Erhalt der Nordwall-Halle - Celler Kulturpreisträger hoffen auf Hilfe des Ministeriums

Politik Von Redaktion | am Do., 15.08.2019 - 15:47

CELLE. In einem Schreiben an das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur als Aufsichtsbehörde des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege (NLD) setzen sich die Kulturpreisträger der Stadt Celle, Dietrich Klatt, Dr. Elke Haas und Dr. Lothar Haas, weiterhin für den Erhalt der alten MTV-Halle und ihre Anerkennung als Baudenkmal ein. Vorsorglich stellten sie dabei auch klar, dass die Halle nicht etwa wegen des beabsichtigten Ausbaus des Nordwalls für den gegenläufigen Verkehr abgerissen werden müsse. Hierzu habe der Rat im September 2018 einen Bebauungsplan beschlossen, nach dem die Halle für den Straßenausbau nicht beseitigt werden müsse. Anfang des Jahres hatte der Verwaltungsausschuss den Abriss beschlossen.

Schon seit Januar dieses Jahres wandten sich die drei Kulturpreisträger mehrfach an das NLD, um eine Wertung des Gebäudes als Baudenkmal nach § 3 Absatz 2 des Niedersächsischen Denkmalschutzgesetzes zu erreichen. In dem Schriftwechsel wiesen sie darauf hin, dass die alte Halle aus einer Vielzahl von Gründen ein Denkmal sei. Die wissenschaftliche Bedeutung der Turnhalle liege in der Einzigartigkeit der Zweigelenk-Hetzer-Bögen als Tragwerk in Holzleimbauweise, einem weltweit bedeutenden Erbe dieser wegweisenden Ingenieurskunst.

Besonderen künstlerischen Wert hätten das Vordergebäude als sprechendes Beispiel der Reformarchitektur am Anfang des 20. Jahrhunderts, und die Turnhalle selbst mit ihrer auffallenden, Geborgenheit und Leichtigkeit vermittelnden Atmosphäre im Innenraum.

Zur historischen Bedeutung wiesen die Kulturpreisträger eigenen Angaben zufolge darauf hin, dass der MTV (heute: MTV Eintracht) einer der ältesten Sportvereine Niedersachsens und Deutschland ist und die Turnhalle seit mehr als 100 Jahren fester und wichtiger Bestandteil der Celler Sport- und Bewegungsgesellschaft ist. Nicht zuletzt, und das sei nicht hoch genug zu schätzen, stehe die MTV-Halle für die demokratische Geschichte Celles. Vor dem I. Weltkrieg hätten Tausende von Bürgerinnen und Bürgern über zehn Jahre lang Geld gespendet, um den Hallenbau zu ermöglichen. Dies gelte für kein anderes Gebäude der Stadt.

Das NLD habe sich zu den geschichtlichen und wissenschaftlichen Aspekten nicht geäußert. Es habe lediglich verlauten lassen, aus Gründen des Vertrauensschutzes gegenüber der Stadt sei es nicht möglich, die MTV-Halle unter Denkmalschutz zu stellen. Auch die baulichen Veränderungen am Gebäude stünden entgegen und last, but not least sei das fehlende Einvernehmen der Stadt Celle ein Hinderungsgrund.

In ihrem Brief an den zuständigen Minister Björn Thümler (CDU) widerlegen Dietrich Klatt sowie Elke und Lothar Haas nun diese Einschätzung: Weder seien die Veränderungen erheblich genug gewesen, noch habe das NLD die historische und architektonische Bedeutung der Halle sowie entsprechende gesetzliche Regelungen beachtet. „Diese Einschätzungen sind mit dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz nicht vereinbar“, so die drei Verfasser. In seiner Aufsichtsfunktion sei der Minister nun gefordert, „darauf hinzuwirken, dass die MTV-Halle als Baudenkmal in das Verzeichnis der Kulturdenkmale eingetragen wird“. Die besondere Denkmalwürdigkeit der Nordwall-Halle ergebe sich auch aus dem starken öffentlichen Interesse an ihrer Erhaltung: Die Unvergleichbarkeit des Gebäudes – sowohl architektonisch als auch historisch und wissenschaftlich-technisch – müsse als Verpflichtung verstanden werden, die Halle für folgende Generationen zu erhalten. Dietrich Klatt: „Wenn dieses Gebäude abgerissen würde, wäre das für Celle ein hoher kultureller Verlust.“

"Dass diese Meinung von einer großen Zahl Celler Bürgerinnen und Bürgern unterstützt wird, zeigte sich erst vor wenigen Monaten: Eine von Ratsfrau Ute Rodenwaldt-Blank (SPD) gestartete Petition und eine weitere Unterschriftsaktion erbrachten insgesamt binnen kurzem mehr als 700 Unterschriften", so die Kulturpreisträger. Eine Antwort des Ministers auf das Geschriebene sowie auf das Gesprächsangebot von Dietrich Klatt, Elke Haas und Lothar Haas steht deren Angaben zufolge noch aus.