Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg wird geschlossen

Religion Von Redaktion | am Mi., 10.03.2021 - 17:22

HERMANSBURG/HANNOVER. Die FIT war 2012 gegründet worden, um einem gewandelten Verständnis von Mission und den veränderten religiösen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen Rechnung zu tragen, die sich auch in der weltweiten Zusammenarbeit der Kirchen zeigten. Die Einrichtung hatte das bisher dort ansässige Missionseminar abgelöst, einer Ausbildungseinrichtung für Pastoren in der Mission, die auf Missionsgründer Ludwig Harms zurückging
 
Ziel der FIT war es laut dem Ev. luth. Missionswerk, partnerschaftliches interkulturelles Lernen in Theologie und Sozialwissenschaften zu ermöglichen und so einen Beitrag zur weltweiten Ökumene sowie zum internationalen Frieden zu leisten. Das sei in den fast zehn Jahren des Bestehens auch gelungen. Die Fachhochschule ist in Niedersachsen mit zwei BA Studiengängen akkreditiert. Zusätzlich findet seit 2009 der Magister-Studiengang Intercultural Theology der Uni Göttingen in Kooperation mit der FIT statt. 

„Es waren finanzielle Notwendigkeiten, die bei dem Beschluss der Schließung der FIT entscheidend waren“, erläutert Michael Thiel, Direktor des ELM. „Die Akkreditierung als Fachhochschule, die aus akademischer Sicht sinnvoll ist, ist mit hohen Anforderungen verbunden, die erhebliche finanzielle Auswirkungen haben. Die Trägerkirchen haben den Missionsvorstand aufgefordert Szenarien zu entwickeln, die mit 20 Prozent weniger Zuweisungen planen. Hintergrund ist der demografische Wandel, der zu einer Senkung der Einnahmen aus Kirchensteuern führt und allgemeine Kürzungen der landeskirchlichen Zuweisungen für das ELM nach sich ziehen wird. Zusätzlich müssen die allgemeine Kostensteigerung und Pensionsrückstellungen finanziert werden. 
Das alles führte zu einer Situation, in der der Missionsausschuss als Aufsichtsgremium des ELM entscheiden musste, welche Arbeitsbereiche weitergeführt werden können. Seit eineinhalb Jahren wurde intensiv an verschiedenen Lösungen gearbeitet.“ 

Schließlich habe der Missionsausschuss unter Vorsitz von Landesbischof Ralf Meister entschieden, die Studiengänge der Fachhochschule auslaufen zu lassen. Mit großem Bedauern und hoher Anerkennung der Arbeit, die in den letzten Jahren in der FIT geleistet wurde, beschloss der Missionsausschuss, die Schließung der FIT mit einer Übergangszeit von vier Jahren, so das ELM. „Dabei ist garantiert, dass alle jetzigen Studierenden ihren Abschluss an der FIT machen können. Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden Möglichkeiten von Anschlussbeschäftigungen geprüft,“ sagte Dirk Stelter, Oberkirchenrat der Landeskirche Hannovers und Mitglied des Missionsausschusses nach der Sitzung.

„Die Entscheidung, die FIT mit ihrer beeindruckenden Expertise in Interkultureller Theologie zu schließen, ist ein schmerzhafter Einschnitt. Als Kirchen müssen wir in Zukunft ganz gezielt daran arbeiten, Interkulturelle Theologie noch viel stärker als bisher als kirchliche Querschnittsaufgabe zu verstehen.“ bedankte sich Landesbischof Ralf Meister bei Prof. Dr. Wilhelm Richebächer, dem Rektor der FIT, und dem Kollegium für die gute Arbeit in den letzten Jahren. 

Prof. Dr. Richebächer kommentiert die Entscheidung: „Ich halte diese Entscheidung angesichts der missionarischen und interreligiös-dialogischen Verantwortung der Kirchen in einer immer multikulturelleren deutschen Gesellschaft für einen großen Fehler. Gleichzeitig stelle ich dankbar fest: Das Kollegium hat seit zehn Jahren mit großem Einsatz dafür gearbeitet, ein einzigartiges Studienangebot in Deutschland aufzubauen und zu etablieren. Viele haben das als notwendiges Angebot positiv gewürdigt. Leider fehlte am Ende, nicht nur bei den Kirchen, das Geld, diesen Beitrag zu einer sich veränderten Gesellschaft in vielen Ländern zu finanzieren.“
Diese schwerwiegende Entscheidung wird in den kommenden Jahren zu einer Weiterentwicklung der Konzeption des ELM und zu einer noch engeren Zusammenarbeit mit den Träger- und Partnerkirchen führen.

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