Gesicht zeigen gegen Rechts – Eschede ruft zur Gegenwehr auf

Gesellschaft Von Anke Schlicht | am Do., 24.09.2020 - 14:21

ESCHEDE. „Rollläden runter, Eschede ist nicht da!“ Eine Strategie, die im Umgang mit dem auf dem Finkenberg ansässigen Landesverband der NPD verlockend erscheint. Besonders angesichts einer zweiten angemeldeten Aktion der Rechten im Abstand von einer Woche. Am 26. September wird auf dem ehemaligen Hof Nahtz außerhalb der Ortschaft nicht nur Erntefest unter Gleichgesinnten gefeiert, sondern es wurde auch eine Versammlung unter dem Motto „Dorfgemeinschaft statt linker Hetze – Eschede wehrt sich“ angemeldet und genehmigt. Somit wiederholen sich die Ereignisse vom vergangenen Wochenende, als fünf NPD-Mitglieder durch ein Wohngebiet zogen und vor dem Rathaus eine Kundgebung abhielten.

„Die Route wird in leicht modifizierter Form und in entgegengesetzter Richtung die gleiche sein“, sagt Bürgermeister Günter Berg während eines Pressegespräches, „sie suchen sich die Punkte aus, wo sie wissen, da kommt die Antifa hin“. Wichtig sei der NPD die Nähe zur Bundesstraße, denn hier trafen bei einem Aufmarsch am 20. Juni Vertreter der Antifa und der NPD aufeinander, es kam zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Im Ort sorgten diese Ereignisse für größte Verunsicherung und laut Günter Berg Angst. „Viele Menschen wollen von diesem Thema gar nichts mehr wissen“, ergänzt der Verwaltungschef. Und dennoch oder gerade deshalb ist es aus seiner Sicht und der des Escheder Bündnisses gegen Rechtsextremismus von größter Bedeutung, die Dorfgemeinschaft zu sensibilisieren und zur Gegenwehr zu mobilisieren. „Wegschauen ist keine Lösung, es geht uns alle an“, hat Berg seinen Aufsatz im „Eschenblatt“ überschrieben, in dem er sich an alle Gemeindemitglieder wendet und in dem er sowohl Enno Stünkel als auch Ruben Obenhaus zitiert. Der Programmbereichsleiter für politische Bildung an der VHS Celle sowie der Vertreter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Niedersachsen stehen der Gemeinde beratend zur Seite. „Die NPD hat aus Hetendorf gelernt, die gehen jetzt behutsam vor, nutzen den Eindruck, sie seien unbedeutend“, erläutert Obenhaus vor dem Hintergrund, dass es in den 90er Jahren schon einmal einen NPD-Standort in einem Heideort gab. Dieser wurde seinerzeit vom niedersächsischen Innenministerium mit einem Verbot belegt. Damals sei man martialischer aufgetreten, heute gehe man defensiver vor. Im Vergleich zu damals sei die rechtsextreme Bewegung insgesamt jedoch größer geworden. Im Bericht des niedersächsischen Verfassungsschutzes wird der Hof Finkenberg kurz erwähnt, das Problem sehe man laut Obenhaus in der Wirkung auf andere rechtsgerichtete Gruppierungen. Enno Stünkel erläutert das gewählte Motto der Rechten für das kommende Wochenende: „Die kehren damit die realen Verhältnisse einfach um. Sie sind es, die eine Atmosphäre der Bedrohung schaffen“. Sich neutral zu verhalten, hält Stünkel nicht für zulässig, weil das Zusammenleben in der Demokratie darauf angewiesen sei, dass bestimmte grundsätzliche Haltungen wie die Achtung der Menschenrechte entschieden vertreten und, wo es nötig sei, verteidigt würden.

Günter Berg hat durchaus Verständnis für all, die sich eher von der friedlichen Form des Protests im vergangenen Winter angezogen fühlten: „Wir werden da auch wieder anknüpfen, aber im Moment macht uns Corona einen Strich durch die Rechnung“, betont der Bürgermeister, der die NPD nicht für das zentrale Thema in der Dorfgemeinschaft hält, „da gibt es ganz anderes“. Er sieht jedoch die Gefahr des Reputationsverlustes der Gemeinde, die viel zu bieten habe.

Dem Verwaltungschef ist es wichtig, dass Eschede Gesicht zeigt gegen Rechts. Gelegenheit besteht am kommenden Samstag: Das Escheder Bündnis gegen Rechtsextremismus hat gemeinsam mit dem „Celler Forum gegen Rechts“ zu einer Gegendemo aufgerufen, die um 12 Uhr am Marktplatz beginnt und sich über die Bahnhofstraße zum Finkenberg bewegt. Geplant ist ein Marsch zum Hofgelände.