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Gefragter Interviewpartner zum Thema Fußballfans mit Faible für Jazz

Engagiert in Sport, Gesellschaft und Kultur: Bundesverdienstkreuz für Gunter Pilz

03.11.2017 - 16:52 Uhr     CelleHEUTE    0
Foto: Peter Müller

WATHLINGEN. Als Experte für das Themenfeld „Sport und Gewalt“ ist Gunter Pilz vielen Menschen aus den Medien bekannt. Dass der gebürtige Baden-Badener, der seit vielen Jahren in Nienhagen lebt, sich darüber hinaus in zahlreichen gesellschaftlichen und kulturellen Bereichen stark engagiert, wurde spätestens heute deutlich. Gunter Pilz bekam von Landrat Klaus Wiswe das Bundesverdienstkreuz (Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland) überreicht. In seiner Laudatio machte Wiswe deutlich, warum Pilz die Auszeichnung zuteil wurde.

 

Redemanuskript von Klaus Wiswe anlässlich der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Gunter Pilz (es gilt das gesprochene Wort)

Meine Damen und Herren,
ich darf Sie alle ganz herzlich begrüßen. Auch die Vertreter der Presse heiße ich willkommen!
Es ist mir immer eine besondere Freude, Menschen wegen ihres Engagements für die Allgemeinheit auszuzeichnen, denn es macht auch immer wieder deutlich, wie wichtig dieser Einsatz ist und wie sehr wir alle ihn schätzen. Oftmals ist das Wirken der Personen, die ich als Landrat auszeichnen darf, vielen Menschen gar nicht so bewusst. Bei Ihnen, Herr Pilz, ist das zumindest zum Teil anders. Wenn wir in den Nachrichten über Gewalt von Fußballfans erfahren, lässt uns das jedes Mal ein wenig fassungslos zurück und wir suchen nach Erklärungen, um dieses gesellschaftsschädigende Verhalten eines kleinen Teils der Menschen, die ins Stadion gehen, zu erklären. Sie, Herr Pilz, haben sich beruflich der Erforschung des Themenschwerpunktes Sport und Gewalt und möglichen Lösungsansätzen verschrieben.

Lassen Sie uns kurz auf Ihren Werdegang blicken. Sie, der 1944 in Baden-Baden geboren wurde, haben ihre akademische Laufbahn mit dem Studium in Freiburg, München und Zürich begonnen. Nach einer Station als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Sport in Magglingen in der Schweiz, kamen Sie bereits 1975 nach Hannover. Dort wurden Sie am Institut für Sportwissenschaften tätig und haben zum Thema „Sport und Gewalt“ ebenso wie zu dem Themenkomplex „Bewegte Schule“ gearbeitet.

Ihre neue Heimat wurde dann aber Nienhagen im Landkreis Celle, was dafür spricht, dass Sie und Ihre Familie einen guten Sinn dafür haben, wo es sich wirklich gut leben lässt. Mit Ihren Forschungen haben Sie sich einen Namen gemacht und oft sind Sie ein gefragter Gesprächspartner auch für die Medien, wenn es darum geht, dieses Verhalten zu erklären. Beim Forschen alleine ist es bei Ihnen nicht geblieben. Sie engagieren sich beim Deutschen Fußballbund seit vielen Jahren in verschiedenen Gremien und haben dadurch das soziale und gesellschaftliche Wirken des Verbandes, das so wichtig ist, nachhaltig mitgeprägt. Zu nennen ist dort unter anderem die DFB-Kommission Gesellschaftliche Verantwortung und die AG Fair Play und Gewaltprävention, deren Vorsitzender sie heute noch sind. Als Berater der Abteilung „Gesellschaftliche Verantwortung“ stehen Sie dem Deutschen Fußballbund bei den Themen Vorbeugung, Vermeidung und Verfolgung von diskriminierendem, gewalttätigem und unfairem Verhalten zur Verfügung. Sie waren auch Mitglied der Expertenkommission „Ethics and Fairplay“ des Europäischen Fußballverbandes (UEFA) und Initiator des Fußball-Fan-Projektes Hannover. Außerdem sind Sie Vorsitzender im Netzwerk „Sport und Politik verein(t) gegen Rechtsextremismus“. Und nicht zuletzt sind Sie auch fachlicher Berater der „Kompetenzgruppe für Fankulturen & Sport bezogene Soziale Arbeit“, von denen ja einige Mitglieder auch heute hier sind. Als unabhängiges und interdisziplinär tätiges Forscher- und Beraterteam beschäftigen Sie sich mit gesellschaftlichen Themen, Zusammenhängen und Phänomenen wie Gewalt, Konflikte, Antidiskriminierung im Sport.

Meine Damen, meine Herren,
ich könnte diese Liste noch ein bisschen fortsetzen, aber es gibt noch viel mehr über den Menschen Gunter Pilz zu sagen und irgendwann wollen wir ja auch noch zur Verleihung kommen. Denn das Engagement im Bereich der Fankultur und der Arbeit gegen Gewalt und Ausgrenzung ist der überregionale Teil Ihres Wirkens. Doch, sehr geehrter Herr Pilz, Sie haben sich auch sehr verdient gemacht um weitere Teile des öffentlichen Lebens, die besonders für das Celler Kulturleben wichtig sind. So wurden Sie im Februar 1996 Gründungsmitglied der „Neuen Jazz Initiative Celle“ und auch Ihr erster Vorsitzender. „Jazz erst Recht“ soll es laut einem Zeitungsartikel zum Start auf einem Aufkleber geheißen haben, denn es war ein Neustart, nachdem die „Alte Jazzinitiative“ in die Insolvenz gegangen war.

