"Ein Glücksfall für Celle" - RWLE Möller und seine gleichnamige Stiftung

Kultur + Gesellschaft Von Redaktion | am Mi., 02.03.2016 - 18:22

CELLE. Vor 15 Jahren starb der Künstler RWLE Möller im Alter von 48 Jahren. Er nannte sich romantisch-bohemehaft „Künstler“, weil es im Deutschen für ein Talent, wie er eines schon als Schüler zu werden versprach, keinen anderen passenden Begriff gibt. Reinhard, Walter, Ludwig, Eduard, so seine Vornamen, zeichnet und malt von Kindheitstagen an, ist schon als Gymnasiast in den 60er Jahren kultur-politisch vielfältig engagiert in Schule und Stadt, das Fotografieren, Filmen und die Literatur kommen hinzu.

Literatur, Malerei und eine konstruktive Hass-Liebe zur Allerstadt sind die künstlerischen Konstanten seiner Entwicklung nach dem Abitur. Er bildet sich fern von Universitäten in Berlin, lotet dort aus, wie und wohin das Leben mit ihm gehen will und weiß nach wenigen „wilden“ Jahren, dass es die Großstadt nicht ist. Er kehrt nach Celle zurück und dies ist ein Glücksfall für die Stadt, die ihren Sohn aus der Zöllnerstraße in diesen Jahren nicht sonderlich schätzt. Er macht die längst fällige Inventur, sammelt, ordnet und spürt auf, was diese Stadt seit ihrer Gründung ausmacht. Der, wenn man so will, Hobbyhistoriker, macht in seinem „Celle-Lexikon“ das Wissen der Stadt erstmals im großen Umfang alphabetisch dingfest.

Besonders die Zeit von 1933 bis weit nach 1945 wird bei ihm sichtbar, was für die noch lebenden Zeitgenossen dieser Jahre unangenehm war. Möller ist der Nestbeschmutzer der 80er Jahre, wofür man ihm inzwischen dankbar ist in dieser Stadt. Die alten Seilschaften haben ihr Ende gefunden und einigen konnten erst nach ihrem Tod öffentlich ihre Schandtaten auch wissenschaftlich nachgewiesen werden. RWLE Möller würde das laut begrüßen, lebte er noch. Dafür aber hat er die RWLE Möller Stiftung schon zu Lebzeiten konzipiert, die die Aufklärungsarbeit in vielen Bereichen unterstützt, in dem sie, neben den „celler heften“, vielfältige Publikationen herausgibt, finanziert und mitfinanziert, Stipendien vergibt, eine Tagung zur Frage nach dem Stadtgedächtnis ausgerichtet hat und zahlreiche kulturelle, soziale und gesellschaftspolitische Veranstaltungen unterstützt.

Mit der Vergabe von Stipendien an den kosovo-albanischen Lyriker Bekim Morina, die bildende Künstlerin Renate Deuter (Hannover/Berlin), der Dokumentarfilmerin Katarina Mihm (Wien/Berlin) oder an die Kunsthistorikerin Jasmin-Bianca Hartmann (Celle) kommen neue und engagierte Leute in die Stadt. Zudem setzt die Stiftung mit der Förderung zahlreicher Ausstellungsprojekte gegenwärtiger Kunst und der Unterstützung der Leseförderungs- und Integrationsarbeit der Bibliotheksgesellschaft Celle die Ideen des Stifters fort, der seit den 90er Jahren in Celle so etwas wie ein „offenes Haus“ betrieben hat.

Wer RWLE Möller besuchte, fand Gegenbilder, die abseits der offiziellen Wege lagen. Er war bis fast zur Selbstaufgabe gesprächsbereit, seine Offenheit, sein Interesse und Humanismus, ja, seine Solidarität und Empathie waren für viele vorbildlich und ein Hoffnungsstreif am Heidehimmel. So versucht die Stiftung mit ihrer Arbeit inhaltlich das Wirken ihres Stifters fortzusetzen und das Celler Leben in Stadt und Land zu bereichern, etliche Projekte und Publikationen könnten ohne ihre Unterstützung nicht verwirklicht werden.
Text: Oskar Ansull