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Celle

Fachtag Autismus informierte über aktuelle und überholte Therapien

05.05.2019 - 08:22 Uhr     Jan-Patrick Biedermann    0
Fotos: Peter Müller

CELLE. „Unser Ziel ist es, dass Menschen mit Autismus in Würde leben können“, eröffnete Maria Kaminski, Vorsitzende des Bundesverbandes Autismus Deutschland e.V., gestern den dritten Fachtag Autismus an der Paul-Klee-Schule. Das Thema: „Neue Perspektiven – In Förderung und Entwicklung von Menschen im Autismusspektrum – Bindungs- und Beziehungsstrukturen und deren Auswirkungen“. Es war erneut gelungen mit Facharzt Thomas Duda aus Hildesheim, dem Musiktherapeuten Dr. phil. Thomas Bergmann und Dipl. Designer Matthias Brien renommierte Experten für die Tagung zu gewinnen. Mit mehr als 170 Teilnehmern aus dem gesamten Bundesgebiet war der Fachtag ausgebucht.



Kaminski hält eine frühe Diagnose und eine angepasste Therapie für das A und O, um Kindern mit Autismus eine erfolgreiche Schulzeit zu ermöglichen: „Kein Elternteil wird mit Wissen über Autismus geboren. Sie brauchen die Hilfe der Experten. Es sind kleine und langfristige Ziele nötig“. Die Autisten hätten so eine gute Möglichkeit auf eine erfolgreiche Karriere. Gerade Niedersachsen besitze ein flächendeckendes System für Menschen mit Autismus, weiß die Osnabrückerin.

Briens selbst geschriebenes Theaterstück „Fremde Mama“, welches in Zusammenarbeit mit dem Celler Schlosstheater inszeniert wurde, führte inhaltlich in den Fachtag ein. Die Idee zu diesem Theaterstück entstand schon vor über 20 Jahren – aktuell sei es dennoch. Therapie und Entwicklung seien heute in der Öffentlichkeit besonders präsent. Gerade das Verhältnis dieser beiden Begriffe zueinander gerät beim Theaterstück in den Fokus: Wird Entwicklung gemacht oder passiert Entwicklung von sich aus?

Facharzt Thomas Duda beschäftigte sich in seinem Vortrag mit Autismus-Spektrum-Störungen sowie den Unterschieden und Gemeinsamkeiten von Bindungsstörungen und Autismus. „Die Bindung, zum Beispiel zu den Eltern, ermöglicht einem Kind, sich zu entwickeln – die sozialen Fähigkeiten sind ein Beispiel hierfür“, so Duda. Autisten hätten dabei kein Problem der Empathie, sondern vielmehr des Verstehens des Kontextes. Schwierigkeiten in der Kommunikation entstünden hierbei durch Betonungen, Einsatz von Ironie usw.

Durch zwei Rauminstallationen Briens konnten die Gäste die besondere Wahrnehmung von Menschen mit Autismus-Spektrum-Störungen erleben. Die Installationen sollen dem Betrachter verdeutlichen, dass ein Kind mit Autismus sich Strukturen aufbaut, um seine Umgebung besser verarbeiten zu können. „In der Vergangenheit ist eine Therapie darauf ausgelegt gewesen, den Kindern ein solches Verhalten auszutreiben. Dabei stellt dieses Verhalten für das Kind nur eine Hilfestellung dar. Dieser falsche Ansatz der Therapien hat sich in den vergangenen drei Jahren deutlich gebessert“, erklärt Brien.

Wie Menschen aus dem Autismus-Spektrum Musik wahrnehmen und die Musikpädagogik und Musiktherapie funktioniert, berichtete der Musiktherapeut Bergmann. In der Pädagogik wirke sich musikalisches Training auf verschiedene Aspekte der Entwicklung aus, darunter Kommunikation, sozio-emotionale und motorische Entwicklung – und das bei Kindern mit Autismus und anderen Entwicklungsstörungen wie auch bei sich normal entwickelnden Kinder. Hier könne perspektivisch ein Förderpotenzial insbesondere für inklusives Arbeiten gesehen werden.

Veranstalter des Fachtags Autismus ist die Paul-Klee-Schule Celle und die Stiftung Linerhaus. Zusätzlich konnten sich die Besucher beim Verein Autismus Celle e.V. und der Maßnahme AuReA (Autismus – Rehbilitation – Arbeit) des Unternehmens SALO+PARTNER informieren. Die Schüler verkauften mit Unterstützung des Kollegiums der Paul-Klee-Schule Celle selbst gebackene Muffins. Der Erlös soll der Sprachheilschule Celle zu Gute kommen, die kürzlich gebrannt hat. Am Ende waren die Gäste eingeladen, bei Kaffee und Kuchen, das Gespräch und die Diskussion mit den Experten zu suchen.





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