SPRINGE/CELLE. Auch im Gefängnis sollte man sich wohlfühlen. Jedenfalls als Ehrenamtlicher. Wie man im Ehrenamt gut für sich sorgt, speziell unter den Bedingungen des Strafvollzugs, darum ging es auf der Jahrestagung des Schwarzen Kreuzes in Springe: Die rund 500 Ehrenamtlichen dieser christlichen Organisation mit Sitz in Celle begleiten inhaftierte Menschen auf deren Weg nach „draußen“. Das tun sie in ganz Deutschland, vor allem über Briefe oder Besuche.

Irgendwie müde geworden in der letzten Zeit? Woran kann es liegen? Walter Punke, Organisationsberater und Vorstandsmitglied, empfiehlt, die eigene Tätigkeit regelmäßig unter drei Aspekten abzuklopfen: Verstehe ich die Zusammenhänge in meinem Umfeld? Kann ich sie handhaben und beeinflussen? Und schließlich: Empfinde ich meine Tätigkeit als bedeutsam? Aaron Antonovsky hat diese Fragen einst unter dem Schlagwort Salutogenese entwickelt. Sie sind auf alle möglichen Lebens- und Arbeitssituationen anwendbar.

Wer in seiner Freizeit Straftäter dabei unterstützt, neue Lebenswege zu finden, hat oft erst einmal keine idealen Bedingungen für Salutogenese. Das System einer JVA ist schwer durchschaubar und von Außenstehenden so gut wie gar nicht zu beeinflussen. „Wird denn die Arbeit der Ehrenamtlichen in Ihrer JVA wenigstens wertgeschätzt?“ fragt Punke. Kopfnicken und spontane Zustimmung kommen zurück, aber auch: „Bei uns fühlen wir uns wie Störenfriede.“ Und die Anerkennung in der Gesellschaft? Auch unterschiedlich. Da gibt es Ablehnung genauso wie Bewunderung und vor allem Berührungsängste. Wer Menschen im Gefängnis den Rücken stärkt und sie begleitet, irritiert andere und muss sich oft erst einmal erklären.

Ein Lösungsvorschlag: Die Spielräume, die man hat, nutzen; mögen sie auch klein sein. Nicht das ganze System verstehen oder beeinflussen wollen, aber zum Beispiel einen guten Draht zum zuständigen Mitarbeiter suchen. Und beim Smalltalk auf der nächsten Geburtstagsparty mutig das vertreten, was man macht – auch wenn man in skeptische Augen sieht.

Denn der eigene Einsatz lohnt sich, stellen viele Ehrenamtliche fest: Im Bereich Bedeutsamkeit und Sinn schneide er sehr gut ab. „Ich hätte früher nie gedacht, dass ein Briefkontakt zu einem Menschen im Gefängnis mich so bereichert“, heißt es da, oder: „Es ist einfach schön, die Dankbarkeit zu spüren, die die Inhaftierten einem entgegen bringen.“ Und wer dann noch erlebt, dass derjenige, den er unterstützt, nach der Entlassung wieder Fuß fasst – das entschädigt für so manches andere.

Walter Punke; Foto: Ute Passarge

Walter Punke; Foto: Ute Passarge

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