CELLE. Im Rahmen der „Wochen gegen Rechtsextremismus“ traf sich der Stammtisch Integration gestern in den Räumen von Kunst & Bühne. Der Sozialpädagoge Dr. Blaise Feret Pokos, der selbst dunkler Hautfarbe ist, berichtete von seinen eigenen Erfahrungen mit dem „Schwarz sein in Deutschland“ und fasste darüber hinaus Ergebnisse aus seinen langjährigen Forschungen anschaulich zusammen.

Er spannte den Bogen vom Deutschland in der wilhelminischen Zeit bis heute und zeigte auf, wie sich das Verständnis einer „monochromen“ Bevölkerung mit dem Gefühl „Mischung sei etwas Schlechtes“ in den Köpfen verfestigt habe und subtil und latent suggeriert worden sei, dass Menschen mit schwarzer Haut nicht in Europa zuhause sein könnten. „Was über Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte gewachsen ist, lässt sich nicht  von heut‘ auf morgen in Unvoreingenommenheit verwandeln. …Wer von uns ist schon vorurteilsfrei?“, fragte er in die Runde.

„Wir finden doch alle irgendetwas, was uns an anderen stört. Der eine ist zu dick, zu dünn, zu groß, zu klein oder hat eben eine komische Hautfarbe. Hier gilt es, sich selbst zu sensibilisieren und sich an Ort und Stelle dagegen zu stellen. Stillschweigen ist Zustimmung!“ Dass Rassismus kein urdeutsches Problem ist, sondern weltweit anzutreffen sei, machte er ebenso deutlich, wie die unterschiedlichen Erfahrungen, die in Deutschland geborene Kinder mit dunkler Hautfarbe machen. Von erfahrener Ablehnung, die zur völligen Verunsicherung der eigenen Persönlichkeit führen könne bis hin zur vollkommen angenommenen und sich wertgeschätzt fühlenden Person seien alle Erfahrungen in seinen Forschungen vertreten gewesen. Es gäbe nicht „die eine Wahrheit“.

Sinja Naujok und Gerd Janke vom Organisationsteam dankten dem Vortragenden für seine Ausführungen und freuten sich über eine intensive Diskussion, die sich daraus ergab. Die Abteilungsleiterin für Integration bei der Stadt Celle, Serpil Klukon, unter deren Federführung dieser Stammtisch in die Wochen gegen Rechtsextremismus eingebettet wurde, wies darauf hin, wie wichtig es sei, Diskriminierungen jeglicher Art entgegenzutreten und sich  für Toleranz und Wertschätzung einzusetzen.



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