Vergangenheit trifft Zukunft – Eicklingen feiert 825. Geburtstag

Kultur + Gesellschaft Von Anke Schlicht | am So., 05.09.2021 - 17:42

EICKLINGEN. „Es ist unser aller Geburtstag“, betont Jörn Schepelmann gegenüber seinen 120 Mitbürgern, die sich am Sonntagvormittag anlässlich des 825-jährigen Jubiläums von Eicklingen eingefunden haben, bevor er die 40 Ehrengäste aus Politik und Gesellschaft begrüßt.

Die Hauptattraktion des Festes bildet einen Teil der historischen Kulisse, die die Feierlichkeiten umrahmt: Das vor dem Verfall bewahrte Amtsstubenhaus erstrahlt nach Jahren des Leerstands in neuem Glanz und wird nach umfangreicher denkmalgerechter Sanierung zeitgleich mit dem Jubiläum seiner neuen Bestimmung als Haus der Vereine übergeben. „Hier wurde Recht gesprochen“, erläuterte der Vorsitzende des Heimatvereins, Erhard Köneke, die ursprüngliche Nutzung. Bis ins Jahr 1859 war der Ort, der 1196 erstmals urkundlich erwähnt wurde und hervorgegangen ist aus Groß Eicklingen, Klein Eicklingen, Sandlingen sowie Schepelse und Paulmannshavekost, Amtsvogtei und vereinte damit nach heutigen Maßstäben die Zuständigkeiten von Landrat und Amtsrichter. „Es war die Stelle, an der der Staat mit den Dorfbewohnern in Kontakt trat, es ging um Steuern, die Beschwerden über schlechte Wege oder auch Heiratsgenehmigungen“, berichtete Könike innerhalb eines geschichtlichen Abrisses. Die Verantwortlichen für das Jubiläum hatten sich jedoch bewusst dafür entschieden, den Fokus nicht ausschließlich auf die Vergangenheit zu legen. „Es ist viel passiert in all den Jahren. Der heutige Tag soll den Blick nach vorne richten. Eicklingen ist nur das, was wir daraus machen. Ich wünsche mir, dass wir den Ort weiterentwickeln – immer mit Blick auf die Vergangenheit“, hob Bürgermeister Jörn Schepelmann hervor. In seinen Ansprachen kommt er zwischendrin immer mal wieder auf Eichen zu sprechen, denn der Name des traditionsreichen Dorfes leitet sich von diesen Bäumen her, was bei einem Spaziergang durch die Gemeinde unübersehbar ist. Im historischen Kern mit Amtsstubenhaus und Amtshof dominieren allerdings Kastanien, was Festredner Ernst-Ingolf Angermann zu einem von zwei besonderen Geschenken veranlasste. Er überreichte Schepelmann einen Gutschein für eine Eichenpflanzung und sorgte anschließend mit einer auf Plattdeutsch vorgetragenen Anekdote für kollektives Gelächter.

Die Grußworte des Bürgermeisters der Nachbargemeinde Langlingen und früheren Landtagsabgeordneten waren Teil eines Programms bestehend aus Gottesdienst, Segnung des Amtsstubenhauses, Bürgerfrühstück, Darbietung der Volkstanzgruppe des Heimatvereins und Musik von der BigBand der Oberschule Flotwedel. Den Höhepunkt hatten die Veranstalter ans Ende gesetzt. Jörn Schepelmann, der moderierend durch den Vormittag führte, hatte betont: „Den dörflichen Charakter dürfen wir nicht verlieren.“ Diesem Ansinnen kommt die neue Funktion des historischen Gebäudes sehr entgegen. Bewusst haben die Eicklinger auf ein Gemeinschaftshaus zugunsten der noch vorhandenen Gastronomie im Ort verzichtet und sich stattdessen für ein Haus der Vereine entschieden. 25 Vereine und Verbände sind im „Ring örtlicher Vereine“ zusammengeschlossen. Dessen Vorsitzender Thomas Knickelmann und Geschäftsführer Werner Buck nahmen den Schlüssel zum Abschluss der offiziellen Feierlichkeiten aus den Händen des Bürgermeisters in Empfang und brachten ihn in ihren Dankesworten mit etwas in Verbindung, das in den Reden und Grußworten wiederholt als charakteristisch für Eicklingen bezeichnet wurde: „Er ist ein Symbol für die tolle Dorfgemeinschaft.“