Erster „Spargelstich“ vor Winterkulisse

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am So., 28.03.2021 - 19:03

EICKLINGEN. Die großflächige weiße Folie, unter der das weiße Gold auf ausgedehnten Äckern gedeiht, erinnert eher an die noch gar nicht so lange geschmolzenen Schneemassen, als dass sein Ernteauftakt einen Hauch von Frühling mit sich brächte. „Wir gehen heute das erste Mal aufs Feld, ein paar Tage später als im vergangenen Jahr“, berichtet der Inhaber des Spargel- und Beerenhofes Soltau, Peter Soltau, aus Eicklingen. Spargel benötigt viel Wärme zum Austreiben, und diese lässt in diesem Jahr auf sich warten. Da schafft auch die mittlerweile standardmäßig verwendete Folie keinen genügenden Ausgleich. Offizieller Saisonstart ist am 8. April, zu spät für das diesjährige Osterfest und auch darüber hinaus. Der Auftakt für die Ernte des edlen Gemüses wird so weit nach vorn gelegt wie möglich, um die Spargelzeit, die am 24. Juni endet, zu verlängern.

Trotz niedriger Temperaturen, Wind und Regen hält Peter Soltau die ersten Stangen mit einem Lachen auf dem Gesicht in Händen. „Es wird eine überschaubare Menge sein, aber es wird die ersten Stangen zu Ostern geben“, kündigt Soltau an. Nach und nach werden sie in der Osterwoche Einzug halten in die Verkaufsstellen im Celler Land. „Wir sind froh, dass es endlich losgeht“, sagt der Unternehmer mit Nachdruck, „es liegt eine unglaubliche Spannung auf den Betrieben.“ Wie alle anderen haben auch die Spargelbauern auf Normalisierung gehofft. „Stattdessen stehen wir vor täglich neuen Herausforderungen“, beschreibt der Eicklinger die Situation vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Im vergangenen Jahr reisten die überwiegend aus Rumänien stammenden Erntehelfer mit dem Flieger an, dieses Frühjahr ist der Landweg offen. „Meine Mitarbeiter reisen mit Kleinbussen an“, berichtet Soltau. Rumänien weist hohe Inzidenz-Werte auf, ein negativer Test ist vorgeschrieben und eine Quarantänezeit einzuhalten. Zweimal wöchentlich werden alle Mitarbeiter beprobt, auch die Voraussetzungen für den Einsatz von PCR-Tests wurden geschaffen. „Ich habe eigens eine medizinische Fachangestellte und zwei weitere Personen ins Team geholt, die nur drauf achten, dass alle Regeln eingehalten werden.“ Der Winter sei genutzt worden, um gemeinsam mit dem Gesundheitsamt und der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft ein optimiertes Hygienekonzept zu erarbeiten. Bereits im vergangenen Frühling war für die Erntehelfer, die auf dem Gelände des Hofes wohnen, ein eigener kleiner Supermarkt installiert worden, damit die Saisonarbeiter so wenig wie möglich in Kontakt treten müssen mit der Bevölkerung. Dieser ist wieder in Betrieb. Darüber hinaus sind für die über 100 Helfer zusätzliche Räumlichkeiten geschaffen sowie weitere Duschen und Toiletten eingerichtet worden. Laufwege wurden aufgezeichnet und dort, wo Abstände nicht so leicht einzuhalten sind, wie beim Sortieren und Verpacken, wurden Trennwände aus Plexiglas eingezogen.

Mit Blick auf alle getroffenen Vorkehrungen resümiert der Unternehmer Peter Soltau: „Das war ein immenser Aufwand, aber es ist ja in unserem ureigensten Interesse.“

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