Ein Mini-Windbeutel zum Kaffee - Versorgung in Altenheim "einfach nur peinlich"

Leserbeiträge Von Extern | am Mi., 06.05.2020 - 11:45

Eine Leserin* schreibt zu den kürzlich veröffentlichten Berichten (s. unten) über Lieferengpässe bei Lebensmitteln in Krankenhaus und Pflegeeinrichtungen: "Mit einem lachenden und einem weinenden Auge habe ich den Bericht und einen Leserbeitrag gelesen. Ich kann dem verärgerten ehemaligen Koch einer Pflegeeinrichtung nur zustimmen. Der 'üppige' Frühstücks-Teller zu ihrem Beitrag erinnert mich sehr an meinen Arbeitsalltag in unserer Altenpflege-Einrichtung. Es werden bei uns Essenswagen, wie auch aus der Krankenpflege bekannt, genutzt. Das Abendbrot wird am Morgen schon in die Wagen gepackt. Das Frühstück schon am Nachmittag.

Wenn man dann sieht, was am Mittag zum Kaffee auf die Wohnbereiche geholt wird, dann ist das tatsächlich erbärmlich. Unsereiner kauft für die Kinder zum Kaffeetrinken gern mal Miniberliner oder Miniwindbeutel aus dem Discounter, weil die ja immer gut bei den Kleinen ankommen und gegessen werden. Wenn ich dann sehe, dass den Bewohnern zum Kaffee pro Person 1 Mini Berliner oder Windbeutel, alternativ auch gern 2 Butterkekse aufgetischt wird, dann ist das einfach nur peinlich. Ich hoffe an diesen Tagen immer, dass kein Angehöriger oder sonstiger Besuch zur Kaffeezeit auftaucht. 

Unsere alte Küchenleitung ist vor ca 3 Jahren in Rente gegangen, seit die neue Küchenleitung dort ist, hat auch die Qualität der Mahlzeiten gelitten. Man kann teilweise gar nicht erkennen, um was es sich in dem Wärmewagen eigentlich handelt. Die Portionen sind groß genug pro Person, jedoch geht meist mehr als die Hälfte zurück, weil es einfach nicht genießbar ist. Verlieren die Bewohner dann an Gewicht, bekommen sie hochkalotische Milchshakes.

Die Teller für Frühstück und Abendessen sind bei Ankunft auf unserem Wohnbereich mit Frischhaltefolie abgedeckt. Trotzdem sind die Lebensmittel unansehnlich. Vor allem das Brot ist eine Katastrophe. Graubrot ist alt und trocken, das Weißbrot ist so trocken das es einem wegbröselt wenn man es an der Ecke vom Teller nehmen möchte. 

Aber die 3500 - 3600 € pro Monat sind ja safe. Und wo kann man besser sparen als an den Lebensmitteln? Immer schön auf Sparflamme mit unfähigem Hauswirtschaftspersonal, dann hat der Bewohner wenigstens zum Frühstück richtig Hunger. Die alten und kranken Herrschaften tun mir herzlich leid."

*Name ist der Redaktion bekannt