Ein Stück Bergen in Litauen

Gesellschaft Von Extern | am Mo., 30.08.2021 - 18:59

RUKLA/BERGEN. In Litauen - genauer gesagt in der Nähe der Ortschaft Rukla befindet sich seit zwei Wochen ein Außenposten der Stadt Bergen. Diese neue „Enklave“ mit circa 1200 Einwohnern aus sechs verschiedenen Ländern verfügt sogar über ein eigenes Ortsschild, das die Zugehörigkeit zur Heimatstadt symbolisiert. Ortsvorsteher dieses besonderen Außenpostens ist Oberstleutnant Hagen Ruppelt. Sein Stellvertreter ist der niederländische Oberstleutnant Timo de Borst. Komplettiert wird die Führungsriege des Außenpostens durch den niederländischen Adjutant Anjo Emond.

Diese Geschichte entspricht natürlich nicht ganz der Realität. Ein Funken Wahrheit sei dennoch dabei. Oberstleutnant Ruppelt ist nicht etwa der Ortsvorsteher einer Bergener „Enklave“, sondern seit zwei Wochen der Kommandeur der enhanced Forward Presence Battlegroup (eFP BG) in Litauen. Oberstleutnant de Borst ist sein niederländischer Stellvertreter und Adjutant Emond fungiert als Battlegroup Command Sergeant Major (ranghöchster Unteroffizier). Der multinationale Gefechtsverband in Litauen gehören in halbjährlich wechselnden Rotationen jeweils rund 1.200 Soldaten und Soldatinnen aus Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Luxemburg, Norwegen, Tschechien an.

Seit dem 10. August zeichnet sich das deutsch-niederländische Panzerbataillon 414 aus dem gemeindefreien Bezirk Lohheide mit ihrem Führungsdreieck Ruppelt, de Borst und Emond an der Spitze für den multinationalen Gefechtsverband in Litauen verantwortlich. Im Juni wurden sie gemeinsam mit ihren Soldatinnen und Soldaten des Panzerbataillons 414 im Rahmen eines Appels durch die Bergener Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller in den Auslandseinsatz verabschiedet.

Als Zeichen der Unterstützung aus der Bevölkerung überreichte sie zu diesem Anlass symbolisch das Ortsschild an den seit 2016 in Lohheide stationierten, bi-nationalen Verband. Dieses wurde auf der langen Reise nach Litauen mitgeführt und hat nun einen festen Platz gefunden. Nämlich unmittelbar am Eingang des Stabsgebäudes der multinationalen Battlegroup in der Kaserne in Rukla: „Zwischen der Stadt Bergen und uns als Truppenteil vor Ort, besteht ein enges Band der gegenseitigen Wertschätzung und es erfüllt uns mit Stolz, dass diese gegenseitige Verbundenheit auch hier im Auslandseinsatz für alle sichtbar zum Ausdruck gebracht werden kann“, dankt Oberstleutnant Ruppelt im Namen aller aktuell in Litauen eingesetzten Bergener Soldaten für den Rückhalt aus der Heimat. Für ihn und seine Frauen und Männer stehen nun sechs ereignisreiche Monate bevor, wie er im Rahmen eines Kurzinterviews berichtet: 

Seit dem 10. August 2021 zeichnet sich das deutsch-niederländische Panzerbataillon 414 mit Ihnen an der Spitze als Kommandeur für die Führung des Multinationalen Gefechtsverbandes eFP in Litauen verantwortlich. Wie haben sich Sie sich mit Ihren Soldatinnen und Soldaten auf diese Aufgabe vorbereitet? 

Ruppelt: „Um eine solche Aufgabe von herausgehobener Bedeutung übernehmen zu können, ist eine intensive einsatzvorbereitende Ausbildung von Nöten. Bereits Anfang des vergangenen Jahres haben wir begonnen, die Voraussetzungen für unseren Auftrag hier in Litauen zu schaffen. Dieses beinhaltete zahlreiche Ausbildungs- und Übungsvorhaben sowohl am Standort Lohheide beziehungsweise auf dem Truppenübungsplatz Bergen, sowie im Schießübungszentrum Panzertruppen in Munster. Den Abschluss bildete im Mai 2021 dann die „Feuertaufe“ im Gefechtsübungszentrum des Heeres, die in der erfolgreichen nationalen Zertifizierung durch den Kommandeur der niederländischen 43. Mechanisierten Brigade, Brigadegeneral de Jong, mündete.  Zudem haben wir unsere Soldatinnen und Soldaten im Rahmen der individuellen und auch der einsatzlandspezifischen Ausbildung das notwendige Handwerk vermittelt. Hierzu gehören neben „Fahren, Funken und Schießen“ auch die erweiterte Sanitätsausbildung sowie landeskundliche Unterrichtungen. 


Wie verlief die Übergabephase und mit welcher Zielsetzung gehen Sie in die nächsten Tage und Wochen als neuer Kommandeur der eFP-Battlegroup? 

Ruppelt: „Hier gilt es, einen ganz großen Dank an unsere Vorgängerrotation zu richten. Die Kameradinnen und Kameraden des Panzerlehrbataillons 93 aus Munster haben im Vorfeld gute Voraussetzungen geschaffen, sodass wir hier eine sehr strukturierte Übergabephase hatten und den Führungsauftrag verzugslos übernehmen konnten. Nun gilt es schnellstmöglich, gemeinsam mit unseren NATO-Partnern und den litauischen Kameraden, die unterschiedlichen nationalen Fähigkeiten zu einem gemeinsamen, schlagkräftigen multinationalen Gefechtsverband zu vereinen. Die ersten Ausbildungshöhepunkte stehen schon vor der Tür: So haben wir bereits jetzt damit begonnen, die Einsatzbereitschaft durch Ausbildung und Übungstätigkeiten auf Ebene der Kompanien und der Gefechtsstände weiter zu erhöhen. Im September ist mit „Eager Leopard“ bereits die erste multinationale Übung mit Volltruppe fest terminiert.“ 

Stichwort – Zertifizierungsübung IRON WOLF II-2021. Diese wird von Mitte bis Ende Oktober 2021 auf dem Truppenübungsplatz Pabrade stattfinden. Welche Bedeutung hat diese Übung für Sie und die gesamte eFP-Battlegroup? 

Ruppelt: „Die Zertifizierungsübung IRON WOLF II-2021 ist mehr als nur eine Übung - sie ist der Nachweis für unsere Leistungsfähigkeit und Interoperabilität im multinationalen Umfeld. Hier müssen wir als multinationaler Gefechtsverband unsere Kriegstauglichkeit unter Beweis stellen. Das Erreichen des Prädikates „Combat Ready“ muss hier das Ziel sein – und das gibt es mit Sicherheit nicht geschenkt, sondern muss gemeinsam als multinationaler Kampfverband unter der Führung der litauischen mechanisierten IRON WOLF Brigade hart erarbeitet werden. Getreu unserem NATO Credo: ‚Strong-Together‘.