Ihr Ziel war es, die Jazzmusik und die Nachwuchsarbeit im Landkreis Celle zu fördern. In einem weiteren Zeitungsartikel zur Gründung werden Sie wie folgt zitiert: „Wir wollen uns verstärkt um die Celler Bands kümmern. Der Nachwuchs liegt uns ganz besonders am Herzen. Es kann icht sein, dass wir für viel Geld auswärtige Gruppen in Celle vorstellen und die eigenen Gruppen bleiben links liegen“. Und diese Förderung, lieber Herr Pilz, ist Ihnen und Ihren Mitstreitern hervorragend gelungen, wie folgende Zahlen eindrucksvoll belegen. An die 300 Konzerte und 120 Sessions hat die Initiative organisiert, dazu über 20 Workshops veranstaltet. Bei denen konnten sich junge Celler Talente unter der Anleitung von bekannten Musikdozenten weiterentwickeln.

Entstanden sind aus der Arbeit auch die Celler Jugend Jazz Tage, die bereits 17 Mal veranstaltet wurden und unseren Kreistagssaal in eine Bühne für hoffnungsvolle Nachwuchstalente verwandelt. Auch der Landkreis Celle unterstützt die Jugend Jazz Tage und die Neue Jazzinitiative schon seit vielen Jahren (500 Euro jährlich), denn musische Talente und den Nachwuchs generell sowie die Kultur zu fördern, ist uns ein wichtiges Anliegen und Verpflichtung.

Durch Ihr Engagement haben Sie und Ihre Mitstreiter auch maßgeblich dazu beigetragen, die Big Band Celle zu erhalten. Jeder, der die Band schon mal gehört hat, weiß, dass sie ein wichtiger und sehr hörenswerter Bestandteil unserer Celler Kultur ist. Um die umfangreiche Arbeit zu gestalten, haben Sie rund 200 Vorstandsitzungen abgehalten. Das ist manchmal ein wenig trocken, aber eben unbedingt notwendig, um die Abläufe zu organisieren. Wer wüsste das besser als ich. Erst im vergangenen Jahr haben Sie den Vorsitz bei der Neuen Jazz Initiative abgegeben, um unter anderem für  Ihr Hobby, den Fahrten mit dem Wohnmobil durch Norwegen, mehr Zeit zu haben. Ich bin aber sicher, dass Sie dem Anliegen der neuen Jazz Initiative weiterhin verbunden bleiben und auch bei dem einen oder anderen Konzert dabei sind, denn schließlich sind Sie dort ja jetzt auch Ehrenmitglied.

Meine Damen, meine Herren, lieber Herr Pilz,
Sie haben sich aber nicht um die Musik im Landkreis Celle, sondern auch um Ihren Heimatort Nienhagen verdient gemacht. So sind Sie Mitglied des Kuratoriums der Stiftung St. Laurentius. Sie wurde 2011 als unselbstständige Stiftung der St.-Laurentius-Kirchengemeinde unter dem Dach der Evangelisch-lutherischen Landeskirche gegründet und hat das Ziel, die Jugendarbeit in der Kirchengemeinde und sozialakademische Arbeit in Kirche und Kommune zu fördern. Pastor Uwe Schmidt-Seffers stellt in seiner Empfehlung Ihrer Arbeit fest, dass „Dr. Pilz eine außerordentliche Bereicherung im Kuratorium der Stiftung ist, auch weil er sehr entschieden die Perspektive von Jugendlichen am Rand der Gesellschaft einbringt und für vertieftes Verstehen ihrer Situation wirbt.“
Sie haben wichtige Impulse zum Aufbau der Stiftung gegeben und ihre vielfältigen Kontakte genutzt, um Veranstaltungen ins Leben zu rufen und Spenden für die Stiftung zu generieren. Beispiele dafür sind der Adventsjazz und die Aktion „Sport, Schule des Lebens“.

Lieber Herr Pilz,
das alles haben Sie geleistet, doch um das Bundesverdienstkreuz zu erhalten, braucht es einen, der den Antrag stellt und Ihre Verdienste aufzeigt. In Ihrem Fall war das ihr langjähriger Freund Burkhard Kühtz zusammen mit den Mitgliedern der Kompetenzgruppe Fankulturen & Sport bezogenen Sozialen Arbeit und Frau Schulze. Herr Kühtz hat Ihre Verdienste in einem Brief zusammengetragen und Sie für diese Auszeichnung vorgeschlagen. „Beharrlich auch wenn der Weg zu einer guten Sache mal steinig wird“. Das hebt er als eine Ihrer wichtigsten Eigenschaften hervor.

Meine Damen, meine Herren, lieber Herr Pilz,
zusammenfassend bleibt festzustellen, dass Sie große Teile Ihres Lebens in den Dienst der Gesellschaft gestellt haben. Als Landrat des Landkreises Celle spreche ich Ihnen für Ihr langjähriges, ehrenamtliches Wirken zum Wohl der Allgemeinheit, oftmals unter Zurückstellung Ihrer eigenen und privaten Belange, meinen besonderen Dank aus.

Mein Dank gilt aber auch Ihrer Familie, die Sie durch Ihr großes Engagement viele Stunden entbehren musste, weil Ihre Tätigkeiten sicher untrennbar mit einem hohen Aufwand an privater Zeit verbunden waren. Ich habe nun die erfreuliche Ehre, Ihnen das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und die Verleihungsurkunde aushändigen zu dürfen.

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