CELLE. „Wir verbitten uns solch plumpe Wahlkampfmanöver“, schimpft die Celler SPD. „Wir bedauern, dass das neutrale Amt des Oberbürgermeisters auf derart infame und manipulative Art und Weise dem Wahlkampf der SPD ‚geopfert‘ wird“, entgegnet die Stadtverwaltung. Was war geschehen? Eigentlich hatte sich lediglich der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff, in das Goldene Buch der Stadt eingetragen und vorher, im Kirchenjahr, die Stadtkirche besucht (CelleHeute berichtete). Was in der Regel ein feierlicher Akt im kleinen Rahmen mit Vertretern aller Parteien ist, kann in Zeiten des Wahlkampfs schon mal als Grundlage für eine nervöse Schlammschlacht dienen. Kurios: Erst nach Medienberichten will die SPD den „Skandal“ ausgemacht haben, obwohl ihr Vertreter Jürgen Rentsch anwesend war und der Besuch im Verwaltungsausschuss einstimmig abgesegnet worden sei.

Die Pressemitteilung der SPD, ungekürzt, unkorrigiert und unkommentiert:

OB für alle oder Wahlkampfhelfer für die CDU? Das Verhalten des OB Dr. Nigge grenzt an Amtsmissbrauch!

„Hatte Dr. Nigge noch im Wahlkampf versprochen, ein OB für alle sein zu wollen, ist davon nicht mehr viel übrig“ stellte heute der stellvertretende Vorsitzende des SPD Ortsvereins Celle Michael Niklas Rühe nach den Medienberichten über den Eintrag des Ministerpräsidenten aus Sachsen Anhalt ins Goldene Buch der Stadt Celle fest. „Welche Funktion hat Herr Adasch in der Stadt Celle? Er ist nicht Mitglied des Rates, er wohnt nicht mal in Celle und trotzdem gewährt der CDU Oberbürgermeister Nigge ihm die Möglichkeit den hochrangigen Besuch der Stadt zu begleiten.“

„Mit Amtskette und damit den Insignien der städtischen Repräsentation muss sich der Oberbürgermeister Nigge politisch neutral verhalten! Was er privat macht, wen er privat fördern und unterstützen möchte, darf keine Bedeutung haben, wenn er die Stadt nach außen vertritt. Hier hat Dr. Nigge die Grenze zur erforderlichen Neutralität überschritten, in dem er, wie es auch in der Berichterstattung hieß, den Wahlkämpfer Adasch zum Eintrag ins goldene Buch in der von ihm praktizierten Art und Weise zugelassen hat. Bei aller Notwendigkeit, bei allem Verständnis und bei aller unserer Unterstützung an sich so positiver öffentlicher Termine wie der Einträge ins Goldene Buch der Stadt von bedeutenden Personen der Zeit, verbitten sich solch plumpe Wahlkampfmanöver durch den Oberbürgermeister!“

Die Stadt Celle antwortet auf Nachfrage von CelleHeute, ungekürzt, unkorrigiert und unkommentiert:

„Der Eintrag in das Goldene Buch der Stadt Celle geschieht auf Beschluss des Verwaltungsausschusses. Der Oberbürgermeister kann diese Entscheidung nicht alleine fällen, sondern wird durch den Verwaltungsausschuss beauftragt. In diesem Fall wurde durch den Oberbürgermeister explizit darauf hingewiesen, dass der Ministerpräsident auf Einladung von Herrn Adasch Celle besuche und der Oberbürgermeister den Eintrag nur befürworte, wenn alle Mitglieder des VA dem zustimmten, da er seine Neutralität wahren wolle. Der Beschluss fiel daraufhin mit den Stimmen der SPD einstimmig, die SPD war bei der Eintragung in das Goldene Buch mit einem Vertreter zugegen. Fotos mit den anwesenden Abgeordneten entsprechen dabei dem üblichen Procedere wie es selbst im Wahlkampf des Amtsvorgängers bei dem Besuch des damaligen Außenminister Steinmeier (https://celleheute.de/ich-bin-oefter-in-zypern-als-in-celle-aussenminister-steinmeier-traegt-sich-ins-goldene-buch-ein/) praktiziert wurde.

Wir bedauern, dass das neutrale Amt des Oberbürgermeisters auf derart infame und manipulative Art und Weise dem Wahlkampf der SPD „geopfert“ wird und man sich wiederholt nicht scheut, bewusst die Verwaltung zu diskreditieren. Die Verwaltung als auch der Oberbürgermeister werden auch weiterhin neutral und parteiübergreifend politische Repräsentanten empfangen und sich dem Wohle der Stadt verpflichtet fühlen.“

Fotos: Peter Müller

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