Richebächer: "ELM gibt Bildungsangebot mit deutschlandweit einzigartigem Konzept auf"

Religion Von Redaktion | am So., 14.03.2021 - 18:34

HERMANNSBURG. Der Missionsausschuss des Ev.-luth. Missionswerkes in Niedersachen (ELM) hat am 09.03.2021 beschlossen, die beiden Bachelor-Studiengänge der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg auslaufen zu lassen (CELLEHEUTE berichtete). Der Missionsausschuss ist das Leitungsgremium des Evangelisch-lutherischen Missionswerkes in Niedersachsen (ELM). Er besteht aus 19 Mitgliedern, die von den Kirchenleitenden Gremien der Landeskirchen entsandt werden, und wird aktuell von Landesbischof Ralf Meister geleitet. Für den von der Fachhochschule in Kooperation mit der theologischen Fakultät der Universität Göttingen angebotenen Master-Studiengang soll nach Möglichkeiten gesucht werden, diesen in Göttingen weiterzuführen, teilt die Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT) mit. 

Der Hochschulbetrieb in Hermannsburg werde so lange aufrechterhalten, dass die Studierenden, die das Studium bereits begonnen haben, ihr Studium abschließen können. Maßgeblich seien hierfür die in den Prüfungsordnungen festgelegten Fristen. Studierende könnten sich bei Fragen hierzu im Rektorat oder bei der Geschäftsführung melden.

"Rektorat, Geschäftsführung, Lehrende und alle Mitarbeitenden der FIT bedauern diese schwerwiegende Entscheidung, die vom Missionsausschuss mit finanziellen Notwendigkeiten begründet worden ist, sehr", heißt es von Seiten der FIT in einer Stellungnahme. Rektor Prof. Dr. Wilhelm Richebächer halte die Entscheidung des Missionsausschusses angesichts der missionarischen, interreligiös-dialogischen und gesellschaftlichen Verantwortung der Kirchen in einer immer multikulturelleren Gesellschaft für einen großen Fehler und begründe das wie folgt: „Die FIT verkörpert seit 2012 ein Hoffnungszeichen. Sie hat eine neue, praxisorientierte, interdisziplinäre akademische Ausbildung konzipiert, die staatliche Anerkennung erlangt hat. Diese Ausbildung fördert den interreligiösen Dialog, unterstützt den Brückenschlag zwischen internationalen Gemeinden und den Evangelischen Landeskirchen und dient der Zusammenarbeit zwischen Partnerkirchen in Nord und Süd. All das sind unverzichtbare Belange in einer multikultureller werdenden Gesellschaft, in der die Begegnung und das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher kultureller und religiöser Prägung zunehmen.“

Rektor Richebächer wird in dieser Einschätzung unterstützt vom Wissenschaftlichen Beirat, der sich in den letzten Monaten und Jahren mehrfach für einen Fortbestand der FIT ausgesprochen hatte: „Die FIT verschafft dem ELM deutschlandweit ein Alleinstellungsmerkmal. Noch wichtiger ist: Sowohl die Zusammenarbeit mit den Partnerkirchen des ELM als auch die Förderung der immer wichtiger werdenden Migrationsgemeinden in Deutschland und ihrer Verbindung zu den Landeskirchen hängt auf Dauer daran, dass die Interkulturelle Theologie durch eine Forschungs- und Bildungsstätte wie die FIT im ELM verankert bleibt.“

"Mit der Schließung der FIT geben das ELM und dessen Trägerkirchen ein wichtiges und gesellschaftsrelevantes Bildungsangebot mit einem in Deutschland einzigartigen interkulturellen Konzept auf. Schlussendlich hatten im Missionsausschuss aber finanzielle Aspekte Vorrang vor inhaltlichen und gesellschaftlichen Wertigkeiten. In der Pressemitteilung des ELM bringt Landesbischof Meister von der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers gegenüber dem Rektor und dem Kollegium der FIT seinen Dank für die gute Arbeit in den letzten Jahren zum Ausdruck und lässt mitteilen: 'Wir als Kirche müssen in Zukunft ganz gezielt daran arbeiten, Interkulturelle Theologie noch viel stärker als bisher als kirchliche Querschnittsaufgabe zu verstehen.' Ohne akademische Profilierung und Vermittlung von Kompetenzen wie die Befähigung zum interkulturellen Dialog und die wertschätzende Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Religionen und Konfessionen wird die Bewältigung dieser Aufgabe ungleich schwerer", so die FIT abschließend.

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