HERMANNSBURG. Kann man Gerechtigkeit kaufen? Ist Moral wichtiger als materieller Wohlstand? Friedrich Dürrenmatts Stück „Der Besuch der alten Dame“ thematisiert diese Fragen auf tragikomische Weise. Die Theater-AG des Christian-Gymnasiums brachte sie auf die Bühne: „Todsicher – jeder hat seinen Preis“ hieß ihre Version des Klassikers, die verdienten Applaus erntete.

Als alte Frau kehrt Kläri Wäscher, die jetzt Claire Zachanassian heißt, in ihr altes Heimatstädtchen Güllen zurück. Dort hatte sie einst ihr Geliebter Alfred Ill verraten und sie führte daraufhin in der Fremde ein unstetes Leben als Prostituierte, bevor sie durch mehrere Ehen steinreich wurde. Die Güllener, mittlerweile selbst verarmt, erhoffen sich nun Rettung durch das Kind ihrer Stadt und Claire stellt ihnen tatsächlich eine Milliarde als Aufbauhilfe in Aussicht – allerdings nur, wenn Ill stirbt. Zunächst lehnen die Städter empört ab, doch fangen sie nach und nach an, sich immer mehr zu verschulden, um sich kostspielige Dinge zu leisten – so als spekulierten sie auf das Geld. Das „Happy End“ fällt dementsprechend bitter aus.

Die Stationen auf dem Weg zum Unausweichlichen gestalteten sich indes zuweilen sehr amüsant, was auch an der überaus gelungenen Adaption des Stückes durch die auch die Regie führende AG-Leiterin Pia Glodschei lag, in der Raum für Anpassungen an die heutige Lebenswelt vorhanden war, etwa in Form von Selfies knipsenden Journalisten, mit Dialekt eingefärbten Äußerungen der verschiedenen Ehemänner Claires und weiterer Details. Ins Lächerliche geriet die Aufführung dabei in keinem Moment, zu gegenwärtig blieb der ernste Hintergrund der Handlung und zu professionell spielten die insgesamt 17 jugendlichen Akteure ihre Rollen. Insbesondere Emi Bakemeier als Claire Zachanassian und Leon Pascal Alm als Alfred Ill bestachen durch eine beeindruckende Bühnenpräsenz.

Von hoher Professionalität zeugte auch die Arbeit der zahlreichen Beteiligten hinter der Bühne, namentlich der von Jochen Gros geleiteten Technik-AG und den Arbeitsgemeinschaften Bühnenbild und Maske (Leitung: Michael Koeppen und Frank Dehn). So stand einem mehr als gelungenen Theaterabend nichts im Weg und der große Applaus zum Schluss rundete diesen verdientermaßen ab.

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