CELLE. 30 ihrer Lieblingsbücher wollte sie, neben wenigen Habseligkeiten, in die Emigration mitnehmen – dafür beantragte sie am 11. Mai 1939 die devisenrechtliche Genehmigung. Felice Schragenheim, heute einem breiten Publikum durch das verfilmte Buch “Aimèe und Jaguar” von Erica Fischer bekannt, wurde am 9. März 1922 als deutsche Jüdin geboren. Mit 17 Jahren stellte sie ihren ersten Antrag zur Auswanderung in die USA. Nach weiteren Jahren und Anträgen wurde sie am 21. August 1944 von der Gestapo verhaftet und deportiert. Ihre Spur verliert sich im Jahre 1945 zwischen den Konzentrationslagern Groß Rosen und Bergen-Belsen.

Anlässlich ihres 95. Geburtstags hielt Oskar Ansull am Donnerstag Abend in der Synagoge Celle seine vorerst letzte Lesung aus Felices Bücherkoffer. 1997 fing der Literat und Rezitator an, all die aufgelisteten Bücher in den Auflagen der “Zeit” anzusammeln, aus ihnen vorzulesen und somit einen Einblick in Felices Wünsche und Fragen, Hoffnungen und Sehnsüchte zu schaffen. Nach 20 Jahren wurde der noch immer nicht ganz vollständige Koffer nun an die Gedenkstätte Bergen-Belsen übergeben.

Mit einer Skizzierung von Felices Leben, begleitet durch einige ihrer Gedichte, geschrieben im Alter von 15 bis 16 Jahren, leitete Oskar Ansull die Lesung ein. Felice Schragenheims Hang zur Lyrik, ihr Wunsch Journalistin zu werden und ihre Vorliebe für Theater finden sich auch im Bücherkoffer wieder. So sind dort ein Band über den Schauspieler Alexander Moissi, ein Gedichtband von Mascha Kaleko und „Der rasende Reporter“ vertreten.

Der Ablauf der Lesung ist eher ein wahlloses Greifen und Blättern, so wird auch nicht aus allen Büchern gelesen, dafür berichtet Ansull detailliert über die Beschaffung der Bücher und rekonstruiert deren damalige Bedeutung. Nach anderthalb Stunden holt der Rezitator die Zuhörer aus der bunten  Literaturliste – da „keine Bildungsbürger Sammlung“ (so Ansull wörtlich) – wieder in das Leben von Felice Schragenheim zurück. Ihren letzten Brief schrieb sie im Dezember 1944 aus dem KZ Groß Rosen an ihre Geliebte Elisabeth Wust, danach fehlen alle Überlieferungen.

Oskar Ansull überlässt sein 20-Jähriges Werk der Gedenkstätte Bergen Belsen, und regt die Überlegung zu einer erneuten Lesung zum 100. Geburtstag von Felice Schragenheim an.

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