"Drinnen lauert die Gefahr" - Aerosolforscher kritisieren Corona-Verbote (Offener Brief)

Medizin Von Peter Fehlhaber | am Mo., 12.04.2021 - 22:37

KÖLN/CELLE. Genau an dem Tag, als die Verantwortlichen in Celle den WASA-Lauf absagten, haben Aerosolforscher die fehlgeleiteten Debatten über den Aufenthalt im Freien, Treffen in Biergärten, Joggen und Ausgangssperren kritisiert. Sie bestätigen längst bekannte Forschungen: Im Freien werde das Virus nur "äußerst selten" übertragen. Stattdessen müsse der Schutz in Innenräumen verstärkt werden.

In einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn sowie an die MinisterpräsidentInnen und die Gesundheitsämter der Bundesländer hat die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) die Bundesregierung aufgerufen, ihren Umgang mit Corona zu überdenken. Dort heißt es u.a: "Die Übertragung der SARS-CoV-2 Viren findet fast ausnahmslos in Innenräumen statt." Im Freien werde das Virus nur "äußerst selten" übertragen. In Innenräumen sei das Risiko einer Clusterinfektion etwa in Alten- und Wohnheimen, Schulen, bei Veranstaltungen, Chorproben oder während einer Busfahrt am größten, sind die führenden Wissenschaftler auf diesem Gebiet überzeugt. 

Durch die öffentliche Debatte hätten viele Menschen "falsche Vorstellungen über das mit dem Virus verbundene Ansteckungspotential". Durch nicht zu Ende gedachte Verbote, sich in Parks zu treffen, beliebte Strecken für Spaziergänge zu sperren oder auch die nächtlichen Ausgangssperren entstehe der Eindruck, dass es draußen gefährlich sei. "Die andauernden Debatten über das Flanieren auf Flusspromenaden, den Aufenthalt in Biergärten, das Joggen oder das Radfahren haben sich längst als kontraproduktiv erwiesen", so die Experten. Dadurch würden aber "heimliche Treffen in Innenräumen" nicht verhindert, sondern "lediglich die Motivation erhöht, sich den staatlichen Anordnungen noch mehr zu entziehen. Nichts stumpft uns Menschen bekanntlich mehr ab als ein permanenter Alarmzustand", warnen die Mitglieder der GAeF.

Der Offene Brief steht unter dem Artikel zum Download zur Verfügung.

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