE hat ausdrücklich die Freigabe von Petra W. erhalten, ihre Aussage auch hier zu veröffentlichen. Wir weisen außerdem darauf hin, dass wir weder Mutmaßungen noch Unterstellungen verbreitet und auch entsprechende pietätlose Kommentare im Facebook-Kanal, wie in anderen ähnlichen Fällen auch, gelöscht haben.