CELLE/LANDKREIS. Eine große Kiste bis oben hin gefüllt mit über 20 Filmrollen hat Burkhard Gehrt bei uns eingereicht. Sie zeigen unvergessene Momente der Celler Stadtgeschichte. Zum Beispiel den Besuch von Bundespräsident Karl Carstens im Januar 1980, oder wie die gesamte Celler Innenstadt 1974 Kopf stand, weil der NDR die „Aktuellen Schaubude“ aufzeichnete. Oder 1987, als hunderte Schaulustige Prinzessin Diana und Prinz Charles mit Fähnchen und viel Jubel in ihrer Stadt empfingen. Burkhard Gehrt war mit seiner Schmalfilmkamera immer ganz nah am Geschehen. Wer ebenfalls dabei sein will, kann das nur noch bis Ende dieser Woche tun – siehe unten.

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Der Verwaltungsangestellte stammt aus Altencelle und ist seit dem 17. Lebensjahr leidenschaftlicher Filmer. Als der Vater eines Freundes den eigenen Urlaubsfilm vorführt, packt Gehrt sofort das Film-Fieber. „Ich war beeindruckt, zum ersten Mal bewegte, selbst gemachte Bilder zu sehen“, schwelgt der 62-Jährige in Erinnerung. Weihnachten 1971 liegt dann die lang ersehnte Super-8-Kamera der Marke „Revue“ unterm Weihnachtsbaum – bestellt vom Vater für 299 DM im Quelle-Katalog. „Das war schon ziemlich teuer für die damaligen Verhältnisse. Die Kamera hatte aber auch einen 3-fach Zoom“, erinnert sich Gehrt lachend. Auch Freunde und Bekannte sind von dem High-Tech-Gerät beeindruckt. Anders als heute war eine Filmkamera noch eine Seltenheit – die Bedienung musste man sich mühsam anlernen.

„Es war immer ein spannender Moment, wenn die entwickelten Filme in den gelben Kodak-Tüten im Briefkasten lagen“, erzählt der Hobby-Filmer. Sind die Aufnahmen was geworden? Überbelichtungen und zu dunkle Aufnahmen waren damals an der Tagesordnung. Mit der Klebepresse schnitt Gehrt seine Aufnahmen zu kleinen Filmen. Um Fettspuren auf dem empfindlichen Filmmaterial zu vermeiden, trug der junge Filmer Stoffhandschuhe bei der Arbeit. Das technische Know-how las er sich in jeder freien Minute in Fachzeitschriften und Büchern an. Besondere Ereignisse in der Familie begleitet er mit der Kamera und trainiert damit seinen filmischen Blick. Es entstehen kurze Filme über den neuen VW-Käfer oder das Fällen von Omas Kirschbaum. „Das hat ordentlich gerummst. Aber meine erste Tonkamera bekam ich erst 1978.“ Zwei Jahre später tritt er in den ‚Film- und Videoclub Wathlingen‘ ein. „Wir wollen nicht bloß auf das Geschehen drauf halten. Wir wollten richtige Handlungen erzählen“, sagt Gehrt über seine ambitionierten Kollegen. Nicht zu viele Schwenks und Zooms, dafür abwechslungsreiche Perspektiven!, das ist das Motto des Vereins, der sich erst 2014 auflöste.

Das gesamte Filmequipment mit Kamera, Klebepresse, Kameralicht, Projektor und Filmrollen verstaubte bei Gehrt im Keller. „Die Filme schaue ich mir nur noch ganz selten an“, gesteht Gehrt ein. „Schön zu wissen, dass meine Filme mit CelleGestern wieder ein neues Leben bekommen.“

Alten Filmen neues Leben schenken

Mehr als 100 Filmrollen, DVDs und Videokassetten mit Ihren Filmschätzen sind bereits in der Redaktion von CelleHeute eingetroffen. Sie dokumentieren einschneidende Momente aus der Celler Zeitgeschichte wie das Aller-Hochwasser von 1982, bei dem der halbe Schlosspark unter Wasser stand. Aber auch Aufnahmen, die das Lebensgefühl der vergangenen Jahrzehnte aufleben lassen, begeistern uns in der Redaktion: Ein Familienpicknick in der Heide in den 50ern mit der 20-köpfigen Familie, die Herren fein mit Hut und Anzug und die Damen in ihren besten Sonntagskleidern. Oder das bunte Jahrzehnt der 70er: Eine Jugendfeier mit Muttis Schnittchenplatte und Gästen stilecht in Schlaghosen und Cordrock. Da werden Erinnerungen wach!

Jeden Tag treffen neue Filmaufnahmen bei uns ein. In den nächsten Wochen erwarten wir weitere spannende Highlights wie Feuerwehreinsätze aus den 1920er Jahren und die Seidenraupenzucht aus den 30ern. Noch bis Ende Juli können Sie Filme bei uns abgeben oder einsenden.

Das erste Filmmaterial wurde schon nach Hannover zum fehlhaber.medien-Kooperationspartner „Kamera Zwei“ versandt. Dort sichten, sortieren und katalogisieren erfahrene TV-Redakteure alle Zusendungen. Die interessantesten Aufnahmen werden digitalisiert und für eine neue mehrteilige Filmdokumentation verarbeitet. Das fertige Werk kommt als DVD-Box im Herbst in den Handel. Dann kann jeder sehen, wie das Leben in unserer Heimat früher war. Die Sammlung bewahrt sozusagen das filmische Gedächtnis der Region von den 20er-Jahren bis in die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts und schildert in einer visuellen Zeitreise das Alltagsleben in der Region Celle.

Stöbern auch Sie in Ihren Kellern und Dachböden nach Filmaufnahmen aus Celle und Region! Entdecken auch Sie mit uns zusammen einzigartige Momente aus der Celler Stadtgeschichte wieder. Teilen Sie mit uns und den Celler Bürgerinnen und Bürgern ihre kostbaren, auf Film gebannten Erinnerungen. Alle Filmaufnahmen aus der Region Celle sind willkommen: Ob 8 mm, Super8, 16 mm, Videokassette oder bereits digitalisiert.

Wenn Sie Filmmaterial einreichen, schrieben Sie uns bitte möglichst viele Informationen zu den Aufnahmen auf. Was ist zu sehen? Welche Veranstaltung? Welches Geschehen? Wann und wo wurden die Aufnahmen gemacht? Gibt es vielleicht eine Anekdote zu dem Streifen? Alle Angaben dazu bereichern am Ende die Dokumentation. Abgeben können Sie Ihre Filmschätze in der Redaktion von CelleHeute, im obersten Stockwerk vom Schloss Celle, Schlossplatz 1, 29221 Celle. Bei Fragen steht Ihnen Kerstin von Goebler aus der Redaktion von CelleHeute unter 0700/70075700 Rede und Antwort.

Einsenden können Sie Filme noch bis zum 5.8.2017 an folgende Adresse: CelleHeute, Stichwort „CelleGestern“, Postfach 1729, 29207 Celle.

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