BELRIN/CELLE. Eine große Mehrheit der Deutschen sei für die „Ehe für alle“, sind Meinungsforscher überzeugt. SPD, FDP, Linke und Grüne wollen die Ehe für alle, für SPD und Grüne ist eine Zustimmung Bedingung für mögliche Koalitionsverhandlungen. Nach dem Vorpreschen der SPD hat Bundeskanzlerin Merkel den Fraktionszwang in der Union aufgehoben und die Abstimmung zur „Gewissensentscheidung“ erklärt. Während sich niemand darüber wundert, dass Abgeordnete doch immer nach ihrem Gewissen entscheiden sollen und ein Fraktionszwang verfassungswidrig ist, lassen wir unsere heimischen Bundestags-Abgeordneten Kristen Lühmann (SPD) und Henning Otte (CDU) zu Wort kommen: Wie werden sie morgen abstimmen?

KIRSTEN LÜHMANN
„Ich werde am Freitag der Öffnung der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Paare zustimmen.

In den vergangenen Monaten haben mich zahlreiche Zuschriften von Bürgern und Bürgerinnen aus meinem Wahlkreis zur Öffnung der Ehe erreicht. Immer weniger Menschen können verstehen, warum es in Deutschland bislang immer noch eine unterschiedlichen Behandlung von gleichgeschlechtlichen und heterosexuellen Paaren gibt. Umso mehr freue ich mich, dass Frau Merkel mit ihrer veränderten Haltung, dass diese Entscheidung keine parteipolitische, sondern eine Gewissensentscheidung ist, den Weg freigemacht hat für die Abstimmung im Bundestag am Freitag.
Vier Jahre lang sind unsere diesbezüglichen Vorstöße nämlich immer wieder mit dem Hinweis auf parteipolitische Festlegungen abgelehnt worden.

Es ist mir bewusst, dass es Menschen gibt, die zum Beispiel aufgrund ihrer religiösen Überzeugungen mit dem Gesetzentwurf nicht mitgehen können. Das respektiere ich. Für mich sind die in Paarbeziehungen gelebten Werte allerdings auch zutiefst christliche. Wenn zwei erwachsene Menschen sich gegenseitig Beistand und Fürsorge versprechen und dafür den Bund der Ehe schließen wollen, dann ist das Geschlecht vollkommen egal. Die Erfahrung wird auch hierzulande, wie bereits in vielen anderen europäischen Ländern, zeigen, dass die Ehe für alle ein Gewinn für den gesellschaftlichen Zusammenhalt ist.

Dass wir nun endlich diese Abstimmung im Deutschen Bundestag haben, ist dem Einsatz und dem Engagement unzähliger einzelner Menschen und von Initiativen zu verdanken, die seit Jahren darauf hinarbeiten. Für dieses Engagement möchte ich mich ausdrücklich bedanken.“

HENNING OTTE:
„Wenn zwei Menschen sich zueinander bekennen und füreinander Verantwortung übernehmen gehört ihnen mein Respekt, egal, um welche Geschlechter es sich handelt.

Eine solch wichtige Entscheidung darf jedoch aus meiner Sicht nicht einfach gesetzlich gegen bekannte verfassungsrechtliche Bedenken gefällt werden. Darum stimme ich mit Nein.

Über das Adoptionsrecht gleichgeschlechtlicher Paare hätte in einem geordneten Verfahren parlamentarisch beraten werden müssen, damit sowohl die Paare als auch die Adoptivkinder auf die Rechtssicherheit vertrauen können.“

Eine Antwort zu “Ehe für alle – Otte: „Nein“, Lühmann: „Ja“”

  1. Christian Zahl sagt:

    Mit der Entscheidung für die „Ehe für alle“, hat die Regierung, und vor allem die CDU, ihre letzte konservative Wurzel verloren. Der über Jahrhunderte gelebte heilige Stand der Ehe zwischen Mann und Frau verliert nunmehr seine ursprüngliche Bedeutung, und verkommt zu einer „Absichtserklärung des gemeinsamen Zusammenlebens“ – und nicht mehr.

    Die Ehe in ihrer ursprünglichen Form war jedoch mehr. Sie genoss einen besonderen Status und wurde unter besonderen Schutz des Gesetzes gestellt. Warum? Weil die Ehe die Grundlage für den Fortbestand der Gesellschaft galt, in der Kinder geboren und erzogen wurden. Sie galt als Grundstein von Familie und den Generationen. Durch die Öffnung für Gleichgeschlechtliche ist diese Bedeutung nun jedoch weggefallen.

    Über viele Jahrzehnte hat es die Politik nicht geschafft, dem demografischen Wandel entgegenzuwirken. Vielmehr wurde durch fehlende Anreize zur Bildung einer Familie, durch Förderung von Karriere und Singledasein dafür gesorgt, dass sich dieser noch verstärkt. Mit der Liberalisierung der Ehe für alle Kombinationen von Geschlechtern, wird durch den sinkenden Stellenwertes der Ehe, dieses nun noch weiter forciert.

    Das Ganze passt hervorragend in das von Linken Sozialisten verfolgte Ziel des Gendermainstreams. In der „Handreichung für Lehrkräfte“ der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft werden die Lehrkräfte dazu aufgefordert, „das Bild von der ‚Vater-Mutter-Kind-Familie’“ nicht länger zu unterstützen, da „diese Familienform am Anfang des 21. Jahrhunderts in Auflösung begriffen ist“. Die „Ehe für alle“ stellt all diese Lebensformen auf die gleiche Stufe mit der bisherigen Ehe. Eine Anpassung aller Schulunterlagen nach den Vorstellungen dieser Ideologie ist nunmehr eine Pflichtaufgabe, damit es zu keiner Diskriminierung kommt.

    Zusammenfassend stellt sich die ernsthafte Frage, was die Ehe von einer Lebensgemeinschaft noch unterscheidet. Bedarf es noch dieser besonders hervorgehobenen und geschützten Institution überhaupt noch? Das Verkommen zu einer „Absichtserklärung des Zusammenlebens“ wirft auch die Frage auf, wodurch die Beschränkung auf zwei Personen noch begründet werden kann. Wenn „nicht jeder Mensch fühlt sich dem Geschlecht zugehörig, das bei der Geburt festgestellt wurde“, wie es im Wahlprogramm der SPD heißt, als Grundlage für die Mutation der Ehe zu einer Ehe für alle ausreicht, müsste eine „Absichtserklärung des Zusammenlebens mit mehr als einer Person“ ebenfalls auch als Ehe angesehen werden können. Somit wäre der Weg frei zu einer völlig veränderten Gesellschaftsstruktur.

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