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Ehrenamtlicher Leiter des Albert-König-Museums Dr. Klaus Homann verabschiedet

„Ein Glücksfall für das Museum“

19.03.2017 - 17:55 Uhr     zaulick    1

UNTERLÜSS. „Wo liegt Unterlüß?“ Dies sei die am häufigsten gestellte Frage gewesen, wenn er unterwegs gewesen sei, um aus Sammlungen und Nachlässen Werke für das dortige Albert-König-Museum zu erwerben oder auszuleihen. Dr. Klaus Homann war 22 Jahre lang Leiter des kleinen, und dennoch nicht unbedeutenden Kunstmuseums in der Südheide und absolvierte diese Aufgabe ehrenamtlich. Heute wurde er feierlich verabschiedet. Mit stehenden Ovationen würdigten die Freunde und Unterstützer des Museums seine Tätigkeit. Musikalisch begleitet wurde die Feier durch Eike Formella (Flügel) und Gerry Rushton (Klarinette, Saxophon).

„Dass in einem Ort wie Unterlüß ein Museum ist, das alle klima- und sicherungstechnischen Anforderungen erfüllt, konnte sich keiner vorstellen“, berichtete Homann in seinem Rückblick vor rund 140 Gästen. Hätten die Künstler oder Sammler das Museum dann aber erst mal mit eigenen Augen gesehen, seien sie schnell davon überzeugt gewesen, dass ihre Kunst hier gut aufgehoben sei.

Der Celler Jurist konzipierte und realisierte im Laufe seiner „Amtszeit“ nicht nur 71 Ausstellungen, er war auch viel unterwegs, um das Archiv rund um den Nachlass des aus Eschede stammenden und bis zu seinem Tod in Unterlüß ansässigen Künstlers Albert König zu erweitern. „Sie haben die Vielfalt der norddeutschen Malerei hier präsentiert“, sagte Landrat Klaus Wiswe in seinem Grußwort. So wurden während der „Ära Homann“ im Albert-König-Museum Werke aus den Künstlerkolonien Worpswede, Fischerhude und Ahrenshoop gezeigt, Malern und Graphikern wie Ole West, Horst Janssen, Klaus Fußmann, Frido Witte, Fritz Flebbe, Erwin Vollmer, Günther Weißflog, Hugo Friedrich Hartmann und vielen mehr wurden Ausstellungen gewidmet.

Homann sei es stets darum gegangen, „nicht das klischeehafte, süßliche Bild der Heide zu zeigen, sondern eine qualitativ hochwertige Landschaftsmalerei, die sonst weitgehend in Vergessenheit geraten ist“, erläuterte der ehemalige Oberkreisdirektor Klaus Rathert in seiner Laudatio. Was Klaus Homann als künstlerischer Museumsleiter in stiller Passion vollbracht habe, sei ein Lebenswerk und ein Glücksfall für das Museum. Dass das frühere Wohnhaus Albert Königs seine besondere Atmosphäre behalten habe, sei dem Museumsleiter ebenso zu verdanken wie die Entwicklung des Hauses hin zu einem attraktiven kulturellen Treffpunkt. Neben Ausstellungen finden im Museum regelmäßig auch Lesungen und Konzerte statt. Als Abschiedsgeschenk überreichte Rathert dem passionierten Kunstliebhaber ein Aquarell von Adolf Schlawing, das Homann sich gewünscht hatte und das – so wurde ausdrücklich betont – nicht aus der Sammlung des Museums stamme.

Klaus Homann nutzte seine Ansprache, um einige Anekdoten aus dem Alltag eines ehrenamtlichen Museumsleiters zum Besten zu geben. Der Transport der wertvollen Objekte nahm dabei breiten Raum ein. So habe man einmal auf ein Bild verzichten müssen, weil das Werk in der vom Besitzer für notwendig erachteten „Klimakiste“ nicht mehr durch dessen Wohnungstür passte. Das Bild vor der Tür einzupacken, sei für den Besitzer nicht in Frage gekommen. Viel Verhandlungsbedarf habe auch bei versicherungstechnischen Fragen bestanden. Dass in Ausnahmefällen die Werke privat transportiert werden durften, habe dazu geführt, dass er hin und wieder mit Millionenwerten im Kofferraum auf der Landstraße unterwegs gewesen sei, erinnerte sich der pensionierte Vorsitzende Richter am Landessozialgericht schmunzelnd.

Nicht immer einfach hätten sich hin und wieder die Verhandlungen mit den Witwen verstorbener Künstler gestaltet. Entweder solle er alle nehmen oder gar keins, habe ihm die Frau des verstorbenen Günther Weißflog gesagt, nachdem sie die Küchenbank aufgeklappt hatte, unter deren Sitzfläche über 1600 Aquarelle zum Vorschein gekommen seien. Die Bilder sind heute im Besitz des Albert König Museums.

Die Tätigkeit habe ihm stets Freude gemacht und ihm viele Kontakte bis hin zu Freundschaften beschert, sagte Homann. Neben dem Freundeskreis des Albert König Museums und der Stiftung des Museums, dankte er auch den Vertretern der Gemeinde Unterlüß, Klaus Przyklenk und Eberhard Staiger für ihre langjährige Unterstützung.

Seit der Fusion mit Hermannsburg gehört das Albert-König-Museum nun zur Gemeinde Südheide. Deren Bürgermeister Axel Flader warf einen Blick voraus auf die nächste Ausstellung, die am 28. Mai eröffnet wird. „Romantik und Realität – die Farbe Blau“, lautet ihr Titel. Mit Jörg Neese als ehrenamtlichem Leiter und der Kunsthistorikerin Dietrun Otten vom Bomann-Museum Celle als wissenschaftliche Beraterin, sieht Flader das Museum gut gerüstet für die Zukunft.

Eine Antwort zu “„Ein Glücksfall für das Museum“”

  1. Ulrich Verlemann sagt:

    In der Tat, Unterlüß kennt kaum ein Fremder. Aber in der Fremde haben viele Menschen indirekt mit Unterlüß viele negative Erfahrungen sammeln können. Hier wurde zwischen 1971 und 1989 die Uranmunition von der Firma Rheinmetall entwickelt. Diese Munition wurde ab dem Jugoslawienkrieg 1989 auch eingesetzt und hat zwischenzeitlich weit mehr als 100.000 Menschen das Leben gekostet.Um Basra leiden noch heute tausende Menschen überwiegend Kinder an Verstrahlungsschäden. Jeder sollte sich einmal den Film „Todesstaub“ von Friedel
    Wagner im Internet anschauen und kann ja dabei besonders an Unterlüß denken.

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